Austausch-Log USA: Ein Roadtrip mit Gastmama und Gastpapa

Anfangs war Austauschschülerin Elisabeth Schröter, 16, von Amerika enttäuscht: Irgendwann war nicht mehr jeder Tag ein Highlight und ohne Auto saß sie fest. Dann bereiste sie die Ostküste und entdeckte ein völlig neues Land, aus dem sie jetzt nicht mehr weg will.

Austausch-Log USA: Elisabeth will bleiben Fotos
Elisabeth Schröter

Am Anfang klangen zehn Monate unvorstellbar lang, jetzt sind nur noch zwei übrig. So langsam neigt sich diese Zeit, dieses "Once-in-a-lifetime-Erlebnis" dem Ende.

Und immer noch können zwei Monate verdammt lang klingen, in den Momenten, in denen ich allein bin und mir nichts mehr herbei wünsche als meine Familie, mein Bett und meine besten Freunde. Andererseits gibt es die Momente, in denen ich einfach nur unendlich glücklich bin, weil ich eine super Gastfamilie habe, die mir so viel zeigt, weil ich die nettesten Leute kennengelernt habe, die mittlerweile einen bedeutenden Platz in meinem Leben eingenommen haben.

Wenn ich gefragt werde, ob es mir hier in Amerika gefällt und ob ich mir vorstellen könnte, später in Amerika zu wohnen, weiß ich nie, was ich antworten soll. Die meisten Amerika-Eindrücke habe ich bislang an dem Ort gesammelt, an dem meine Gastfamilie wohnt. Schon nach zwei Wochen war mir klar, dass alles ganz nett und idyllisch ist, es mir aber niemals das Gefühl geben würde, zu Hause zu sein. In den vergangenen Monaten wurde eine neue Straße gebaut, mit mindestens zehn neuen Häusern, die alle noch nicht bezogen sind. Sobald etwas nicht mehr auf dem neusten Stand ist, wird es durch etwas Neueres, Besseres, Komfortableres ersetzt.

In zehn Jahren wird dieser Ort nichts mehr als eine Erinnerung sein. Weil es nichts gibt, an dem ich mich festhalten kann. Nichts und niemand kommt jemals zur Ruhe. Deshalb fällt es mir selbst manchmal schwer, zur Ruhe zu kommen.

Ich will nicht, dass die Zeit hier zu Ende geht

Am Anfang war ich wohl einfach etwas enttäuscht. Ich hatte mir vorgestellt, dass alles in Amerika ein einziges Highlight wird. Es war total aufregend und neu, in einem Suburb zu wohnen und jeden Morgen mit dem gelben Schulbus in die Schule zu fahren. Bis es nach zwei Wochen langweilig wurde. Und mir wurde bewusst, dass ich ohne Auto mehr oder weniger zu Hause festsitze.

Mein Trip an die Ostküste allerdings hat mir die anderen Seiten Amerikas gezeigt. Meine Gastfamilie und ich haben uns mit dem Auto zehn Tage an den Highlights entlang gehangelt.

In Philadelphia haben wir die Independence Hall besucht, wo einst Politiker über die Unabhängigkeitserklärung debattierten. In Boston sind wir ganz herkömmlich dem Touristenpfad gefolgt, vorbei am Boston Common, dem ältesten öffentlichen Park der Vereinigten Staaten, sowie Granary Burying Ground, einem Friedhof auf dem einige bekannte Persönlichkeiten aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg begraben liegen.

Dann ging es weiter nach Plymouth Rock und niemals werde ich den Moment vergessen, als ich am Strand von New Hampshire stand, vor meinen Augen den weiten, tiefblauen Ozean. "Irgendwo da drüben, auf der anderen Seite, sind meine Leute", dachte ich. Es fiel mir sehr schwer zurück ins Auto zu steigen. Aber immerhin war das Schauspiel noch nicht ganz vorbei, denn in Maine beeindruckten mich riesige Wälder. Ich glaube, für gute drei Stunden habe ich nur Bäume gesehen - und hier und da mal eine Fastfood-Kette. Auf der Rückreise haben wir uns einen kleinen Abstecher nach New York gegönnt. Der krönende Abschluss.

Als wir wieder zu Hause waren, kam mir alles vor wie in einem Traum. Ich bin immer noch überwältigt. Um ehrlich zu sein: Ich will gar nicht, dass die Zeit hier zu Ende geht.


Elisabeth Schröter hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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