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Hessen: Schülern aus 18 Klassen fehlen Noten im Zeugnis

Zeugnis wird begutachtet Zur Großansicht
DPA

Zeugnis wird begutachtet

Wegen schwerer Krankheit war ein Lehrer wochenlang ausgefallen: Zwar gab es Vertretungsunterricht, der durfte aber nicht benotet werden. Viele Schüler haben deswegen nun eine Lücke im Zeugnis.

Ein Lehrer der Louis-Peter-Schule im hessischen Korbach erkrankte im vergangenen Halbjahr mehrfach schwer und konnte wochenlang keinen Unterricht geben. Die Schule engagierte zwar externe Vertretungslehrer, diese durften allerdings keine Noten verteilen.

Konsequenzen hatte das vor allem für die Schüler: Diese haben nämlich in den Fächern Geografie, Geschichte, Politik und Sport laut einem Bericht der "Hessischen Niedersächsischen Zeitung" (HNA) keine Noten für ihre Halbjahreszeugnisse erhalten. Betroffen sind Schüler aus 18 Klassen. In ihrem Zeugnis hatten sie statt einer Zensur lediglich den Vermerk "kann nicht festgestellt werden".

Immer wieder war der Pädagoge für längere Zeit ausgefallen - mehr als fünf Wochen am Stück war er jedoch nie krankgeschrieben. "Erst ab der sechsten Krankheitswoche in Folge greift die Vertretungsregelung, nach der das Schulamt einen Ersatzlehrer benennen muss, der auch Noten geben darf", sagte die Leiterin des zuständigen Schulamts in Fritzlar, Waltraud Credé, SPIEGEL ONLINE.

"Eine ungünstige Konstellation"

Einige Eltern machen sich nun Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. "Wir sind sehr erschrocken", sagte Elternbeiratsvorsitzende Alexandra Hamel der "HNA". "Wir haben erst wenige Tage vor der Zeugnisvergabe davon erfahren", sagt sie. Einige Schüler hätten sich laut Schulamt mit dem Halbjahreszeugnis schon bewerben wollen.

"Es handelt sich hier um eine sehr ungünstige Konstellation. So was habe ich noch nie erlebt", sagte Schulamtsleiterin Credé. Die Schüler könnten nichts dafür und dürften auch nicht benachteiligt werden. Die bevorstehenden Abschlussprüfungen der zehnten Klassen sieht Credé nicht in Gefahr, denn der prüfungsrelevante Stoff sei von den Vertretungskräften vermittelt worden.

Für das aktuelle Halbjahr sei der Unterricht gesichert - dieses Mal werde es allerdings auch wieder Noten geben. Das Schulamt hat einen Ersatzlehrer organisiert.

asc

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Selbst Schuld
realist29 14.03.2016
Die Menschen wählen massenhaft CDU, SPD, Grüne, FPD oder AfD. Alle diese Parteien senken die Steuern für Reiche. Für funktionierende Schulen und gute Lehrer (oder überhaupt für Lehrer) ist dann halt kein Geld da. Wer ein gutes Schulsystem mit hochqualitativen Unterricht haben möchte, dass zudem von Unterrichtsausfällen verschont bleibt, muss dafür bezahlen. Ansonsten muss man die Defizite eben akzeptieren.
2. was war denn das für ein Lehrauftrag?
wiseguy1985 14.03.2016
Wenn der Herr 18 Klassen in 4 Fächern zu unterrichten hatte, die alle mehr als eine Stunde pro Woche gehalten werden müssen, erstaunt es mich nicht, dass der Mann öfter ausfällt. Wahrscheinlich überarbeitet! Möglicherweise hatte er aber auch eine ganz normalen Lehrauftrag mit ca. 26 Stunden, dann dürften aber nicht so viele Schüler betroffen sein. Und sicherlich kamen nicht alle dieser Schüler aus der 10. Klasse.(welche Schule hat schon 18 Paralellklassen, d.h. es betraf maximal einige Halbjahresinformationen anstatt Zeugnisse (die gibt es wohl nur für 10.klässler auch zum Halbjahr). Damit ist also alles halb so dramatisch. Trotzdem ist es natürlich extrem ärgerlich und spricht Bände für die miese Schulpolitik, wenn bei einem so langen Ausfall der eigentlichen Lehrkraft nicht für qualifizierten Ersatz gesorgt wird. Müssen die Schüler jetzt im zweiten Halbjahr doppelt so viele Noten erarbeiten?
3.
acitapple 14.03.2016
Wozu stellt man einen Vertreter ein, wenn dieser nicht bewerten darf ? Es wird doch einem Lehrer möglich sein die Leistung der Schüler zu messen und im Zeugnis anzugeben, oder ? Deutsche Bürokratie...naja, dann lernen es die Kinder eben etwas früher.
4. Zeugnisse...
di wa 14.03.2016
...gibt es in Hessen auch zum Halbjahr - und das nicht nur in der zehnten Klasse.
5. Benotung
dickebank 14.03.2016
Zitat von acitappleWozu stellt man einen Vertreter ein, wenn dieser nicht bewerten darf ? Es wird doch einem Lehrer möglich sein die Leistung der Schüler zu messen und im Zeugnis anzugeben, oder ? Deutsche Bürokratie...naja, dann lernen es die Kinder eben etwas früher.
In NRW muss ein Schüler mindestens 6 Wochen am Unterricht teilgenommen haben, damit er benotet werden kann. Das ist eine Elternforderung gewesen, die der Verordnungsgeber für den Bereich Schule weisungsgemäß umgesetzt hat. - Also nicht meckern. Im umgekehrten Fall bedeutet das aber auch, dass eine Dauervertretung mindestens sechs Wochen ununterbrochen eine Klasse/einen Kurs unterrichtet haben muss, um diese bewerten zu dürfen. Bei Beamten ist es übrigens nicht anders als bei Angestellten; nach sechs Wochen krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit erlischt der Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Bei Angestellten folgt dann das Krankengeld, welches von der Krankenkasse geleistet wird. Bei Beamten kommt es nach sechs Wochen zu einer Absenkung der Besoldung, da der Dienstherr ja der gleiche ist, der auch für das "Krankengeld" der Beamten zuständig ist und die Entgelte aus dem gleichen Topf zahlt. Wie bei Mitarbeitern in der freien Wirtschaft erfolgt auch bei Beamten selten eine Krankschreibung durch den behandelnden Arzt, die den Zeitraum von fünf Wochen überschreitet. Der zeitraum der Arbeitssunfähigkeit muss lediglich durch einen einzelnen Arbeitstag unterbrochen sein, und schon ist das Krankengeld abgewendet.
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