Gewaltsame Räumung: Mexikos Polizei setzt Tränengas gegen Lehrer ein

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Showdown zwischen Lehrern und dem Präsidenten: Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto will auf einem zentralen Platz der Hauptstadt den Nationalfeiertag begehen. Ein Lehrerprotestlager, das im Weg war, hat die Bundespolizei jetzt gewaltsam geräumt.

Mehr als ein Dutzend Mal hatten Lehrer und Studenten in den vergangenen zwei Monaten gegen eine Bildungsreform in Mexiko protestiert, und damit das öffentliche Leben in dem Land wiederholt zum Stillstand gebracht.

Jetzt, zwei Tage von der großen Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag, griff die Polizei hart durch: Am Freitagabend lösten Sicherheitskräfte mit Tränengas und Wasserwerfern ein Protestlager von Lehrern und Studenten in der Innenstadt von Mexiko-Stadt auf. Die Mehrheit der Zeltstadtbewohner war nach einem Ultimatum der Polizei abgezogen, etwa 200 Demonstranten wollten nicht weichen und errichteten Barrikaden. 31 Menschen wurden festgenommen.

Hintergrund ist wohl, dass auf der bislang besetzten Plaza de la Constitucion, dem Zocalo, der erklärte Gegner des Demonstranten, Präsident Enrique Peña Nieto, am Sonntag die nationalen Helden des Unabhängigkeitskrieges gegen Spanien ehren will.

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Lehrer-Proteste in Mexiko: Tränengaseinsatz auf dem Zocalo
Die Stimmung in Mexiko-Stadt ist seit Wochen angespannt. Präsident Nieto hatte die umstrittene Bildungsreform am Dienstag unterzeichnet. Sie schränkt den Einfluss von Gewerkschaften ein und zwingt Lehrer, sich regelmäßigen Leistungsbewertungen zu unterziehen. Außerdem fällt unter anderem das Privileg weg, dass Lehrer ihre Stelle an ihre Kinder weitergeben dürfen.

Am Mittwoch nach der Unterzeichnung waren nach Polizeiangaben rund 12.000 Demonstranten in Mexiko-Stadt auf die Straße gegangen. Hunderte Bereitschaftspolizisten hielten die Protestierer von der Residenz des Präsidenten fern. In Folge eines Lehrerstreiks blieben im westlichen Staat Jalisco 200 Schulen geschlossen. Im südwestlichen Staat Guerrero hatte Lehrer eine Autobahn blockiert, die Mexiko-Stadt mit dem Urlaubsort Acapulco verbindet.

Nachdem sie das Parlament nicht von der Verabschiedung des Gesetzes abhalten konnten, hoffen die Lehrer jetzt, die Bevölkerung zu mobilisieren. Bei den Protesten geht es nicht nur um Bildung. Präsident Nieto steht auch wegen geplanter Steuererhöhungen und der Privatisierung des bislang staatlich organisierten Öl- und Erdgassektors in der Kritik.

cht/AP/Reuters

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1. Nur die Halbe Wahrheit
oliverhoeven1 14.09.2013
Unter den Demonstranten befanden sich eingeschleuste gewaltbereite Krawallmacher die mit Molotovs und Eisenstangen bewaffnet waren. Von den 31 verhafteteten war kein einziger Lehrer von Beruf. Die Lehrer selber demonstrieren auch fuer verbesserte Bedingungen in den Schulen wo es zum Teil nicht mal genug Stuehle hat oder ein Lehrer soll IT unterrichten und hat nicht mal einen Computer zur Verfuegung. Schuelern keine ausreichende Bildung zu geben hat System in Mexico.....
2.
Blaue Fee 14.09.2013
Zitat von oliverhoeven1Unter den Demonstranten befanden sich eingeschleuste gewaltbereite Krawallmacher die mit Molotovs und Eisenstangen bewaffnet waren. Von den 31 verhafteteten war kein einziger Lehrer von Beruf. Die Lehrer selber demonstrieren auch fuer verbesserte Bedingungen in den Schulen wo es zum Teil nicht mal genug Stuehle hat oder ein Lehrer soll IT unterrichten und hat nicht mal einen Computer zur Verfuegung. Schuelern keine ausreichende Bildung zu geben hat System in Mexico.....
Richtig, allerdings haben sie andere Schulen ebenfalls zum Stillstand oder zum umdisponieren gezwungen, weil der Schulweg abgeschnitten war. Unsere Schule hat die "Open Doors" vertagt, während die Manuel Acosta am vergangenen Mittwoch schulfrei gegeben hat. Von den vielen Geschäftseinbussen im Zentrum einmal abgesehen. Man kann nicht auf dem Rücken der Allgemeinheit demonstrieren, besonders dann nicht, wenn es sich um ein fremdes Bundesland ohne CNTE-Beteiligung handelt. Das Gesetz ist beschlossen worden, da gibt es keinen Schritt zurück. Gegen was man als Mexikaner noch demonstrieren kann, ist die Einführung der Mehrwertsteuer auf Schulgebühren oder Tierfutter. (Wir Ausländer haben uns da ja nicht einzumischen ohne Deportation fürchten zu müssen.)
3. Lehramt geerbt
darkview 15.09.2013
Das Privileg zu entziehen, das Leheramt an die Kinder weiterzugeben, finde ich aber in Ordnung. Wobei Lehrerkinder oft besser gebildet sind als vergleichbare Menschen. Vor allen in Ländern mit starker sozialer Bevölkerungsspaltung. Deutschland machts ja fleißig mit. Oben geboren bleibt oben, unten bleibt unten.
4. Zocalo Mexico-City
hans rose 15.09.2013
ich weiss nicht wieso Ihr Bericht sagt , dass die Polizei " hart durchgriff" !?? es war eine der gewaltlosesten Raeumungen , die ich hier erlebt habe! sehr gut vorbereitet und...... endlich wurde der Platz von Gesindel und Anarchisten gesaeubert ! Lehrer ?? , die waren nur noch vereinzelt dabei ! haben andere mexikanische Buerger KEIN Recht auf diesen historischen Platz ? speziell zum Nationalfeiertag !?
5. Man sollte nicht vergessen,
marypastor 16.09.2013
Zitat von sysopShowdown zwischen Lehrern und dem Präsidenten: Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto will auf einem zentralen Platz der Hauptstadt den Nationalfeiertag begehen. Ein Lehrerprotestlager, das im Weg war, hat die Bundespolizei jetzt gewaltsam geräumt. Mexiko Stadt: Polizei greift Lehrer an - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/mexiko-stadt-polizei-greift-lehrer-an-a-922218.html)
dass ALLE Gewerkschaften in Mexiko seit fast 80 Jahren von der Regierungspartei PRI gegruendet und mit enormen Previligien ausgestattet wurden ( zahlen keine Steuern, ihre Chefs sitzen im Parlament und im Senat, haben Privatflugzeuge und Yachten ), um Waehlerstimmen zu sichern. In der PEMEX ist jeder dritte Job von Gewerkschaftlern besetzt, die nur ihren Scheck abholen.
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