Prügelei in den USA: Schüler müssen zur Strafe Händchen halten

Entweder sie fliegen von der Schule - oder sie halten öffentlich Händchen. Vor diese Wahl hat ein US-Rektor zwei Teenager gestellt, die sich im Unterricht geprügelt hatten. Die Streithähne entschieden sich für die Versöhnungsgeste, ihre Mitschüler lachten und höhnten. Die Schulbehörde ist entsetzt.

Händchen halten: Meistens schön, manchmal peinlich Zur Großansicht
Corbis

Händchen halten: Meistens schön, manchmal peinlich

Es war ihnen anzusehen, wie peinlich sie die Sache fanden: Zwei Schüler im US-Bundesstaat Arizona, die sich geprügelt hatten, mussten zur Strafe eine Stunde lang öffentlich Händchen halten. Das berichtete unter anderem der Fernsehsender KPHO-TV. Demnach hatte der Rektor der Westwood High School die beiden Streithähne vor die Wahl gestellt: Entweder sie verlassen die Schule - oder sie geben sich die Blöße und machen für eine Weile auf Freundschaft.

Die beiden Schüler entschieden sich dafür, sich in der Mittagspause auf dem Schulhof nebeneinanderzusetzen und eine Stunde lang die Hände zu verschränken. Dabei mussten sie den Spott und das Gelächter ihrer Mitschüler erdulden.

"Ich wollte sie anschreien, aber ich konnte nicht. Ich habe einfach meinen Kopf eingezogen", sagte einer der beiden Streithähne KPHO-TV. Es sei die Strafe gewesen für eine Prügelei im Sportunterricht am vergangenen Mittwoch. Am nächsten Tag sei er nicht zur Schule gegangen, weil seine Mitschüler ihn sonst weiter aufgezogen hätten.

"Schlage dich nicht in der Schule"

Ein Foto der sichtlich beschämten Jugendlichen gelangte auf Facebook und in die Medien - und nicht jeder hatte Beifall übrig für diese Art der öffentlichen Erniedrigung. Ein Internetnutzer schrieb: "Ich bin entsetzt, dass ein Schulleiter eine Gruppe von Teenagern dazu bringt, zwei männliche, Händchen haltende Schüler auszulachen und zu verhöhnen." Die Aktion fördere Mobbing und stelle homosexuelle Pärchen bloß, die sich so gern an den Händen hielten wie jedes andere Paar.

Auch die zuständige Schulbehörde hieß die Strafe nicht gut. "Der Bezirk duldet diese Wahl der schulinternen Disziplinierung dieser Schüler nicht", teilte sie mit. Man wolle den Schulleiter darauf ansprechen und die Regeln in Bezug auf Bestrafungen prüfen. Einige Schüler und eine Nachbarin sprachen dem Rektor hingegen vor der Kamera ihre Unterstützung aus.

Außerdem scheint dessen Botschaft immerhin bei einem der Streithähne angekommen zu sein. Er habe etwas gelernt, sagte der Schüler. "Schlage dich nicht in der Schule."

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insgesamt 32 Beiträge
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1. cool
o.schork 03.12.2012
Ich finde es ok. Die Jungs haben eine wichtige Lektion bekommen, die vielen heute fehlt:"Bezahl Deine Rechnungen". Jeder will heute alles aber ohne dafür etwas zu tun. Und genau so will man für nichts mehr die Konsequenzen tragen. Die beiden hatten eine Wahl. insofern war es eine angemessene Chance. Jetzt müssten nur noch alle Lacher die gleiche Strafe bekommen und alles wäre im Lot.
2. Nun
Schlumperli 03.12.2012
Zitat von sysopEntweder sie fliegen von der Schule - oder sie halten öffentlich Händchen.
Die Versöhnungsgeste ist eigentlich gar keine schlechte Idee. Schlecht ist nur die erzwungene Öffentlichkeit und die damit verbundene Erniedrigung durch die Mitschüler.
3. Mmh
chagall1985 03.12.2012
Die US-Schulen kommen echt auf merkwürdige Ideen. Aber ob Demütigung ein Rezept der Erziehung ist wage ich zu beweifeln. Hier geht es nicht um eine Versöhnungsgeste sondern hier wird (in meinen Augen) eindeutig die Homophobe Grundeinstellung der Gesellschaft als Bestrafungsinstanz genutzt. Immerhin ist Händchenhalten ehr pärchenlastig besetzt als Freundschaftlich. Und die Kommentare der Mitschüler dürften auch eindeutig in diese Richtung gegangen sein, sonst würde ich mich wundern. Das ist für mich das eigentlich verwerfliche daran! Denn hier wird das Schulsein als lächerliches Verhalten und peinliches Bestrafungskonzept missbraucht. Wie ich die Amys kenne auch nicht durch Zufall sondern voll beabsichtigt.
4. Cool
heiliger_bimbam 03.12.2012
Ja o.schork, das sehe ich genauso. Eigentlich kann man es doch immer wieder wiederholen. Auch unsere Vorfahren wussten, wie man Kinder erzieht. Die wussten auch, dass man manchmal mit Reden nicht weiter kommt. Weil die Kinder das Reden nicht interessiert. Und ja, unsere Vorfahren, Eltern, Großeltern... waren keinesfalls hirntote Vollidioten, die nicht wussten warum sie dies oder das tun. Nur dass es heute sehr viele Oberschlaumeier gibt, die glauben, dass sie die Welt erfunden hätten und alles besser wüssten. Obwohl sie nur die Augen öffnen müssten um zu sehen, dass es nicht so ist. Wollen sie aber nicht. Worauf ich jetzt hinaus will? Neulich hab ich mich mit Freunden laut lachend drüber unterhalten, wann wir von unseren Eltern mal ne ordentliche Tracht Prügel bekommen hatten. In meinem Fall sage ich heute als erwachsener Mann schmunzelnd über meine Mutter (damals habe ich sie stundenlang für die Schmerzen gehasst :-D ), dass sie alles richtig gemacht hat. Sie hatte die einzig richtige Entscheidung getroffen. Aber dort hatte ich die freie Wahl, ob ich das jeden Tag aufs neue will. Wollte ich aber nicht. :-D Und nun diese Diskussionen hier, wie sehr diesen armen, armen Kinder geschadet wurde. Vielleicht noch, ob sie sich jemals wieder davon erholen werden. :-D Ja klar, der Lehrer muss unbedingt noch verklagt werden. :-D Manchmal frage ich mich, wo das noch hinführen soll. Und wer eigentlich völlig neben der Spur läuft. Dieser Lehrer mit Sicherheit nicht!
5. Und wieder
stfns 03.12.2012
holt jemand die Homophobiekeule raus, typisch spiegel, typisch junge (1985, danke!) Gesellschaft. Ich sehe Hände-halten, wobei ich bewusst den deminutiv vermeide, als Symbol für Einigkeit, Zusammenhalt und Frieden. Und genau dabei geht es darum. Anstatt das Exempel der Kriegstreiberei zu unterstützen, wird hier plakativ dem Frieden gehuldigt. Früher wurde den Kindern der Hintern versohlt. Wir haben uns weiterentwickelt!
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