Nordkoreas Schulen in Japan: Unterricht mit Kim und Kim

Von Heike Sonnberger

Porträts von Kim ll Sung und Kim Jong Il in Südkorea: Zeichen der Dankbarkeit Zur Großansicht
Getty Images

Porträts von Kim ll Sung und Kim Jong Il in Südkorea: Zeichen der Dankbarkeit

Auf Klassenfahrt geht es nach Pjöngjang, der Unterricht findet unterm Diktatorenporträt statt: Eine Schule in Tokio will Kindern Sprache und Kultur Nordkoreas näherbringen. Viele Japaner beobachten die pädagogischen Bemühungen argwöhnisch.

Wenn keine Porträts der nordkoreanischen Staatsmänner Kim Il Sung und Kim Jong Il an den Wänden hingen, würde sich diese Schule kaum von anderen Schulen in Japan unterscheiden. Doch die Koreanische Mittel- und Oberschule in Tokio huldigt den beiden verstorbenen Führern aus der Heimat offen - und eckt damit in Japan an.

Der US-Sender CNN zeigte am Montag, wie Kinder an der Schule den koreanischen Kampfsport Taekwondo trainieren und traditionelle Tänze lernen. Die Lehrer würden auf Koreanisch unterrichten, und einmal im Jahr organisiere die Schule eine Fahrt in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang, heißt es in dem Bericht.

Die Porträts der beiden Diktatoren seien ein Zeichen der Dankbarkeit gegenüber denen, die die Schule jahrelang mitfinanziert hätten, sagte Rektor Gil-ung Shin.

In Japan, wo Nordkorea den meisten Menschen mindestens unheimlich und oft auch zutiefst verhasst ist, kommt so etwas nicht gut an. Und so weigert sich die Regierung von Premierminister Shinzo Abe, die nordkoreanische Schule in Tokio wie andere private Auslandsschulen zu fördern.

An staatlichen Oberschulen die Schulgebühr erlassen

Mit Kriegsrhetorik und Raketentests provoziert Pjöngjang seit Jahren den Nachbarn jenseits des Japanischen Meers. Die neue Regierung in Japan reagiert mit nationalistischer Härte. Das trifft auch die Schule in Tokio: Ende Dezember verkündete Premierminister Abe, Pjöngjang nahestehende Einrichtungen könnten auch künftig nicht mit finanzieller Unterstützung rechnen. Solange Japan die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Nordkorea aufrechterhalte, könne man Kindern an nordkoreanischen Schulen im Land nicht das Schulgeld zahlen, hieß es zur Begründung in einem Bericht der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun".

Im Jahr 2010 hatte Abes Vorgängerregierung beschlossen, Jugendlichen an staatlichen Oberschulen die Schulgebühr zu erlassen. Internationale Privatschulen können ebenfalls von der Regel profitieren. Ob das allerdings auch für Einrichtungen gelten soll, die von Nordkorea unterstützt werden, war von Anfang an umstritten.

Die endgültige Entscheidung habe die Regierung seither aufgeschoben, schreibt die südkoreanische Zeitung "Hankyoreh" auf ihrer Internetseite. Das betreffe landesweit mehr als 70 Schulen mit rund 8000 Schülern, von denen etwa jeder zweite einen südkoreanischen Pass habe.

Seit den fünfziger Jahren habe die Regierung in Pjöngjang die Schulen großzügig gefördert, berichtet das Blatt weiter. Doch seit die Wirtschaft in Nordkorea brachliege, sei auch die finanzielle Hilfe für Japan fast völlig versiegt. Der Leiter der Tokioter Schule Shin sagte, manchen Einrichtungen gehe es so schlecht, dass sie ihre Lehrer nicht pünktlich bezahlen könnten.

Vorbereitung auf ein Leben in Japan

Viele der Schulen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg für die Zuwanderer und Zwangsarbeiter aus dem zuvor von Japan besetzten Korea gegründet. Sie sollten den Kindern die Sprache und Traditionen ihrer Heimat und ein Gemeinschafts- und Selbstwertgefühl vermitteln. Bis heute werden Koreaner in Japan häufig diskriminiert, ihre Kultur wird wenig wertgeschätzt.

Auf der Website der Schule heißt es, man wolle die Schüler nicht nur koreanische Geschichte, Kultur und Sprache lehren, sondern auch Wissen über Japan und andere Länder vermitteln. Die Schüler sollten so auf ein Leben in Japan mit Studium oder Job vorbereitet werden.

Über die Sorge, dass junge Koreaner an der Koreanischen Mittel- und Oberschule in Tokio auf die Ideologie des Erzfeindes gedrillt würden, können viele Schüler nur lachen. "Die Leute denken, wir bekommen eine Gehirnwäsche. Das stimmt nicht", sagte die 17-jährige Schülerin Kyong Rae Ha dem Sender CNN. Ihre Schule sei nicht anders als andere internationale Schulen in Japan.

Der ebenfalls 17 Jahre alte Sang Yong Lee sagte, er werde hier nicht zum Spion ausgebildet. "Das ist einfach ein Ort, an dem ich zeigen kann, dass ich stolz darauf bin, ein Koreaner in Japan zu sein." Die meisten der 650 Schüler leben bereits ihr ganzes Leben lang in Japan und sprechen fließend Japanisch. Das Land der beiden Kims, die streng von den Wänden ihrer Schule blicken, haben sie noch nie besucht.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. da muss man sich ............
ottohuebner 05.02.2013
da muss man sich ............ doch ernsthaft fragen warum die japaner so was zulassen ?
2. optional
abandonedkansai 05.02.2013
Von Nordkorea bzw. deren Interessenvertretung in Japan (Ch’ongryŏn) unterstützte Schulen sind nun wirklich ein alter Hut - aber glücklicherweise gibt es ja CNN als Erinnerungshilfe und Inspirationsquelle für den wöchentlichen Nordkorea-Artikel auf SPON... Die Ch’ongryŏn-Mitgliedszahlen sind übrigens seit Jahrzehnten stark rückläufig und haben bereits zur Schließung mehrerer Schulen geführt, darunter diese hier: http://abandonedkansai.wordpress.com/2012/01/05/north-korean-school-in-gifu-chongryon-school/
3.
radbab 05.02.2013
in nordkorea trifft man auch immer wieder auf gruppen von auslands-nordkoreanern. Erkennbar daran dass sie westlich gekleidet sind aber trotzdem alle das parteiabzeichen auf der brust tragen. Viele haben verbindungen zum heimatland, auch durch familie, und ein gutes leben in Japan und brechen daher nicht mit dem regime, da ihre familien oder sie sonst womoeglich bestraft wuerden. Auch sind die devisen die sie ins land bringen wichtig.
4. Naja, wenn sie meinen?
tylerdurdenvolland 05.02.2013
"Mit Kriegsrhetorik und Raketentests provoziert Pjöngjang seit Jahren den Nachbarn jenseits des Japanischen Meers." Uns, die wir in Japan leben, uns drängt sich der Eindruck auf, dass dies ganz genau daselbe ist, was die Japaner auch tun..... und dummerweise nicht nur mit Korea, sondern nun auch noch im Umgang mit China.
5. Japan und Nordkorea
sushiboi 05.02.2013
Es hätte im Artikel richtigerweise heißen müssen, dass sich Japan durch die Kriegsrethorik und auch durch die Rakententests Nordkoreas provoziert _fühlt_. Der Text aber suggeriert eine Absicht Nordkoreas, dass die Führung Pjöngjangs dies alles nur mit dem Ziel veranstaltet, Japan zu provozieren. Die diesbezügliche Faktenlage dürfte jedoch weder der Autorin bekannt sein, noch ist eine solche Motivation auch nur wahrscheinlich.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Querweltein
RSS
alles zum Thema Schulen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Flüchtlingsschule in Südkorea: Mathe, Englisch, Folter, Alltag

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon

Fotostrecke
Deutsche Schule in Japan: Hilfe, wir brauchen mehr Schüler!


Social Networks

Entdecken Sie außerdem SchulSPIEGEL auf...