Austausch-Log USA: Amerika, ich häng an dir!

Anna in den USA: Einmal Supersize America, bitte Fotos
Anna Sophia Burch

Bis zu ihrer Heimreise will Anna Sophia Burch so viel Supersize America genießen wie möglich: Sie isst Zimtschnecken zum Frühstück, knuddelt Alligatoren in Florida und verabredet sich zum Powershopping. An Abschied will sie nicht denken - und tut es doch permanent.

Zehn Monate nach meiner Abreise genieße ich wieder einfach nur. Damals habe ich in der Schweiz noch mal alle Freunde getroffen, viel mit meiner Familie unternommen. Jetzt heißt es: Amerika genießen, bevor ich zurück in die Schweiz fliege. Cinnamon Rolls und Pancakes zum Frühstück, Peanut Butter Cookies, Donuts und alle anderen fettigen, ungesunden, aber sündhaft guten Spezialitäten. Meine letzten Wochenenden habe ich schon verplant mit Powershopping, Trampolinworld und einem Riesen-Wasserpark. Einfach Supersize America genießen.

Genau das habe ich auch getan, als meine Tante mich kürzlich besuchte. Ein unbeschreibliches Gefühl, endlich wieder ein Familienmitglied in die Arme zu schließen. Wir reisten gemeinsam nach Florida und verbrachten ein paar erholsame Tage fernab der Touristenströme in Miami Beach.

Der südamerikanische Einfluss auf die Stadt ist allgegenwärtig: Zweisprachige Straßenschilder, überall spanischsprechende Menschen und natürlich der Calle Ocho. Der riesige südamerikanische Karneval inklusive heißer Salsa-Rhythmen findet im Frühling statt. Wir tanzten mit, kauften frische Mangos an Straßenständen und fühlten uns wie im Karneval in Rio.

Später reisten meine Tante und ich zu den Everglades, ein großes Naturschutzgebiet im tropischen Marschland von Florida. Wir beobachteten vom Motorboot aus Alligatoren im flachen Sumpfgewässer. Später auf einer Alligtorenfarm nahm ich sogar ein kleines Alligatorenbaby auf den Arm.

Erinnerungsfotos mit Cowboys und Bullen

Zurück in Texas bin ich endlich auf einem Bullen geritten. In Downtown Fort Worth gibt es eine Cowboystadt wie aus einem Westernfilm mit Salons, Pferdekutschen und natürlich vielen Touristenläden. Ich machte Erinnerungsfotos mit Cowboys auf ihren Tieren und schickte somit endlich die erwarteten klischeehaften Fotos von Texas nach Hause. Später schauten wir uns noch die Rodeo-Championship an. Nicht ganz ungefährlich, aber das gehört hier dazu wie die Berge zur Schweiz. In vielen Highschools in der Gegend kann man sogar eine Rodeo-Klasse besuchen, eine alte Cowboy-Tradition.

Ich habe so viele nette Menschen in Amerika und Austauschschüler aus der ganzen Welt kennengelernt. Leider gehört es zum Austausch dazu, sich auch immer wieder verabschieden zu müssen. Die schönen Momente bekommen so einen viel größeren Wert, die Erinnerungen kann mir niemand nehmen.

Es fühlt sich an, als säße ich in einer Zeitmaschine: Die Tage und Wochen ziehen immer schneller an mir vorbei. Ich mag an den Abschied noch nicht denken - trotz großer Vorfreude auf zu Hause und vor allem auf das Wiedersehen mit Familie und Freunden. Denn es ist ein Goodbye auf unbestimmte Zeit, in vielen Fällen sogar ein Lebewohl. Wer weiß, wann ich das nächste Mal nach Texas zurückkehren werde? Vor allem Alina, meine beste Freundin in Texas, werde ich vermissen. Zum Glück wird auch sie im Sommer nach Berlin zurückkehren, ich werde sie dort hoffentlich bald besuchen.

Und ich frage mich natürlich auch: Wie viele Koffer brauche ich, um alle meine neuangeschafften Sachen zurück in die Schweiz zu transportieren? Man sieht meinem Kleiderschrank an, wie viel Spaß Shopping in Amerika macht. Mit meinen amerikanischen Freunden machen wir uns darüber immer lustig. Denn Amerika sollte dankbar für all die europäischen Austauschschüler sein: Wir halten schließlich die amerikanische Wirtschaft am Laufen.

Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es sein wird, zu Fuß zur Schule zu laufen oder einfach den Zug in die Stadt zu nehmen. Wie wird es sein, wieder in meinem eigenen Bett aufzuwachen?

Dieses Jahr hat mir auf jeden Fall die Augen geöffnet und mich neugierig auf den Rest der Welt gemacht. Denn ob meine Eltern es hören wollen oder nicht: Einmal mit dem Reisen angefangen, ist die Abenteuerlust geweckt!

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insgesamt 34 Beiträge
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1.
goofy100 06.05.2013
Erfrischend, endlich mal einen Artikel ueber unser Land zu lesem, in dem nicht sofort ein oeko-Zeigefinger drohend mahnt, und man belehrt wird, dass in Deutschland alles besser ist. Liegt wohl daran, dass die Autorin aus der Schweiz ist.
2. Mit voller...
fatherted98 06.05.2013
...Brieftasche shoppen zu gehen und es gut gehen zu lassen ist überall auf der Welt schön...nicht nur in den USA. Die junge Dame hat ein Jahr Urlaub gemacht...schön...und welche Erkenntnisse ausser Shopping, fettem und süssen Essen und ein paar nette Amis kennengelernt zu haben, sind ihr dabei gekommen...das Reisen Spaß macht solange man es sich dabei richtig gut gehen lassen kann...doll....
3.
sir.viver 06.05.2013
Zitat von sysopBis zu ihrer Heimreise will Anna Sophia Burch so viel Supersize America genießen wie möglich: Sie isst Zimtrollen zum Frühstück, beobachtet in Florida Krokodile und verabredet sich zum Powershopping. An Abschied will sie nicht denken - und tut es doch permanent. Schüleraustausch USA: Abschiedsschmerz in den letzten Texas-Wochen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/schueleraustausch-usa-abschiedsschmerz-in-den-letzten-texas-wochen-a-897355.html)
In Florida gibt es Aligatoren, keine Krokodile.
4. So reden sie eben ...
webman 06.05.2013
... Die verwöhnten Söhne und Töchter ... Alles ist gut ;);)
5. Schöne, heile Konsumwelt
Hanckock 06.05.2013
Ach was schön und bezaubernd das Leben in den U.S.A. wenn frau wie eine kleine verwöhnte Prinzessin aus der Steueroase Schweiz darin herumtanzen kann, gelle??!? Vielleicht wäre ein kleiner Abstecher nach Guantanamo noch hilfreich gewesen, oder nach Kentucky, wo die 5-jährigen schon mit ihrer "First Rifle" ihre 2-jährigen Geschwister erschießen. Ach, Amerika, ich häng an Dir!!! Für den nächsten Trip wäre vielleicht mal was in Zentralafrika sinnvoll. Nur um mal einen Eindruck vom Leben zu bekommen, wie es Leuten geht, die nicht in einem Land aufgewachsen sind, in dem schon Kindern mehr Geld zur Verfügung steht, als dort einer Person in einem ganzen Jahr. Könnte der totalen Verblödung durchaus entgegen wirken.
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