Austausch-Log: Kanada geht nicht? Dann eben China

Ene, mene, China: Austauschschülerin Lea Kiehne, 15, wollte eigentlich nicht in die Volksrepublik und ist vor der Abreise ziemlich nervös. Mit gemischten Gefühlen und einem chinesischen Max-und-Moritz-Buch als Gastgeschenk fliegt sie los - in eine Millionenstadt, von der sie noch nie gehört hat.

Austauschjahr in China: Max und Moritz müssen mit Fotos

Warum China? Schwer zu sagen. Zuerst wollte ich unbedingt nach Kanada. Doch dorthin durfte ich nicht, weil ich bei der Einreise noch nicht 16 sein würde. Deswegen musste ich mir schnell etwas anderes überlegen, schließlich war ich schon für das Austauschprogramm angemeldet. Also: China.

Mir wurde schon viel über das Land erzählt, zum Beispiel dass da Hunde und Insekten gegessen werden, oder dass die Chinesen ihr Essen auf den Tisch spucken und mit Hühnern in einem Zimmer schlafen. Andere haben wir erzählt, dass dort viele hilfsbereite und freundliche Menschen leben und dass die Städte modern und zivilisiert seien.

Je mehr ich gehört habe, desto interessanter fand ich China und jetzt kann ich es gar nicht erwarten loszufahren! Vor ein paar Wochen bekam ich endlich Informationen über meine Gastfamilie: Ich werde eine 14-jährige Schwester haben, die auf dieselbe Schule geht wie ich. Die Wohnung ist erstaunlich groß. Dabei wurde mir vorher gesagt, dass chinesische Wohnungen sehr eng seien und ich mir wahrscheinlich mit meinen Gastgeschwistern ein Zimmer würde teilen müssen.

Ich werde in meinem Austauschjahr im Zentrum der Stadt Tangshan leben. Sie hat sieben Millionen Einwohner und liegt nicht weit von Peking entfernt im Nordosten des Landes. Ein Erdbeben hat sie 1976 fast völlig zerstört.

"Max und Moritz" und ein paar Tüten Gummibärchen

Vor ein paar Tagen feierte ich mit meiner Freundin Laura Abschied, die etwa zwei Wochen nach mir nach Panama fliegt. Wir haben einen kleinen Raum gemietet und ein paar Freunde eingeladen. Sie sollten ein paar nette Sachen auf zwei T-Shirts schreiben oder malen, die wir dann als Erinnerung mitnehmen können. Erst da ist mir klar geworden, dass ich wirklich nur noch ein paar Tage hier in Deutschland habe.

Im Moment bin ich sehr beschäftigt mit Kofferpacken. Ich mache mir Sorgen, dass ich meinen Koffer am Flughafen nicht wiederfinde, deshalb habe ich mir extra einen auffälligen gekauft. Mein Koffer darf nur 23 Kilo wiegen und mein Handgepäck sollte nicht schwerer als acht Kilo sein. Deswegen muss ich genau überlegen, was ich einpacke.

Auf jeden Fall müssen ein paar Gastgeschenke mit. Ich habe Gummibärchen eingepackt und ein schönes Foto vom Hamburger Hafen. Außerdem zwei CDs mit deutschen Liedern und noch ein paar Kleinigkeiten. Auf der Suche nach Gastgeschenken habe ich entdeckt, dass es "Max und Moritz" auch auf Chinesisch gibt. Das musste natürlich mit.

Ich bin ziemlich nervös. Und auch ein bisschen traurig, dass ich meine bekannte Welt und die Leute, die mich verstehen, hinter mir lassen muss. Trotzdem freue ich mich riesig auf China und auf die vielen neuen Erfahrungen. Es ist ein Gefühlsmischmasch, ich hoffe, dass sich das spätestens bei meiner Ankunft legt.

Lea Kiehne hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Offen und locker sein !
MiniDragon 04.09.2012
Lea sollte auf alle Fälle gegrillte Heuschrecken und gedünsteten Hund probieren. Chinesische Hirne sind nicht anders als deutsche angelegt.
2.
zerr-spiegel 04.09.2012
Zitat von sysopEne, mene, China: Austauschschülerin Lea Kiehne, 15, wollte eigentlich nicht in die Volksrepublik und ist vor der Abreise sehr nervös. Was, wenn ich meine Koffer verliere? Werden den Gasteltern die Geschenke gefallen? Auch ihr Ziel macht ihr Sorgen: eine Millionenstadt, von der sie noch nie gehört hat. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,852929,00.html
Wenn sie von China nicht viel Ahnung hat, dann schenkt sie hoffentlich keine Uhr und verpackt die Geschenke auch nicht in weißes Papier. Und Max und Moritz hätte sie besser in Deutsch mitgenommen, damit ihre Gastschwester wirklich was davon hat.
3.
Wololooo 04.09.2012
Wenn das mal kein Fehler war. Auf chinesischen Schulen ist man ganztags im Unterricht und macht im Anschluss noch die Hausaufgaben für den nächsten Tag, was ca. 2-3 h in Anspruch nimmt. Danach ist eigentlich schon Abend und man geht ins Bett. Vielleicht hat die Artikelschreiberin ja Glück und kriegt eine Sonderwurst, da sie natürlich kein Chinesisch kann.
4. Alle Achtung
Zoroaster 04.09.2012
Zitat von WololoooWenn das mal kein Fehler war. Auf chinesischen Schulen ist man ganztags im Unterricht und macht im Anschluss noch die Hausaufgaben für den nächsten Tag, was ca. 2-3 h in Anspruch nimmt. Danach ist eigentlich schon Abend und man geht ins Bett. Vielleicht hat die Artikelschreiberin ja Glück und kriegt eine Sonderwurst, da sie natürlich kein Chinesisch kann.
Wenn dieser Text auf Englisch geschrieben worden wäre, hätte ich auch gewusst, dass es von einem Deutschen stammt. Wieso kann man nicht einfach Anerkennung zollen, wenn eine 15jährige sich für längere Zeit in ein solches Land wagt? Ich muss sagen: Hochachtung! Als 15jähriger bin ich höchstens mit dem Rad in die Nachbardörfer gefahren, mal mit den Eltern nach Italien oder Österreich und das war's dann auch schon. Ansonsten: ich bin mit einer Chinesin verheiratet, spreche halbwegs chinesisch, war in Beijing und Umgebung längere Zeit und ich muss sagen, dass das Mädchen sowohl mit den Hühnern auf dem Küchentisch als auch mit der hochmodernen Metropole irgendwo recht behalten wird, sie jedoch von dieser Zeit lange im positiven Sinne zehren kann. Was das mit dem Schenken von Uhren anbelangt, bin ich mir nicht so sicher. Ich denke, dieser Aberglaube ist eher in der Shanghaier Ecke angesiedelt. Meine Frau würde auf jeden Fall nicht 'Nein' sagen oder erbost sein, wenn man ihr eine schöne schweizer Qualitätsuhr schenken würde...
5. Das ist ja mal
autocrator 04.09.2012
das ist ja mal richtig herzerfrischend! - Auch ein weg: mal völlig unvorbereitet in eine fremde kultur einsteigen! Mit 15 ist man ggf. auch noch offen genug, neugierig genug, flexibel genug für so ein interessantes abenteuer. Leider war nicht zu lesen, wie lange der aufenthalt dauern soll. Aber ein kleiner tipp: Lea, lass' Dich nicht vom schulsystem in China auffressen! Versuche, so viel wie möglich auf eigene faust zu unternehmen, nur so bekommst Du vom "echten" China auch was mit! Kauf' dir ein fahrrad und gondle damit durch die stadt. Und lerne wenigstens in ansätzen Chinesisch - aber nur die sprache, also das Reden! - Die ist simpel & recht einfach zu erlernen. Die schriftzeichen kannst Du vernachlässigen. Hauptsache, Du kannst Dich mit den marktfrauen irgendwie verständigen, mit "normalen Menschen" in kontakt treten - Du wirst die unglaublichsten und herzlichsten erlebnisse in privatem rahmen haben! Mache auasflüge und fahre im hardsitter-abteil mit dem zug in andere städte. (Vermeide aber die "westlichen" städte Peking oder Shanghai - das kannst Du Dir später mal als touristin reinziehen.) Lieber auf's flache land, in ein dorf oder in eine kleinstadt, da, wo der chinesische alltag, das "eigentliche China" zu finden ist. Und lass' dich nicht einschüchtern von irgendeiner organisation, den lehrern oder der gastfamilie: Als ausländerin bist Du unglaublich priviligiert in China und hast sehr viel mehr freiheiten, als man Dir vielleicht vormachen will. Frechheit siegt!
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