Austausch-Log Malaysia: Mädchen-WG am Ende der Welt

Austausch-Log Malaysia: Was nehm' ich mit? Fotos
Jana Reyer

Nach ihrem Japan-Jahr wollte Jana Reyer, 17, nur eines: schnell wieder weg aus Deutschland! Kurz entschlossen bewarb sie sich für ein Stipendium für zwei weitere Auslandsjahre, mit Erfolg. Nächster Halt: Kuala Lumpur.

So ein Durcheinander habe ich schon lange nicht mehr in meinem Zimmer gesehen. Schuhe in allen Farben und Formen liegen verstreut auf dem Bett, auf dem Fußboden stapeln sich alte Schulordner und in allen Ecken liegen Klamotten. Ein Glück, dass meine Mutter bei der Arbeit ist und ihr dieser Anblick erspart bleibt. Die Regale meines Zimmers werden immer leerer und der Fußboden voller.

Denn 30 Kilo Gepäck klingt zwar viel, ist aber für zwei Jahre dann doch wenig. Ein paar Fotos von Freunden und Familie müssen reichen, ein selbstgemaltes Bild von meiner kleinen Schwester nehme ich auch mit. Platz für mehr Erinnerungsstücke gibt es nicht. Meine heißgeliebten Bilderalben, alte Tagebücher, Liebesbriefe - alles muss in Kartons verstaut auf den Dachboden.

Pauken unter Palmen

Kein Familienmitglied hätte gedacht, dass ich mich ein halbes Jahr nach meinem Japan-Austauschjahr schon wieder ans andere Ende der Welt begeben würde. Gerade noch habe ich elf Monate bei einer Gastfamilie in Osaka gewohnt und beinahe fließend Japanisch gesprochen. Kaum war ich zu Hause, las ich im Internet vom Angebot der Deutschen Schule in Kuala Lumpur: Abi in Malaysia.

Ich bewarb mich um das Stipendium, das die Deutsche Schule Kuala Lumpur regelmäßig an deutsche Gymnasiasten vergibt: Damit werden Schulgebühren, Bücher, Unterbringung und Verpflegung abgedeckt. Statt im kalten Deutschland wollte ich lieber zwei Jahre lang im heißen Malaysia pauken und dort zwischen Wolkenkratzern und alten Tempeln mit dem Deutschen Internationalen Abitur abschließen. Unterrichtet wird auf Deutsch und Englisch. Das klingt doch um einiges aufregender als mein idyllisches 500-Seelen-Dorf am Rande der Oberpfalz.

"Ich gebe mein Bestes"

Als ich einige Monate später einen Blick ins E-Mail-Postfach warf, wollte ich meinen Augen nicht trauen: Die erhoffte, aber völlig unerwartete Zusage.

Meine Reise ans Ende der Welt sollte ich gemeinsam mit Laura aus Sachsen und Maybritt aus Mecklenburg-Vorpommern antreten. Zusammen würden wir in einer betreuten WG in der Nähe der Schule wohnen. Getroffen habe ich die beiden zwar noch nicht, aber zumindest auf Facebook sind wir befreundet. Zum Kennenlernen haben wir in den nächsten zwei Jahren ja genügend Zeit.

Mittlerweile bleibt mir nur noch eine Woche bis zum Abflug. Ich versuche, möglichst viele Freunde und Verwandte noch einmal zu treffen. Viele von ihnen können es nicht ganz verstehen, warum ich für mein Abitur ans andere Ende der Welt reise. Auch mir wird langsam mulmig zumute. Zwei Jahre sind eine ganz schön lange Zeit.

Doch wenn ich ängstlich werde, versuche ich, meine Gedanken auf das zu lenken, worauf ich mich freue: eine neue Kultur mit ganz eigenen Traditionen, die erste eigene WG, tropisches Wetter, Regenwald. Ich hoffe, dass mir die Zeit dabei helfen wird, zu verstehen, wer ich bin und wer ich sein möchte. Am Ende werde ich hoffentlich eine selbstbewusste junge Frau sein, die vielleicht sogar ein konkretes Berufsziel gefunden hat.

Das ist vielleicht eine sehr idealistische Vorstellung und während der 24 Monate in Malaysia werde ich mit Sicherheit auch eine Menge Hürden meistern müssen, aber was mir diese Zeit genau bringen wird, werde ich bald herausfinden. "Ganbaru" würde man auf Japanisch sagen. Das heißt so viel wie: "Ich gebe mein Bestes".

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insgesamt 17 Beiträge
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1. optional
fx33 18.09.2013
Wie man liest, hat die junge Frau ein Stipendium ergattert. Folglich muss die Schülerin nichts weiter aufbringen als ihren Ehrgeiz und ihren Fleiss. Und selbstverständlich eine gehörige Portion Mut. Mir scheint's, daran fehlt es manch kleingeistigem pseudorevolutionärem Kommentator dann doch...
2. Mutig, nicht privilegiert
uchawi 18.09.2013
Zitat von deutscherevolution00unter 18 und Auslandsjahr in Japan und Malaysia. nie studiert, nie gearbeitet. ach wie gern wäre ich auch privilegiert. sollte ich nach dem Studium die Ehre haben Bewerber zu interviewen werde ich privilegierte Kinder chronisch ignorieren...
Willkommen in der Neiddebatte. Das Mädchen hat sich – wenn ich das richtig lese – auf ein Stipendium beworben. Das hätten auch Sie als "Unterpriviligierter" tun können. Dafür braucht es nicht unbedingt Geld, sondern vor allem Mut und ein entsprechend absehbares Leistungspotenzial. Ich stamme selbst aus einem Elternhaus mit sehr geringem Einkommen. Meine Eltern hätten mir niemals einen Auslandsaufenthalt finanzieren können. Trotzdem habe auch ich ein Jahr in Malaysia verbracht, ebenfalls mit einem Stipendium. Was das mit "privilegiertem Kind" zu tun hat, wüsste ich wirklich zu gern. Der Autorin wünsche ich jedenfalls eine ebenso spannende Zeit in Kuala Lumpur, wie ich sie hatte. Und ja: Auch ich bin ein bisschen neidisch. Ich wäre gern nochmal so jung ...
3.
meinung83 18.09.2013
"unter 18 und Auslandsjahr in Japan und Malaysia. nie studiert, nie gearbeitet. ach wie gern wäre ich auch privilegiert. sollte ich nach dem Studium die Ehre haben Bewerber zu interviewen werde ich privilegierte Kinder chronisch ignorieren..." deutscherevolution00 absolut richtig! endlich hat das mal jemand richtig erkannt.
4. Mutig, nicht privilegiert
uchawi 18.09.2013
Zitat von deutscherevolution00unter 18 und Auslandsjahr in Japan und Malaysia. nie studiert, nie gearbeitet. ach wie gern wäre ich auch privilegiert. sollte ich nach dem Studium die Ehre haben Bewerber zu interviewen werde ich privilegierte Kinder chronisch ignorieren...
Willkommen in der Neiddebatte. Das Mädchen hat sich – wenn ich das richtig lese – auf ein Stipendium beworben. Das hätten auch Sie als "Unterpriviligierter" tun können. Dafür braucht es nicht unbedingt Geld, sondern vor allem Mut und ein entsprechend absehbares Leistungspotenzial. Ich stamme selbst aus einem Elternhaus mit sehr geringem Einkommen. Meine Eltern hätten mir niemals einen Auslandsaufenthalt finanzieren können. Trotzdem habe auch ich ein Jahr in Malaysia verbracht, ebenfalls mit einem Stipendium. Was das mit "privilegiertem Kind" zu tun hat, wüsste ich wirklich zu gern. Der Autorin wünsche ich jedenfalls eine ebenso spannende Zeit in Kuala Lumpur, wie ich sie hatte. Und ja: Auch ich bin ein bisschen neidisch. Ich wäre gern nochmal so jung ...
5. ach Ihr
vipix 18.09.2013
Ach Ihr, das ging auch 30 Jahre frueher. Ich begann die Schule in Deutschland, es ging weiter in UK Abitur in Genf. Studiert habe ich in France, Israel, es tat nur gut, ich war irgendwie geerdet. da hilft ueberall auf der Welt.
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Austausch-Log: Die Autoren
Jana in Malaysia
Jana Reyer

Aus einem Dorf in der Oberpfalz reist Jana Reyer, 18, nach Malaysia und tauscht ihr heimisches Gymnasium gegen die Deutsche Schule in Kuala Lumpur. Zuvor hat sie bereits ein Jahr lang in Japan gelebt. Nun freut sie sich auf heißes Wetter, Tempel und Wolkenkratzer.

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Die Gymnasiastin Alina Buxmann, 16, reist aus einem niedersächsischen Dorf in die USA. Sie verlässt sich nicht darauf, was Filme und Bücher erzählen, sie will die amerikanische Kultur erleben. Auch wenn das bedeutet, auf ihre Lieben und deutsches Brot zu verzichten.

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Caroline Körner, 15, tauscht ihr Gymnasium im hessischen Taunusstein für fünf Monate gegen eine Schule in Frankreich, 1200 Kilometer von zu Hause entfernt. Ihre Austausch-Erfahrungen notiert sie in ihrem Tagebuch und für den SchulSPIEGEL.

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Arzucan Askin, 17, kommt aus Berlin und hat bereits ein Austauschjahr in den USA verbracht. Als sich das Fernweh wieder meldete, bewarb sie sich an einer internationalen Schule in Hongkong. Im Internat des "United World College" wird sie für zwei Jahre leben.

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