Mensa-Schulden: Französische Polizei führt Fünfjährige ab

Die anderen Kinder waren entsetzt: Kommt Léa, 5, jetzt ins Gefängnis? Vor ihren Augen hat die französische Polizei das kleine Mädchen aus einer Schulkantine abgeführt. Der Grund: Ihre Eltern hatten lange die Mensa-Schulden nicht bezahlt, deswegen durfte sie nicht mitessen.

Mensa-Schulden: Kommt Léa, 5, jetzt ins Gefängnis? Fotos
AFP

Die kleine Léa war sehr schockiert. Sie habe gedacht, ihre Eltern wären gestorben, berichtet die Zeitung "Sud Ouest". Denn eine Polizistin der französischen Gemeinde Ustaritz nahe Bayonne hatte die fünfjährige Vorschülerin am Dienstag Mittag auf die Polizeiwache gebracht. Der Grund: Die Eltern des Mädchens haben seit langem das Geld für das Schulessen nicht bezahlt. Der Vater von Léa warte auf eine Erklärung für das rüde Verhalten, schreibt die französische Zeitung.

Léa durfte bereits seit Anfang Januar am Schulessen nicht mehr teilnehmen, weil ihre Eltern seit über einem Jahr nicht gezahlt haben sollen. Die Kantinen werden in Frankreich von den Gemeinden betrieben, Ustaritz forderte insgesamt 170 Euro von den Eltern ein.

Léas Kantinengruppe nahm das Mädchen am Dienstag trotzdem mit zum Essen - doch der Kantinenleiter hatte die Vorschülerin nicht an einem Tisch sitzen lassen und die Polizei gerufen. Léas Schulkameraden hatten nach Berichten von "Sud Oeust" Angst um ihre Freundin. Sie dachten, die Polizei hätte sie ins Gefängnis gebracht.

Dominique Lesbats, der Bürgermeister von Ustaritz, bedauerte den Vorfall zwar, wies aber die Schuld von sich und nahm die Kantinenleitung in Schutz. Die Eltern trügen die Verantwortung: Man habe sie viermal aufgefordert, die Schulden zu begleichen und ins Rathaus zu kommen. Sie seien jedoch nie erschienen. "Am Dienstag schließlich hat die Mutter von Léa am Telefon versichert, sie würde ihre Tochter vor dem Mittagessen von der Kantine abholen", so die Stellungnahme der Gemeinde. "Doch sie kam nicht."

Schulminister schockiert

Der französische Bildungsminister Vincent Peillon reagierte mit Empörung und sprach von einem "Akt der Gewalt", der "absolut skandalös" sei. Alle Schüler in Frankreich hätten das Recht, in einer Schulkantine zu essen, betonte er. Auch wenn es Schwierigkeiten mit den Eltern gebe, dürften Kinder so nicht behandelt werden.

Auch Schulleiter Laurent Aguergaray sprach von einem "unverantwortlichen Verhalten". Der Elternverband FCPE nannte die Polizeiintervention "völlig unentschuldbar". Wegen der unbezahlten Rechnungen hätte die Gemeinde die Sozialdienste einschalten müssen.

Zumindest musste Léa die Polizeiwache nicht hungrig verlassen: Immerhin bekam sie dort etwas zu essen.

vkl/AFP

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