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Riesenspende für New Yorker Schule: Das Eine-Million-Dollar-Foto

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  Fotoblog "Humans of New York": Brandon Stanton traf Vidal Chastanet im Stadtteil Brownsville  Zur Großansicht
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Fotoblog "Humans of New York": Brandon Stanton traf Vidal Chastanet im Stadtteil Brownsville

Der 13-jährige Vidal Chastanet erzählte einem New Yorker Blogger begeistert von seiner Direktorin, die keinen Schüler aufgibt. Damit veränderte er das Leben der Frau und das seiner Mitschüler.

Der Himmel hinter Vidal Chastanet, 13, ist kaum zu sehen. Brooklyns Plattenbauten verstellen die Sicht. Mit geöffneter schwarzer Daunenjacke steht der Junge an einem Tag Mitte Januar auf der Straße. Der Mensch, der ihn in seinem Leben am meisten beeinflusst habe, sei seine Schuldirektorin Frau Lopez, erzählt der Schüler. "Wenn wir Ärger machen, wirft sie uns nicht aus dem Unterricht. Sie holt uns in ihr Büro und erzählt uns, wie die Gesellschaft um uns herum funktioniert."

Vidal erzählte das nicht irgendwem. Er sprach mit Brandon Stanton, einem bekannten Blogger und Fotografen aus New York City. Stanton macht ein Foto von dem Jungen und postet seine Sätze und das Bild auf seinen millionenfach geklickten Blog "Humans of New York". Stanton will Gefühle und Geschichten von Bürgern der Metropole vorstellen, seit 2010 postet er beinahe täglich Fotos. Zu sehen sind Erwachsene und Kinder, Schwarze und Weiße, Wohlhabende und Obdachlose. So wurde auch der Junge aus Brownsville, einem armen Viertel mit "der höchsten Kriminalitätsrate New Yorks" (Stanton), weit über sein Viertel hinaus bekannt.

Von dem Eintrag waren Tausende Menschen so berührt, dass sie das Bild mehr als 20.000 Mal auf Stantons Facebook-Seite "HONY" kommentieren. "Die Welt braucht mehr Frauen wie Lopez", schreibt eine Userin. "Man sollte sie klonen", schreibt eine andere.

Direktorin Lopez: "Ich brach in Tränen aus"

Stanton besucht daraufhin die Mott Hall Bridges Academy in Brownsville, auf die der Schüler Vidal geht und will Direktorin Lopez kennenlernen. Mit ihr spricht er über die "begrenzten Horizonte" der benachteiligten Jugendlichen. Viele in Brownsville würden nicht daran glauben, dass aus ihnen etwas werden kann - und das brachte den Fotografen und die Rektorin auf eine Idee: "Wir wollen Geld sammeln, damit jeder Sechstklässler der Schule die Chance hat, mal aus diesem Viertel herauszukommen - und die Harvard University zu besuchen", schrieb Stanton vor einer Woche in sein Blog. Harvard, eine Elite-Universität in Boston, gilt für viele Schüler als unerreichbar.

Stanton ruft auf seinem Blog zum Spenden auf und erlebt eine Überraschung: Innerhalb von 45 Minuten kommen 100.000 Dollar zusammen - und inzwischen haben mehr als 36.000 Menschen gespendet, die Gesamtsumme beläuft sich auf mehr als eine Million Dollar.

Stanton ist begeistert und schreibt: "Wir haben in fünf Tagen genug gesammelt, um den Ausflug nach Harvard zu einem festen Bestandteil des Lehrplans zu machen". Daneben werde das Geld auch für Sommerferienprogramme der Schüler verwendet. Und vielleicht sogar noch mehr: Die Spendensammlung läuft noch bis 9. Februar.

Die Lehrerin zeigt sich im Gespräch mit dem Blogger überwältigt vom Erfolg der Aktion: "Bevor all das passierte, war ich total fertig. In dem Moment, in dem ich realisierte, dass Vidal etwas Nettes über mich gesagt hatte, brach ich in Tränen aus."

Das Viertel habe für Kinder nicht viel zu bieten. "Wenn man den Leuten erzählt, dass man aus Brownsville kommt, zucken sie zusammen." Zu ihren Schülern sagte Lopez: "Manche Menschen dachten, dass wir uns in Brownsville nur bekriegen und verrückt spielen." Nun sei ihnen klar, dass es "dort draußen doch Menschen gibt, die sich um euch kümmern".

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