Austausch-Log Finnland: Noch mal!

Henrike zurück in Deutschland: Bye bye, Finnland Fotos
Henrike Rathje

Das Beste am Auslandsjahr? Das fremde Land, seine Sprachen und Sitten waren toll - aber so richtig verliebt hat sich Schülerin Henrike Rathje während ihrer Zeit in Finnland in das Fernweh. Zurück in Deutschland will sie vor allem eins: schnell wieder weg.

Immer noch nicht habe ich realisiert, dass mein Auslandsjahr vorbei ist. Finnland gleicht im Moment einer Traumwelt, in der ich ein Jahr gelebt habe und die jetzt leider nur noch in meinen Gedanken existiert.

Irgendwann kam für mich der Punkt, an dem Finnland nicht mehr der Ort war, in dem ich mein Austauschjahr verbringe, sondern mein Zuhause. Ich habe kaum noch daran gedacht, wie ich vorher in Deutschland gelebt habe. Schließlich wollte ich nicht in der Vergangenheit leben, sondern in der Gegenwart, in meinem neuen Land.

Schon vor dem Jahr haben mir viele andere ehemalige Austauschschüler gesagt, dass die Zeit nach Silvester verfliegt. Und so war es.

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Erst kam der Lappland-Trip, im Nachhinein eine der besten Wochen im ganzen Jahr. Gemeinsam mit 85 anderen Austauschschülern fuhren wir eine Woche am Polarkreis Ski, wir fischten im Eisloch oder wanderten durch den Schnee.

Dann der Abtanzball, eine der wichtigsten Veranstaltungen für viele junge Finnen. Ich glaube, manche Mädchen gehen nur deshalb auf die Lukio, die gymnasiale Oberstufe, damit sie einen Abtanzball feiern dürfen.

Im "Wild Camp" zelteten wir 60 Austauschschüler mit Aufsichtspersonen im Wald nahe Hyvinkää, nördlich von Helsinki. Ich hätte nie gedacht, dass ich vier Tage in Kälte, ohne Elektrizität und fließend Wasser, nur mit Waldtoiletten aushalten könnte - und das auch noch als Spaß bezeichnen würde. Aber so war es! Kurz darauf folgte noch ein Trip nach Stockholm.

Und irgendwann, im Mai, kam auch endlich der Sommer in Finnland an. Am Morgen lagen noch kleine, dreckige Schneeberge am Straßenrand, am Nachmittag zeigte das Thermometer 25 Grad. Und zu einem nordischen Sommer gehört natürlich auch Mittsommer, was jedes Land etwas anders feiert. In Finnland heißt das Fest Juhannus und ich verbrachte die Tage mit meiner Familie in unserem nahegelegenen Sommerhaus, in der Sauna, im Swimmingpool, im Palju, einer Art Tonne mit heißem Wasser. Das ließ mich vergessen, dass ich zwei Tage später schon im Flieger nach Deutschland sitzen würde.

Das Beste am Austauschschüler-Sein, das habe ich jetzt bemerkt, ist nicht, dass man in einem fremden Land Sitten, Sprache und Leute kennenlernt. Nein, für mich ist das Beste das Fernweh. Zu schade, dass ich ein Auslandsjahr in dieser Form nur einmal im Leben machen kann.

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1. optional
georg.balkenhol 18.08.2013
einn halbes Jahr in Finnland haben 1968 genügt, um meinem Leben eine entscheidende Wende zu geben. Ich bin dem Land und seinen Bewohnern unendlich dankbar.
2. ...
CarlJohannes 18.08.2013
Oh ich kann Henrike nur zu gut verstehen. Nach meinem Auslandsjahr in Neuseeland war die Rückkehr, also das wieder zurechtfinden in Deutschland alles andere als einfach. Plötzlich stören Dinge, die einem so nie bewusst waren, es fehlen Kleinigkeiten, die das große Ganze irgendwie Unvollkommen erscheinen lassen. Auch wenn ich kurz nach meiner Wiederkehr mit dem Master in Bamberg begann und somit nicht wieder komplett in mein altes Leben zurückkehren musste, sondern das Neue auf mich wartete, kam wenig später das Fernweh wieder auf. Ich habe mich dann relativ schnell entschieden ein Auslandssemester einzulegen (um auch meine Sprachkenntnisse im akademischen Bereich zu verbessern) und habe kurz darauf eine Zusage für FINNLAND (TAMPERE) erhalten. Ich hatte somit wie Henrike das Glück von August 2012 bis Mai 2013 in Finnland zu leben und zu studieren (Ich hatte mich sehr schnell entschieden zwei anstatt nur ein Semester dort zu bleiben). Dabei hätte ich nie gedacht, dass dieses Land da oben im Nordosten seine Kultur, Landschaft und vieles mehr mich so sehr faszinieren könnte, das ich da gar nicht mehr weg wollte. Durch meine Neuseelanderfahrung kannte ich diese schwere Überbrückungszeit nach der Rückkehr, jedoch war es dieses mal anders. Als Backpacker in Neuseeland trifft man viele Menschen, die auch alle kurze Zeit später wieder abreisen, das Land ist weit weg von Familie und Freunde und nach 12 Monaten im Hostel wünscht man sich wieder ein eigenes Zimmer. In Finnland blieb ich an einem Ort, fand Freunde, die dort leben, eine Freundin, die mich schmerzlich vermisst, eine Universität an dessen Standards ich mich schnell gewöhnt hatte und ein Winter voller Dunkelheit, Kälte und viel Schnee. Anders als Henrike jedoch plane ich nicht nur wieder "wegzugehen", sondern ich tue es. Aufgrund des Fernwehs und vieler weiterer Faktoren (unter anderem die besseren Bedingungen meine Masterarbeit zu schreiben) bewarb ich mich für ein weiteres Jahr an der University of Tampere und wurde auch angenommen. Für mich heißt es jetzt: eine Wohnung finden, die Uni erfolgreich abzuschliessen und hoffentlich bald darauf einen Job zu finden (ganz ohne VOX oder etwaige Fernsehformate über das Thema "Auswandern"). Deutschland ist toll, ich lebe gern hier, aber zur Zeit bin ich jung, ungebunden, gut ausgebildet und habe das Verlangen in einer anderen Kultur zu leben.
3. Ein schöner Artikel,
GJC 18.08.2013
den ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen kann. Es gibt nur wenige Dinge, die einen so nachhaltig prägen, wie eine längere Zeit im Ausland leben zu können. Allerdings würde ich Henrike nicht sagen, dass sich das so nicht wiederholen lässt. Vielleicht nicht in der exakt gleichen Form, aber im Studium für ein oder besser zwei Semester ins Ausland zu gehen, ist mindestens ebenso reizvoll, wenn nicht noch besser. Man ist schon älter und etwas unabhängiger und hat zudem häufig mehr Zeit in den Semesterferien, die man, wenn möglich auch im Zielland verbringen sollte. Ich hatte das Glück für ein Jahr in Kalifornien studieren zu können und kann sagen, dass es wohl die intensivste Zeit meines Lebens war. Jeden Tag sammelt man neue Eindrücke, man lernt viele neue Freunde aus unterschiedlichen Kulturen kennen und es gibt ganz einfach wahnsinnig viel zu tun und zu sehen. All das trägt aber dazu bei, dass ein Jahr plötzlich sehr kurz wird... am Ende hat man aber viele schöne Erinnerungen und ist um die Erfahrung reicher, die Welt von einem anderen Standpunkt aus beurteilen zu können - das hilft einem heutzutage überall.
4. Jugendaustausch
Butenkieler 18.08.2013
für mich haben 3 Wochen in Finnland eine nachfolgende, nie endende Sehnsucht nach diesem Land erbracht.
5. Tja Mädel ...
wolfgangreusch 18.08.2013
... dann gilt es, etwas zu studieren, was im späteren Beruf reichlich Fernweh-Befriedigung erlaubt. Nur eines: Sobald man dann mal richtig sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, lernt man schnell, wie wertvoll es ist, eine Heimat zu haben. Und die ständigen Trips rund um die Welt fangen an zu nerven ... Hat vielleicht auch was mit Reife zu tun ...
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