Die Menschen in Panama sind sehr herzlich und lachen bei jeder Gelegenheit. Wenn der Bus eine Stunde Verspätung hat, ist das kein Grund, genervt zu sein. Sie nehmen alles mit Humor. Das muss man hier wohl auch, denn die Unpünktlichkeit ist unglaublich. Soll eine Party um 20 Uhr anfangen, kommen die Gäste um zehn. "Eso es Panamá", erklären sie mir dann lachend. Stimmt, das ist Panama.
Einmal bin ich mit meiner Gastfamilie mit dem Taxi nach Hause gefahren, da hielt der Taxifahrer plötzlich vor einer Bar und stieg wortlos aus. Auf meine Frage, wohin er gegangen sei, antwortete meine Gastschwester ernst: "Er holt sich Kokain." Erschrocken erwiderte ich: "Oh..." Da hat sie gelacht und gesagt: "Nein, nein, natürlich nicht, er isst nur schnell etwas." 20 Minuten später kam der Fahrer mit einer Art Döner zurück und fuhr uns nach Hause.
Ich hatte vor dem Abflug noch keinen Kontakt zu meiner Gastfamilie, und während des ganzen Flugs war ich aufgeregt und gespannt auf sie. Der Bus von Panama City in meine neue Heimat verspätete sich - natürlich. Sieben Stunden fuhr ich nach Westen bis kurz vor die Grenze Costa Ricas in den Ort La Concepción, wo ich in den nächsten Monaten leben sollte.
Vorhänge statt Türen
Die Nervosität hätte ich mir sparen können: Meine Gastfamilie ist die beste, die ich bekommen konnte. Meine Gastmutter ist sehr lebensfroh und interessiert an mir, es macht immer Spaß, mit ihr zu reden. Mein Gastvater hat eine Tischlerei, er ist etwas ruhiger, aber trotzdem sehr nett und aufmerksam. Dann habe ich noch eine 19-jährige Gastschwester und zwei kleine, total süße Gastcousins. Die Kleine ist acht Jahre alt und der Junge zehn. Sie nehmen meine Hand, wenn wir in die Stadt gehen, und bringen mir Spanisch oder die Nationalhymne Panamas bei. Letztens hat mich der Junge gefragt, ob ich nach dem Austauschjahr nicht vielleicht noch ein Jahr hier bei ihm verbringen will. Das hat mich echt gerührt.
Meine Familie hat zwei Hunde, eine Katze und viele Hühner im Garten, die mich jeden Tag viel zu früh wecken. Ich habe sogar ein eigenes Zimmer. Nur wenn einer der Cousins oder ein anderer Austauschschüler hier übernachtet, muss ich mein Zimmer teilen. Die Zimmer im Haus haben keine Türen. Es gibt zwar Vorhänge, und es wird auch immer gefragt, ob man reinkommen darf. Trotzdem ist es sehr merkwürdig, und nichts schützt mich vor dem Lärm meiner Familie, wenn ich schlafen möchte.
Der Fernseher läuft den ganzen Tag, selbst wenn niemand davor sitzt. Das Essen, das abends natürlich auch vor dem Fernseher eingenommen wird, ist wirklich lecker. Es gibt viel Geflügel, Reis, Bohnen und Bananen, die gekocht oder frittiert werden. Nur die deutschen Süßigkeiten vermisse ich. Meine Eltern werden mir bald ein Paket mit Lakritz und anderen Naschereien schicken, hoffentlich kommt es an! Die Post geht in Panama wohl manchmal ihre eigenen Wege.
In jedem Klassenzimmer hängt ein Bild von Jesus
Die kleine Stadt La Concepción, in der ich lebe, hat etwa 17.000 Einwohner. Dort besuche ich eine religiös ausgerichtete Privatschule. In jedem Klassenzimmer hängt ein Bild von Jesus, und vor jeder Stunde beten wir. Die Uniform ist nicht so schön, wie ich gedacht habe. Ich muss eine weiße Bluse, ein kariertes, braunes Kleid, lange weiße Socken und schokobraune Schuhe tragen.
Der Schulbus holt mich morgens um halb sieben ab und bringt mich nachmittags um halb zwei wieder nach Hause. Meine Klassenkameraden haben mich sofort aufgenommen. Schon am ersten Tag kamen alle auf mich zu und wollten mich kennenlernen und etwas über mein Heimatland erfahren. Dass ich nicht viel verstand, weil sie so schnell sprechen, hat sie nicht gestört. Die Schüler sind sehr hilfsbereit, neugierig, liebenswürdig und etwas verrückt. Am zweiten Tag zum Beispiel wollten sie mir Tanzen beibringen! Hoffnungslos, fürchte ich.
Die Mädchen beneiden meine Haare und machen mir jeden Tag neue Frisuren. Es ist merkwürdig, auf einmal so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Alle kennen meinen Namen und freuen sich, wenn sie mich sehen. Ich finde das sehr schön, aber es ist manchmal auch etwas unangenehm. Ich weiß zum Beispiel nicht immer, wie ich mich verhalten soll, wenn mir jemand hinterherpfeift.
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