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30. Dezember 2012, 10:42 Uhr

Mein erstes Mal

Moritz, 12, zieht ins Ausland

Wenn die Eltern ins Ausland gehen, müssen die Kinder mit - ob sie wollen oder nicht. Moritz, 12, hatte keine Lust, von Braunschweig nach Prag zu ziehen. Inzwischen will er gar nicht mehr zurück. Auch wenn er nicht allein in die Stadt kann, denn Tschechisch spricht er immer noch nicht.

"Als meine Eltern mir sagten, dass wir für zwei Jahre nach Tschechien ziehen, war ich geschockt. Ein furchtbarer Gedanke, Braunschweig gegen Prag zu tauschen, meine Freunde zurücklassen und aus meinem schönen großen Zimmer ausziehen zu müssen. Und das alles für den Job meines Vaters. Viel Zeit zum Nachdenken blieb mir aber nicht. Bereits ein paar Monate später sollte es losgehen und es gab noch viel zu tun.

Ein paar Wochen vor dem Umzug fuhren wir nach Prag, um meinen jüngeren Bruder Finn und mich an der deutschen Schule anzumelden. Meine neue Klasse besuchte ich nicht, obwohl man es mir angeboten hat. Ich habe mich nicht getraut.

Damals sahen Finn und ich auch zum ersten Mal unser neues Haus. Meine Eltern hatten es bereits ein paar Wochen zuvor ausgesucht. Das Haus ist kleiner als in Braunschweig, aber gemütlich. Ich mag es. Allerdings ist auch mein neues Zimmer nur halb so groß wie das in Braunschweig. Darum fiel mir das Packen nicht leicht, denn ich musste gründlich aussortieren. Mitgenommen habe ich vor allem Gesellschaftsspiele, viele Bälle und meinen Tischkicker. Mein Zimmer in Braunschweig sieht jetzt ziemlich leer aus, vor allem, weil es so aufgeräumt ist, normalerweise lag immer viel auf dem Boden herum.

Zu viele Hobbys, um regelmäßig zu telefonieren

Am letzten Schultag vor dem Umzug gab es in meiner Klasse eine Party, da außer mir noch ein anderer Junge die Klasse verlassen sollte. Wir spielten den ganzen Morgen, hörten Musik, redeten viel und aßen Süßigkeiten. Ich brachte Oblaten mit, eine tschechische Spezialität, die mein Vater für uns in Prag besorgt hatte. Am Ende überreichte mir eine Mitschülerin ein kleines Geschenk von der ganzen Klasse - darin war Schokolade. Die war dann aber leider schon leer, bevor wir umgezogen sind - mein Vater hat sie aufgegessen.

In den letzten Wochen vor dem Umzug traf ich mich, so oft es ging, mit meinen Freunden zum Spielen. Heute versuche ich mit ihnen über Telefon und Skype Kontakt zu halten, aber das ist gar nicht so einfach. Ich habe in Prag sehr viele Hobbys, spiele Basketball und Fußball und komme oft erst abends nach Hause.

Vor kurzem waren zwei meiner Freunde aber für eine Woche bei uns zu Besuch. Ihre Eltern sind Freunde meiner Eltern, in Braunschweig sind wir Nachbarn - zusammen mit meinem Bruder und einem weiteren Freund sind wir die "Fünf Freunde".

Meine Freunde hängen hier übrigens bei mir über dem Bett. Als Abschiedsgeschenk habe ich von ihnen nämlich eine Girlande mit Fotos von uns bekommen. Auspacken durfte ich erst, als wir in Prag angekommen waren. Meine Freunde vermisse ich wirklich sehr, auch wenn ich in Prag nette Mitschüler habe, mit denen ich viel unternehme.

Was in meiner alten Schule passiert, bekomme ich auch mit. Mein ehemaliger Klassenlehrer ist ein Schulfreund meines Vaters und wenn wir in Braunschweig zu Besuch sind, erzählt er mir, was meine Mitschüler so machen. Angst, etwas zu verpassen, habe ich nicht. In Prag erlebe ich so viel, da verpassen eher die anderen etwas, weil sie nicht hier sein können.

Tschechisch kann ich leider noch nicht sprechen, dafür lerne ich Französisch. In Braunschweig hatte ich Latein, das gibt es an meiner neuen Schule aber nicht. Nun nehme ich viermal die Woche Französisch-Nachhilfe. Dafür bin ich vom Tschechischunterricht befreit. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin oder beim Sport, sind darum immer Freunde oder meine Eltern dabei, um mir beim Übersetzen zu helfen.

Wenn wir in eineinhalb Jahren zurück nach Braunschweig ziehen, werde ich sicherlich traurig sein, Prag verlassen zu müssen - ich fühle mich mittlerweile sehr wohl, obwohl ich anfangs ja auf keinen Fall hierher wollte. Am liebsten würde ich verlängern. Aber ich freue mich natürlich auch auf meine Freunde. Über Silvester fahren wir erst mal wieder nach Braunschweig. Dann kann ich sogar in meinem alten Zimmer übernachten, darauf freue ich mich sehr."

Aufgezeichnet von Marie-Charlotte Maas

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