Straßenlärm, überall Menschen, Bus, U-Bahn, S-Bahn, mit der besten Freundin einkaufen gehen, wann immer ich will. Das ist die Großstadt. Manche hassen sie und manche können nicht ohne sie. Ich bin Berliner und gehöre zur zweiten Kategorie. Für mein Auslandjahr bin ich in einen 8000-Seelen-Ort gezogen, über 9000 Kilometer entfernt von daheim.
Bald ist die Hälfte des Jahres um. Dann lebe ich schon fünf Monate in diesem Kaff. Eigentlich mag ich es hier. Meine Gasteltern unternehmen mit mir Ausflüge, gehen ins Kino, fahren in den Urlaub. Doch alles gemeinsam, und wenn ich mal mit Freunden raus will, müssen sie mich extra dort hinfahren.
In meinem Ort gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, nur Sammeltaxis, die ich nicht benutzen soll, einen Supermarkt und bis zum nächsten Einkaufszentrum muss ich mit dem Auto 20 Minuten fahren - besser gesagt: Ich muss mich fahren lassen.
Ich fühle mich, wie in einem Käfig. Zu sehr liebe ich die Spontaneität in einer Millionenstadt und die Möglichkeit, überall hinfahren zu können, ohne auf jemanden angewiesen zu sein. Doch hier in Südafrika bestimmt die Angst vor Kriminalität den Alltag.
In der Großstadt kann ich sein, wie ich will
Ich war kaum angekommen, da sagten mir meine Gasteltern, dass die Sammeltaxis zu gefährlich sind. Manche der Taxifahrer haben keinen Führerschein, andere fahren wie die Bekloppten. Ein Taxi ist ausgelegt für rund 20 Personen, doch manchmal sitzen dort bis zu 40 Personen drin. In den vergangenen fünf Monaten habe ich mich daran gehalten und mich in kein Taxi gesetzt.
Wenn ich Kleinstadt oder Dorf höre, dann denke ich an Klatsch und Tratsch. Jeder will wissen, wer was mit wem macht und wer welche Probleme hat. Ich vermute, das ist überall auf der Welt so, egal auf welchem Kontinent man sich befindet. In der Großstadt kann ich sein, wie ich will und machen, was ich will. Den anderen ist es egal, ich bin nur einer unter vielen.
Klar, habe ich hier schon Freunde gefunden, und ich kann mit ihnen reden. Aber nicht wirklich über wichtige Sachen, wie Liebe, Lehrer oder Leute, mit denen man gerade Probleme hat. Die ganze Schule würde es wissen und sich das Maul zerreißen, und ich habe keine Lust Stadtgespräch der Woche zu sein. Es reicht schon, dass ich es an meiner Schule bin, und im Dorf kennt mich auch schon jeder als deutschen Austauschschüler.
In diesen Momenten, wenn ich jemanden zum Reden brauche, vermisse ich meine besten Freunde. Wir haben alles zusammen gemacht und geteilt. Weil ich mich mit meinen Gasteltern gestritten habe, habe ich nun seit einer knappen Woche unbegrenzten Hausarrest. Momentan hänge ich also noch ein bisschen mehr als sonst in meinem Zimmer rum, deswegen muss ich jetzt noch mehr an meine Freunde denken.
Allzu viel merke ich von meinem Hausarrest nicht. Würden mir meine Eltern in Deutschland Hausarrest geben, würde ich durchdrehen. Doch hier? Was ändert sich? Nichts. Ich gehe zur Schule, werde abgeholt, komme zu Hause an, mache meine Hausaufgaben, surfe im Internet, schaue Fernsehen - und denke ganz viel nach.
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