Wirbel um Sex-Webseite in England: Kann denn Aufklärung Sünde sein?

Wo kommen die Babys her? Eine neue Webseite beantwortet in England, Hochburg der Teenagerschwangerschaften, alle Fragen zum Thema Sex. Offen und direkt. Das stößt allerdings nicht überall auf Gegenliebe: "Ordinär" und "verantwortungslos" schimpfen Kritiker.

Aufklärung in England: Frisch verliebt, was kommt jetzt? Fotos

Blue Waffles? Angry Pirate? Oder Pasty Smasher? Das klingt nach Spezialitäten einer Konditorei, und doch geht es um Sex. Was genau sich dahinter verbirgt, erklärt die neue britische Webseite Respect Yourself. Die NHS in Warwickshire, Teil des staatlichen Gesundheitssystems in England, hat sie gemeinsam mit der Uni Coventry entwickelt. Das Ziel: Sie wollen jungen Menschen ab 13 Jahren alle Fragen zum Thema Sex beantworten.

Und die wollen eine Menge wissen: In der FAQ-Sektion haben sie selbst über 100 Fragen eingereicht. "Welche Position ist die beste bei der 69? Das Mädchen oben? Oder der Junge? Nebeneinander liegend? Stehend?" Oder: "Kriegt man haarige Hände, wenn man zu viel masturbiert?" Oder: "Wozu wird ein Penis gebraucht?"
Die Antworten sind unkonventionell, direkt, und sie zeigen: Eine generelle Antwort gibt es fast nie, es kommt meist darauf an, was den Beteiligten gefällt - wobei natürlich niemand vor haarigen Händen Angst haben muss. Und das sogenannte "Sexonary" erklärt Begriffe von A bis Z. "Blue Waffles" beispielweise ist ein Slangausdruck für Genitalien, denen man verschiedene Geschlechtskrankheiten ansieht.

Ordinär und verantwortungslos

In keinem anderen Land ist die Zahl der Teenagerschwangerschaften so hoch wie in England. Aufklärung könnte helfen. Und trotzdem wettert mancher jetzt gegen die neue Webseite, Wohltätigkeitsvereine wie die Mothers' Union oder der Family Education Trust beispielsweise. Sie befürchten, dass Respect Yourself Minderjährige zum sexuellen Experimentieren anleitet. Norman Wells vom Family Education Trust sagte der Tageszeitung "Telegraph", es handle sich um eine ordinär verantwortungslose Webseite und "eine komplett unnötige Verschwendung des hart verdienten Geldes der Steuerzahler". Er meint: "Es fördert lediglich eine ungesunde Fixierung aufs Körperliche und trägt nichts dazu bei, jungen Menschen zu helfen, eine gesunde Beziehung zu anderen aufzubauen oder sie auf eine stabile und erfüllte Ehe vorzubereiten."

Die Projektmanagerin Amy Danahay hingegen sagte der Zeitung, das Internet habe verändert, was junge Menschen über Sex erfahren: Jeder zweite Zehnjährige habe online bereits Zugang zu Pornografie gehabt. "Es wäre naiv zu denken, dass viele Jugendliche nicht regelmäßig viel expliziteres Material konsumieren würden", sagt sie, "und wenn wir ihnen Zugang zu relevanten Informationen geben wollen, müssen wir mit der Zeit gehen."

yoq

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