SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. November 2008, 17:33 Uhr

Knutschdemo in Österreich

Küss nur die Haaand

Wir lassen uns das Küssen nicht verbieten: Mit Rudelknutschen haben sich 20 Paare gegen die Kontaktsperre an einer österreichischen Hauptschule gewehrt. Dem Schulleiter sind "Rituale aus dem Intimbereich" zuwider, Schülervertreter finden so viel Prüderie lächerlich.

Ein Kussverbot an einer österreichischen Schule hat eine Gruppe Schüler zu zärtlichem Protest veranlasst: 20 knutschende Paare stellten sich am Montag in Linz vor das Landesschulratsgebäude, um gegen den strengen Direktor der Hauptschule Gunskirchen zu demonstrieren.

Küssen ist Schülerrecht, finden diese Demonstranten
DPA

Küssen ist Schülerrecht, finden diese Demonstranten

Siegfried Biermair, Leiter der oberösterreichischen Hauptschule, hatte vergangene Woche ein generelles Kussverbot verhängt. Das Verbot sei von einem demokratisch gebildeten Schulforum auf Initiative der Eltern hin beschlossen worden, sagte der Direktor dem Fernsehsender ORF.

Seitdem sind auch Schmatzer unter Freunden verboten, denn diese "zum Teil lang anhaltenden Küsse auf den Mund haben nichts mit Begrüßen und Verabschieden zu tun und sind daher in der Schule zu unterlassen", begründete Direktor Biermair das in einem Brief an die Eltern. Sie sollten auf ihre Kinder einwirken, derartige "Rituale aus dem Intimbereich" künftig in der Schule zu unterlassen. Küsse auf die Wange blieben erlaubt.

"Rituale aus dem Intimbereich"

Die Schüler seien in diese Entscheidung nicht einbezogen worden, kritisierte die bundesweite Schülervertretung Aktion kritischer Schüler (AKS) in einem Schreiben auf ihrer Web-Seite. Die Schülervertreter nannten das Verbot "lächerlich und völlig übertrieben".

Der Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer hatte zuvor das Verbot von Küssen auf den Mund begrüßt: "Die Schule ist auch da, um Erziehungsarbeit zu leisten und die Eltern darin zu unterstützen", so Enzenhofer im ORF.

Nach dem Gruppenknutschen vor Enzenhofers Amtssitz überreichten ihm Mitglieder der AKS einen Kussmund aus Karton mitsamt einer Rücktrittsforderung. Ein Gespräch zwischen dem Amt und den Schülern brachte keine Lösung. Bis auf weiteres bleibt das Knutschverbot damit an der Hauptschule in Kraft.

Öffentliche Küssgelage sind eine beliebte Protestform gegen von oben verordnete Prüderie - nach der Verabschiedung des "Sexual Offence Act" in Südafrika zu Beginn des Jahres, der unter 16-Jährigen jeden sexuellen Kontakt untersagt, verabredeten sich Jugendliche in den Städten Kapstadt, Johannesburg und Pretoria zum sportlichen Dauerknutschen, einem "Kissathon".

cht/dpa

URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH