Austauschschüler Max in Japan: Respekt! Sonst zieht der Sensei blank

Sprechende Waschmaschinen und streunende Staubsauger machten Austauschschüler Max Larson anfangs das Leben in Japan schwer. Inzwischen läuft es rund. Seine größte Sorge: Mögen meine deutschen Freunde den Japaner in mir?

Max in Japan: Verehrte Rehe und Goldene Tempel
Fotos
Max Larson

So kurz vor der Heimreise wäre es vielleicht angemessen, ein paar meiner japanischen Gewohnheiten wieder abzulegen, um nicht auch noch in Deutschland als Ausländer wahrgenommen zu werden. Dieser Gedanke kam mir neulich in einem Restaurant, als ich mit meiner Familie im Schneidersitz auf Tatami-Matten saß, eine Schüssel Reis in der Hand, dekorativ angeordnetes Sashimi auf dem Tisch.

Ich frage mich, ob ich mir diese neuen Gepflogenheiten wirklich nur aus Zweckmäßigkeit angewöhnt habe. Vielleicht habe ich meine eigene kulturelle Identität irgendwo zwischen den Kirschblüten liegengelassen, um Teil dieser Gesellschaft zu werden.

So habe ich mich nach neun Monaten an den anderen Umgang mit Haushaltsgeräten und Maschinen gewöhnt. Eigentlich gehen die Geräte sogar eher mit den Menschen um: Beim Zähneputzen werde ich oft von der Waschmaschine angesprochen oder bekomme die Wassertemperatur von der Badewanne vorgelesen. Manchmal sitze ich am Esstisch mit meiner Familie und der Reiskocher unterbricht unser Gespräch. Und ständig macht sich der Staubsauger selbständig, schwirrt allein umher wie ein Haustier und rollt dann zurück zur Aufladestation.

Wegen der engen Beziehung zu meiner japanischen Gastfamilie habe ich eine ganz andere Perspektive auf das Land als jeder Tourist. Ein Reisender bemerkt zuerst die fremde Kultur mit fremden Menschen und fremden Sitten. Mir fallen mit der Zeit immer mehr Gemeinsamkeiten auf.

Der Lehrer stoppte die Klinge über dem Kopf des Mitschülers

Was mir trotzdem noch manchmal komisch vorkommt: Loyalität und Respekt scheinen in Japan jeden sozialen Austausch zu regieren. Beim Telefonieren wirken die Höflichkeitsformeln manchmal wichtiger als der Inhalt des Gesprächs. Und Individualismus bedeutet hier eher gefährliches Andersdenken als positiver Ehrgeiz.

Disziplin wird streng eingefordert. Im traditionellen Kendo-Unterricht waren wir anfangs unkonzentrierter, als es dem Lehrer gefiel - wobei viele Kampfkunstmeister hier selbst für japanische Verhältnisse streng sind. Um seine Ernsthaftigkeit zu unterstreichen und uns zu ermahnen, führte unser Sensei eine kleine Demonstration vor: Er zog das japanische Langschwert unter seinem Umhang hervor und befahl einem Mitschüler, sich vor ihn hinzustellen. Er forderte uns auf, Kendo zu respektieren und ließ die Klinge auf den Jungen niederfahren, nur um zwei Zentimeter über dessen Stirn innezuhalten. Heute redet im Unterricht keiner mehr.

Auch sonst wird penibel auf Ordnung geachtet: Letzte Woche kam mein Lehrer zu mir und fragte, ob ich zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Zug gesessen habe. Ich bejahte - Leugnen hätte ohnehin nichts gebracht, da ich der einzige Blonde in unserer Schuluniform bin. Da erzählte er mir, dass er einen Bericht von einer oder einem Ehemaligen bekommen habe, wonach ich meinen Krawattenknoten zu locker und die Mitschülerin neben mir ihr Haar unerlaubterweise offen getragen habe.

Der Lehrer war nett und hakte auch nicht nach, als ich mich nicht an den Namen des Mädchens erinnern konnte. Aber bevor ich hier noch Schande über meine Schule bringe oder unangenehm auffalle, wird es vielleicht langsam Zeit, wieder nach Hause zu fahren.


Max Larson hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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insgesamt 9 Beiträge
dante4733 11.06.2012
... um nützlich zu sein. Es werden grade mal drei typische Japan-Klischees erwähnt (Höflichkeit, Disziplin, Haushaltstechnik), sonst nichts. Kein Wort zu den angeblich vorhanden Gemeinsamkeiten von Japanern und Deutschen, [...]
... um nützlich zu sein. Es werden grade mal drei typische Japan-Klischees erwähnt (Höflichkeit, Disziplin, Haushaltstechnik), sonst nichts. Kein Wort zu den angeblich vorhanden Gemeinsamkeiten von Japanern und Deutschen, Umstellungsschwierigkeiten, besonders schönen Erlebnissen/Gepflogenheiten/Dingen, kein Hinweis darauf, ob sich so ein Austausch lohnt und welche persönlichen Eigenschaften und interessen eine Schülerin/Schüler mitbringen sollte, um bei so einem Austausch glücklich zu werden. Kurz, es bleibt unklar, warum dieser Artikel bei Spiegel Online veröffentlicht wird.
Kurz aber interessanter Artikel. Es koennte natuerlich mehr erwaehnt werden, aber wiviel kann man ueber so ein kompliziertes Erlebniss wie einen Austausch in einem fernen Land in einem Artikel schon arwaehnen. Ich war in auch [...]
Kurz aber interessanter Artikel. Es koennte natuerlich mehr erwaehnt werden, aber wiviel kann man ueber so ein kompliziertes Erlebniss wie einen Austausch in einem fernen Land in einem Artikel schon arwaehnen. Ich war in auch Austauschschueler in Japan in 1999 und lebe jetzt permanent dort, aber arbeite immer noch daran mit den Kulturunterschieden zurecht zu kommen. Es ist schoen von einem Deutschen Austuaschschueler zu hoeren, denn Deutsche gibt es hier verglichen mit Englaendern, Amerikanern oder Franzosen ziemlich wenig. Respekt und lehre hoeflichkeiten... habe ich uebrigens hier in der Arbeit bis zum geht nicht mehr. Manchmal frage ich mich wie Japanische Firmen as lauter hoeflichkeit ueberhaupt irgendeine Entscheidung treffen koennen oder mit der Arbeit dann voran kommen ;o)
brandtner 11.06.2012
Etwas sehr wenig Inhalt in diesem 'Artikel' zu einem doch eigentlich sehr interessanten Thema. Man sollte doch meinen, dass nach so langer Zeit bedeutend mehr Erfahrungen und Eindrücke zusammengekommen sind. Es scheint so, als [...]
Etwas sehr wenig Inhalt in diesem 'Artikel' zu einem doch eigentlich sehr interessanten Thema. Man sollte doch meinen, dass nach so langer Zeit bedeutend mehr Erfahrungen und Eindrücke zusammengekommen sind. Es scheint so, als würde das Niederschreiben derselben nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen des Autors gehören. Sehr schade.
unangepasst 11.06.2012
...ich bin ja nur eine Volksschulabsolventin, Baujahr 1953, aber kann es sein, daß Sie während Ihres langen Japanaufenthalts so einiges verlernt haben?!? Oder ist es möglich, daß es bereits zu Ihrer Schulzeit an Disziplin [...]
...ich bin ja nur eine Volksschulabsolventin, Baujahr 1953, aber kann es sein, daß Sie während Ihres langen Japanaufenthalts so einiges verlernt haben?!? Oder ist es möglich, daß es bereits zu Ihrer Schulzeit an Disziplin gegenüber den Deutschlehrern mangelte?!? Hier bei uns mangelt es inzwischen extrem an Disziplin sowie Respekt und Achtung jedwedem gegenüber. Insofern sind die Japaner bezüglich ihrer Kultur ja wohl ganz offensichtlich zu beneiden! Sie haben jedenfalls noch eine eigene Kultur!
unangepasst 11.06.2012
...ich bin ja nur eine Volksschulabsolventin, Baujahr 1953, aber kann es sein, daß Sie während Ihres langen Japanaufenthalts so einiges verlernt haben?!? Oder ist es möglich, daß es bereits zu Ihrer Schulzeit an Disziplin [...]
...ich bin ja nur eine Volksschulabsolventin, Baujahr 1953, aber kann es sein, daß Sie während Ihres langen Japanaufenthalts so einiges verlernt haben?!? Oder ist es möglich, daß es bereits zu Ihrer Schulzeit an Disziplin gegenüber den Deutschlehrern mangelte?!? Hier bei uns mangelt es inzwischen extrem an Disziplin sowie Respekt und Achtung jedwedem gegenüber. Insofern sind die Japaner bezüglich ihrer Kultur ja wohl ganz offensichtlich zu beneiden! Sie haben jedenfalls noch eine eigene Kultur!
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  • Montag, 11.06.2012 – 06:38 Uhr
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Das Blamage-Quiz
Kulturschock in Japan - blamieren Sie sich?
Peter Machat

Karte

Fläche: 377.944 km²

Bevölkerung: 126,536 Mio.

Hauptstadt: Tokio

Staatsoberhaupt: Kaiser Akihito

Regierungschef: Shinzo Abe

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