Warum China? Schwer zu sagen. Zuerst wollte ich unbedingt nach Kanada. Doch dorthin durfte ich nicht, weil ich bei der Einreise noch nicht 16 sein würde. Deswegen musste ich mir schnell etwas anderes überlegen, schließlich war ich schon für das Austauschprogramm angemeldet. Also: China.
Mir wurde schon viel über das Land erzählt, zum Beispiel dass da Hunde und Insekten gegessen werden, oder dass die Chinesen ihr Essen auf den Tisch spucken und mit Hühnern in einem Zimmer schlafen. Andere haben wir erzählt, dass dort viele hilfsbereite und freundliche Menschen leben und dass die Städte modern und zivilisiert seien.
Je mehr ich gehört habe, desto interessanter fand ich China und jetzt kann ich es gar nicht erwarten loszufahren! Vor ein paar Wochen bekam ich endlich Informationen über meine Gastfamilie: Ich werde eine 14-jährige Schwester haben, die auf dieselbe Schule geht wie ich. Die Wohnung ist erstaunlich groß. Dabei wurde mir vorher gesagt, dass chinesische Wohnungen sehr eng seien und ich mir wahrscheinlich mit meinen Gastgeschwistern ein Zimmer würde teilen müssen.
Ich werde in meinem Austauschjahr im Zentrum der Stadt Tangshan leben. Sie hat sieben Millionen Einwohner und liegt nicht weit von Peking entfernt im Nordosten des Landes. Ein Erdbeben hat sie 1976 fast völlig zerstört.
"Max und Moritz" und ein paar Tüten Gummibärchen
Vor ein paar Tagen feierte ich mit meiner Freundin Laura Abschied, die etwa zwei Wochen nach mir nach Panama fliegt. Wir haben einen kleinen Raum gemietet und ein paar Freunde eingeladen. Sie sollten ein paar nette Sachen auf zwei T-Shirts schreiben oder malen, die wir dann als Erinnerung mitnehmen können. Erst da ist mir klar geworden, dass ich wirklich nur noch ein paar Tage hier in Deutschland habe.
Im Moment bin ich sehr beschäftigt mit Kofferpacken. Ich mache mir Sorgen, dass ich meinen Koffer am Flughafen nicht wiederfinde, deshalb habe ich mir extra einen auffälligen gekauft. Mein Koffer darf nur 23 Kilo wiegen und mein Handgepäck sollte nicht schwerer als acht Kilo sein. Deswegen muss ich genau überlegen, was ich einpacke.
Auf jeden Fall müssen ein paar Gastgeschenke mit. Ich habe Gummibärchen eingepackt und ein schönes Foto vom Hamburger Hafen. Außerdem zwei CDs mit deutschen Liedern und noch ein paar Kleinigkeiten. Auf der Suche nach Gastgeschenken habe ich entdeckt, dass es "Max und Moritz" auch auf Chinesisch gibt. Das musste natürlich mit.
Ich bin ziemlich nervös. Und auch ein bisschen traurig, dass ich meine bekannte Welt und die Leute, die mich verstehen, hinter mir lassen muss. Trotzdem freue ich mich riesig auf China und auf die vielen neuen Erfahrungen. Es ist ein Gefühlsmischmasch, ich hoffe, dass sich das spätestens bei meiner Ankunft legt.
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