Laura zurück in Deutschland: Oh, wie schön war Panama

Laura zurück in Hamburg: Panama, meine Perle Fotos
Laura Heidemann

Nein, ihr Austauschjahr sollte nicht enden, wünschte sich Laura Heidemann, 16. So schwänzte sie in Panama noch einmal die Schule, weinte, reiste. Und dann musste sie doch zurück nach Hamburg. Jetzt fragt sie sich: Wohin gehöre ich eigentlich?

Hamburg, da bin ich wieder. Auch wenn ich seit vier Wochen zurück bin, denke ich trotzdem jeden Tag an Panama. Vor allem an die letzten Wochen, an dieses Gefühl, mir alle Gesichter einprägen zu müssen, um sie nicht zu verlieren.

Ich erlebte die letzten Tage in meiner heimeligen Kleinstadt La Concepcion ganz intensiv. Die schmalen Gassen mit ihren kleinen, einstöckigen Häuschen - es war seltsam zu wissen, dass ich das alles erst mal nicht wiedersehen würde.

Der Abschied in meiner Schule war der schönste und schwierigste. Die einen umarmten mich, wünschten mir eine tolle Zukunft, die anderen versuchten, mich zu überzeugen, in Panama zu bleiben. Meine besten Freundinnen überredeten mich, mit ihnen eine Schulstunde zu schwänzen, um das letzte Mal mit ihnen Bachata zu tanzen. Dabei wollten sie mich nur vom Klassenraum fernhalten.

Als wir dann ins vermeintlich leere Klassenzimmer traten, sprangen alle unter den Tischen hervor und riefen "Sorpresa!" (Überraschung). An der Wand hing ein Plakat, auf dem "Auf Wiedersehen, Laura!" stand, alle hatten unterschrieben. Sie hatten Kuchen mitgebracht, viele gaben mir kleine Geschenke, Fotoalben, Briefe.

Ich fing an zu weinen, vor Freude. Das ist mir noch nie passiert. Ein wunderbares Gefühl! Kurz vor Schulschluss begossen meine Mitschüler mich mit Wasser, so ist es an meiner Schule auch bei Geburtstagskindern üblich. Wehren zwecklos.

Das Kapitel sollte nicht enden

Meine Gastfamilie lud ich in ein kleines Restaurant ein. Zum Abschied weinten wir alle; gleichzeitig waren wir optimistisch, dass wir uns bald wiedersehen würden - Dank der sozialen Netzwerke können wir ja zumindest leicht in Kontakt bleiben.

Um den Abschied noch etwas hinauszögern, reiste ich mit einer thailändischen Austauschschülerin für ein paar Tage nach Panama City. Dort konnten wir uns langsam mit dem Gedanken an die Rückreise anfreunden.

Mein ganzes Jahr ist auf diesen Tag zugelaufen, doch ich wollte nicht, dass dieses Kapitel endet. Es endete natürlich doch. Wir europäischen Austauschschüler sind gemeinsam zurück geflogen, geschlafen haben wir nicht. In Madrid mussten wir uns trennen, die einen flogen weiter nach Rom, die anderen nach Wien, Frankfurt und München. Ich flog über London zurück nach Berlin.

Die Aufregung stieg mit jedem Kilometer. Bei der Gepäckausgabe sah ich meine Eltern, sie hatten ein Schild in der Hand mit meinem Namen sowie der deutschen und panamaischen Fahne. So schön, sie endlich wiederzusehen!

Irgendwie war in Deutschland wieder alles neu

Anfangs war ich jeden Tag unterwegs, um mich abzulenken. Meine Freundinnen hatten eine Überraschungsfeier organisiert. Ich fühlte mich wohl, Deutschland war aufregend, irgendwie war wieder alles neu. Und trotzdem: Ich konnte mich schwer damit abfinden, nicht mehr in Panama zu sein.

Manchmal weiß ich jetzt nicht mehr, wohin ich gehöre. Ich vermisse die spanische Sprache, die panamaische Mentalität, die Menschen. Es bleibt das Gefühl, dass mich hier niemand versteht, auch wenn alle es versuchen. Ich habe andere Gewohnheiten und Ansichten, habe mich verändert, auch wenn das nicht für alle sichtbar ist. Deutschland wirkt im Vergleich zu Panama ein wenig spießig, etwas langweilig. Wenn die Sehnsucht zu groß wird, skype ich mit meinen panamaischen Freunden. Auch die Treffen mit anderen Austauschschülern helfen, sie kennen meine Probleme.

So gelingt es mir allmählich, Deutschland wieder halbwegs mit deutschen Augen zu sehen. Ich habe eine Menge Spaß mit meinen alten Freunden. Auch die Schule gefällt mir. Wobei ich hier mehr lernen muss als in Panama. Ich engagiere mich für meine Austauschorganisation AFS und freue mich darauf, neue Austauschschüler kennenzulernen. Auch mit den Austauschschülern, die mit mir in Panama waren, habe ich noch Kontakt. Charlotte beispielsweise, sie wohnt in Baden-Württemberg, hat mich schon in Hamburg besucht, und wir kochten panamaisch.

So verliere ich auch nach meiner Rückkehr Panama nicht ganz. Und bald werde ich zurückkehren, um alle zu besuchen. Das Auslandsjahr war eine wunderschöne Erfahrung, selbst die schwierigen Momente waren letztlich gut. Ich rate jedem, ein Auslandsjahr zu machen. Danach bist du ein Weltbürger mit genug Fernweh, um die ganze Welt zu besuchen.


Laura Heidemann hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Ohhh..
rachido 09.09.2013
... Wie schön ist Panama und der gesamte Artikel. Irgendwie hat er mich erreicht und sowas von Fernweh verursacht angefangen mit Melancholie und endend in einer beinah Depression... Weinender smiley ..
2. so ist das
doppelpost123 09.09.2013
Irgendwie ist es ja immer dort am schönsten, wo man gerade nicht ist :-( ging mir nach meinem Asientrip auch so. das gefühl geht auch weit über ein "ja, klar will jeder immer Urlaub haben" hinaus.
3. Panama ist toll
Sandygirl 09.09.2013
Schöner Artikel. Und verständlich, denn Panama hat seinen ganz eigenen Charme. Durch den "Kanal" gibt es ein sehr internationales Publikum - aber nicht das übliche Touri-Publikum, sondern ehemalige Seeleute (zum Teil in der xten Generation). Wenn man sich auf die Leute dort einlässt, ist das sehr interessant.
4. Hallo Laura,
dasOJO 09.09.2013
Deine Berichte von Deinem Austauschjahr in Panama haben mir ganz hervorragend gefallen. Vielen Dank dafür! Dir alles, alles Gute - wohin auch immer es Dich in Deinem Leben verschlagen wird.
5. Tsss
quark@mailinator.com 09.09.2013
Herzschmerz ... herrje, aber warum muß die ganze Welt das wissen ? Statt dessen fehlt dann mal wieder all das über die Art, wie die USA Panama von Kolumbien abtrennten, nachdem dort ein Volksentscheid den Kanalbau verbot und daß Panama entsprechend der größte militärische Außenposten der USA ist, also eigentlich unter Besatzung steht. Romantische Verklärung in der Karibik ist ja geradezu ein Klassiker ... man muß nur großzügig über all das Unrecht hinwegsehen, egal, ob nun Haiti, Nikaragua, Kuba oder eben Panama.
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