Austausch-Log Panama: Schule? Drei Monate Karibik-Ferien

Austausch-Log Panama: Ich mach mal drei Monate Ferien Fotos
Isabella Kapp

Stierkampf mit Miniatur-Rindvieh und eine Nacht zwischen zwei Ozeanen: Laura, 16, erlebt grandiose Schulferien in ihrem Austauschland Panama. Während ihre deutschen Klassenkameraden frieren, rennt sie den Sandstrand entlang und tanzt beim Karneval. Nur in der Disco wurde es ungemütlich.

Ich kann kaum glauben, dass die Hälfte meines Austauschjahrs in Panama schon vorbei ist. Hinter mir liegen drei abenteuerliche Ferienmonate. Panama ist klein, aber es hat so viel zu bieten. In meinem Heimatort La Concepción habe ich einen Stierkampf angeschaut. Die Bewohner zeigten sich dabei von ihrer mutigen Seite und nicht selten sprang jemand in die Arena. Während des Kampfes liefen sogar Leute durch die Arena, die den Zuschauern am Rand Limonade verkauften. Alle paar Minuten mussten sie auf die Tribünen klettern, wenn ihnen ein Stier zu nah kam. Obwohl die Stierkämpfer die Tiere reizten und mit Spießen stechen, wurde zum Glück kein Stier getötet. Angeblich haben sie nur drei Stiere und können sich keine neuen leisten.

Mit anderen Austauschschülern bestieg ich den Vulkan Barú, den höchsten Berg des Landes. Neun Stunden bergan, bis auf 3475 Meter. Meine Beine zitterten und mein Rücken schmerzte wegen meines großen Rucksacks, als ob ein Elefant drauf säße. Oben angekommen bemerkte unser Führer, dass er vergessen hatte, die Häuser zu reservieren. Also mussten wir bei Minusgraden draußen neben einem Feuer liegen und frieren, bis die Hüttenbewohner Mitleid bekamen und uns im Flur schlafen ließen. Organisieren ist nicht die Stärke der Panamaer, aber mit ihrer freundlichen Art machen sie das wieder wett. Und wir sahen auf dem Gipfel einen atemberaubenden Sonnenaufgang und zwei Weltmeere gleichzeitig, Pazifik und Atlantik!

Ich war auch zu einer Hochzeit eingeladen, die Mutter einer Klassenkameradin gab ihrem Langzeitfreund das Jawort. Der Saal war geschmückt mit Blumen, die Tische mit Schleifen und bunten Tischdecken verziert. Das Buffet mit Reis, Fleisch, Kartoffelsalat und einem Kuchen als Nachspeise war phantastisch. Die einheimischen Gäste tratschten über das angeblich zu alte Brautpaar - es war Mitte bis Ende 30, schätze ich. Normalerweise heiratet man in Panama mit etwa 25 Jahren. Ist das weiße Kleid für eine Frau in ihrem Alter angemessen und heiratet sie aus Liebe oder vielleicht doch des Geldes wegen? Mit diesen Fragen kann man sich hier lange und vergnüglich beschäftigen.

Königinnen, die auf Flößen tanzen

Danach machten wir Austauschschüler Ferien auf dem San-Blas-Archipel in der Karibik. Die Kuna-Indianer, die auf den Inseln wohnen, sind unabhängig und haben einen eigenen Staat und eigene Regeln. Wir waren auf einer fußballfeldgroßen Insel in Bambushütten untergebracht und fuhren jeden Tag zu anderen paradiesischen Inseln und zu einer Sandbank mitten im Ozean, an der sich Seesterne und Krabben tummelten.

Ein weiterer Höhepunkt meiner Ferien war der Karneval Mitte Februar. Karneval bedeutet hier eine Woche totale Party. In der Stadt Penonomé fanden die Paraden auf einem Fluss mitten im Zentrum statt. Hübsche Königinnen winkten und tanzten auf den Flößen. In den Straßen spritzten die Menschen sich gegenseitig mit Schläuchen nass, abends ging's in die Disco. Nach drei Tagen fuhren wir weiter nach Las Tablas. Die nächtlichen Paraden dort waren wunderschön und Feuerwerke erleuchteten den Himmel. Ich stellte mich auf die Straße und genoss es, von tanzenden, jubelnden Leuten umringt zu sein.

So große Feiern haben aber auch unschöne Seiten: Viele der Austauschschüler wurden ausgeraubt, einem wurde in der Disco etwas ins Getränk gemischt... Er kam sofort ins Krankenhaus, weil er sich sehr komisch benahm und aggressiv herumschrie. Am nächsten Tag wurde er entlassen, schlief sich aus und es ging ihm glücklicherweise wieder gut. Meine Austauschorganisation hatte uns immer gewarnt, nie aus Bechern zu trinken, die nicht uns gehören und bloß die Wertsachen am Körper zu tragen. Darauf habe ich nach diesem Vorfall extrem geachtet.

Laura Heidemann hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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1. Vorsicht bei Getränken!
michaelkaloff 06.03.2013
Das kann ich aus Erfahrung in mehreren Ländern Lateinamerikas bestätigen. Das Zeug heisst Burandenga, wird aus Stechapfelgewächsen bzw. Trompetenbäumen (Brugmansia) gewonnen und ist eigentlich eine KO-Droge. Niemals das Getränk unbeaufsichtigt lassen, wie im Artikel gesagt schon mal gar nicht aus fremden Gläsern trinken, sich nie vom Getränk ablenken lassen (da gibt es die Methode mit dem fingierten Diebstahl, während die zweite Person...) Möglichst aus Flaschen trinken und diese selbst öffnen, ansonsten beim Mixen/Zapfen ein Auge drauf haben. Gilt auch für Männer, meistens geht es um Geld. Übertrieben? Nö!
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