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Nach dem Austauschjahr Der lange Weg nach Hause

Austauschschüler Friedrich: Der beste Kumpel hat jetzt neue FreundeZur Großansicht
Friedrich Püttmann

Austauschschüler Friedrich: Der beste Kumpel hat jetzt neue Freunde

3. Teil: Sylvana, 16, zurück aus Japan: Drei Tage geschmollt

"In Japan habe ich mich sehr auf meine Ankunft in Deutschland gefreut. Ich malte mir aus, wie mich meine Familie und Freunde jubelnd in die Arme schließen würden. Aber ich wurde enttäuscht. Das Empfangskomitee am Flughafen bestand nur aus der Mutter meiner Stiefschwester.

Meine eigene Mutter und meine Schwester waren nämlich gerade aus Spanien zurückgekommen und hatten sich mit der Schweinegrippe angesteckt. Als ich wieder zu Hause war, liefen beide mit Mundschutz herum, ich durfte sie zur Begrüßung nicht einmal umarmen. Meine Wiedersehensparty hatten sie abgesagt. Ich war so enttäuscht, dass ich drei Tage geschmollt habe.

Meinen Gasteltern in Japan wollte ich auf Japanisch eine E-Mail schreiben, um ihnen mitzuteilen, dass ich gut zu Hause angekommen bin. Aber ich musste es auf Englisch tun, weil ich noch kein Programm auf meinem Computer habe, mit dem die lateinischen Buchstaben in japanische Zeichen verwandelt werden.

"Sag etwas, das schön klingt!"

In den ersten Tagen habe ich mein Zimmer umgeräumt und aussortiert. Meine Muschelsammlung, uralte Geschenke von Freunden und alte Klamotten habe ich in Japan nie vermisst, also brauche ich sie auch nicht mehr.

Seit ich wieder zurück bin, verstehe ich mich besser mit meiner jüngeren Schwester als vor meiner Zeit in Japan. Wir beide waren im vergangenen Jahr sozusagen Einzelkinder und wissen jetzt mehr zu schätzen, was wir aneinander haben.

Als ich meine Freunde endlich wiedersehen durfte, waren sie total neugierig und wollten viel über mein Austauschjahr wissen. Das hat mich gefreut. Aber in den zehn Monaten ist so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, zu erzählen. Ich werde ständig gebeten, etwas auf Japanisch zu sagen. Meine Freunde fordern: 'Sag etwas, das schön klingt!' Aber woher soll ich wissen, was in ihren Ohren schön klingt?

Alle meinten erleichtert, ich hätte mich nicht verändert. Das sehe ich aber anders. Ich bin selbstbewusster geworden und auch fleißiger. Arbeiten im Haushalt oder Hausaufgaben fallen mir mittlerweile leicht. Die japanischen Schüler sind disziplinierter und ehrgeiziger als die Deutschen. Da habe ich mir ein bisschen was abgeschaut.

Peinliche Situationen

Einige neue Angewohnheiten muss ich aber schnell wieder vergessen: In Japan habe ich gelernt, mich bei jeder Gelegenheit zu verbeugen. Wenn ich mich jetzt bedanken will oder jemanden begrüße, geht automatisch mein Kopf nach unten. Das führt schnell zu peinlichen Situationen.

Die Japaner sind generell viel höflicher als die Deutschen. An die vielen griesgrämigen Gesichter muss ich mich erst wieder gewöhnen. Wenn man in Japan Einkaufen geht, wird man freundlich begrüßt und verabschiedet. Die Verkäufer geben einem das Gefühl, dass sie sich freuen, einen zu sehen. In Deutschland kommen mir die Verkäufer jetzt richtig unhöflich vor, wenn sie nur fragen: "Bon?"

Gut finde ich aber, dass ich zu Hause wieder offen meine Meinung sagen kann und Konflikte ausdiskutiert werden. Denn in Japan wird kaum gestritten, jemanden zu kritisieren gilt als unhöflich. Trotzdem sind die japanischen Mädchen nicht weniger zickig als die Deutschen. Vieles wird nur hinter dem Rücken anderer Menschen gesagt.

Ich werde jetzt die zehnte Klasse wiederholen und nicht mehr mit meinen alten Freunden zusammen unterrichtet werden. Das finde ich schade - aber die Erfahrungen, die ich in Japan machen konnte, sind es wert."

cpa / Aufgezeichnet von Sonja Salzburger

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