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Roboter als Lehrerin: Frau Saya beherrscht sechs Emotionen

Von Christina Schmitt

Testweise unterrichtet ein Roboter an einer Grundschule in Tokio. Die vollautomatische Hilfspädagogin heißt Saya und kann allerhand - auch ein ganz schön böses Gesicht machen. Als sie zu schimpfen begann, fanden Kinder es zum Heulen.

Da sitzt sie, die cremefarbene Bluse bis oben hin zugeknöpft. Wenn Lehrerin Saya mit Schülern schimpft, legt sie eine wütende Miene auf. Ganz natürlich, möchte man meinen - doch genau das ist sie nicht. Saya ist der erste Lehrer-Roboter, die Erfindung eines japanischen Wissenschaftlers. Das bringt viele Vorteile: Sie kann rund um die Uhr unterrichten und korrigieren, braucht nie eine Pinkelpause, kein Essen. Nur Strom. Sie stellt den Schülern Aufgaben, ermahnt, schimpft, lacht. Wenn die Kinder zu laut sind, fordert Saya sie mit einem "Seid still" zu Disziplin auf.

Sechs Emotionen kann die Roboterin ausdrücken: Überraschung, Angst, Empörung, Wut, Trauer und Freude. Dass sich all das in ihrem Gesicht wiederspiegelt, liegt an den 18 Minimotoren, versteckt hinter einer elastischen Gummihaut.

Schon 2005 wurde eine Vorgängerin des Lehrerinnen-Roboters Saya auf einer Messe in Tokio vorgestellt worden - ihr Beruf war damals Rezeptionistin, auch sie beherrschte das minimale emotionale Spektrum der neuen japanischen Grundschullehrerin Saya.

15 Jahre Arbeit hat ihr Erfinder Hiroshi Kobayashi in Saya investiert, ihre Erfolge sind auch die seinen. Gerade bei jüngeren Schülern sei sie ein großer Erfolg, schwärmt der Wissenschaftler der Universität in Tokio. Bei einem Testlauf in einer japanischen Grundschule habe Saya durchaus Wirkung gezeigt: Als sie mit den Kindern schimpfte, hätten einige sogar zu weinen angefangen.

Auch Japan hat mit Lehrermangel zu kämpfen. Ist da eine vollautomatische Pädagogin doch nicht so absurd, wie es auf den ersten Blick scheint? Immerhin lassen freche Schüler Saya kalt, Erschöpfung kennt sie nicht. Eine monatliche Bezahlung oder ein langjähriges Studium - braucht sie nicht. Zudem behandelt sie alle Schüler gleich.

Reichlich Robo-Nippes aus Nippon

Aber was einen guten Lehrer ausmacht, kann ein Roboter natürlich nicht leisten: Verstehen, warum ein Schüler in Mathe von der Drei auf eine Fünf absackt. Fragen, warum es plötzlich Probleme gibt. Streit schlichten, zuhören, spontan reagieren.

Der Erfinder weiß selbst, dass Roboter keine Menschen ersetzen können. Saya sei nur als Unterstützung im Klassenraum gedacht. Ein Roboter habe keine Intelligenz und sei nicht lernfähig, sondern nur ein Werkzeug, räumte Kobayashi ein.

So sehen es auch andere Wissenschaftler: Bevor man Robotern Kinder anvertraue, sei noch viel Forschung nötig, sagte Ronald C. Arkin von der Universität Georgia in den USA. Ein Roboter erfülle keine Vorbildfunktion und könne menschlichen Lehrern helfen, sie aber nicht ersetzen, so sein Kollege Noel Sharkey aus Sheffield.

Japaner haben ein Faible für Roboter aller Art, ob für harmlose Robo-Hunde, die laufen, mit dem Schwanz wedeln, bellen und Tricks lernen können, oder Roboter, die ältere Personen aufheben und herumtragen. Soeben ist auch das erste Robo-Model vorgestellt worden: Die Dame heißt HRP-4C und soll Star künftiger Fashion-Shows werden.

mit Material von AP

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Robo-Lehrerin: Guten Morgen, Frau Saya

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