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Austausch-Log USA: Alle nennen mich hier Germany

Alina in den USA: Ein Mädchen namens Germany Fotos
Alina Buxmann

Alinas Kindheitstraum wird wahr: Als Showtänzerin wirbelt sie mit ihren Freunden durch ein Highschool-Musical. Und nach der Klassenreise nach New York will sie einfach nicht glauben, dass ihr amerikanisches Leben jemals zu Ende geht.

Mit neun Jahren träumte ich davon, Vanessa Hudgens zu sein, als sie Zac Efrons Freundin in "High School Musical" spielte. Acht Jahre später sollte ich tatsächlich die Chance bekommen, in einem Highschool-Musical mitzuwirken. Dieses Jahr führte meine Schule "State Fair" auf, eine Liebeskomödie von Rodgers und Hammerstein. Ich sollte eine der Hauptrollen übernehmen, die der Showtänzerin Emily Arden.

Leider musste ich ernüchtert feststellen, dass ich bei einer der zwei Aufführungen fehlen würde, verlegen konnten wir die Show leider nicht. Letztlich trat ich in zwei entbehrlicheren Rollen auf - als eine von acht Showtänzerinnen und als eine Besucherin des Jahrmarkts. Anstatt nach der ersten Aufführung ein zweites Mal auf der Bühne zu tanzen, erkundete ich mit rund 70 anderen Austauschschülern aus aller Welt Washington D. C.

Wir umrundeten das Kapitol und das Weiße Haus, besuchten die Smithsonian Museen und schauten zu Abraham Lincoln und Thomas Jefferson auf. Nach einem Zwischenstopp bei Benjamin Franklins Grab in der alten Hauptstadt Philadelphia, setzten wir die Reise nach New York City fort, wo ich schon mal ein paar Punkte auf meiner To-do-Liste abhaken konnte: Ich überquerte die Brooklyn Bridge, genoss die Aussicht aus dem 85. Stock des Empire State Buildings, schaute anderen Touristen dabei zu, wie sie in der Hoffnung auf finanziellen Wohlstand die Hoden des bronzenen Bullen der Wall Street berührten, ich posierte mit meiner Haarbürste vor der Freiheitsstatue und ließ mich von den Lichtern des Times Squares erleuchten. Viele von uns Austauschschülern riefen ungläubig aus: "Ich kann nicht fassen, dass wir in New York sind!"

Die Zeit läuft

Eines Abends kamen wir in den Genuss, Rodgers und Hammersteins Musical "Cinderella" auf dem Broadway zu sehen. Sofort fühlte ich mich an die vergangenen Monate in meiner Schule in Union City erinnert: Bis spät abends hatten wir täglich am Set von "State Fair", dem Jahrmarkt der Liebe, gebastelt, an Tanzeinlagen, Gesang, Kostümen oder der Schauspielerei.

Während meine neuen japanischen Freunde mir in Chinatown beibrachten, wie man mit Essstäbchen isst, fragte ich mich, ob meine Gastschwester mich wohl vermisste. Oder freute sie sich darüber, das Badezimmer ganz für sich zu haben?

Auf dem Weg zurück fühlte ich mich, als würde ich nach Hause fahren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Zeit gab, in der Union City nicht meine Heimat war; in der ich nicht von einem kleinen bellenden Hund namens Brody empfangen wurde; in der ich nicht darüber nachgedacht habe, ob mein morgiges Outfit dem Dresscode meiner Schule entspricht; in der ich nicht nach dem Unterricht mit meinen Freundinnen auf der Tartanbahn gelaufen bin; eine Zeit, in der mein Spitzname nicht Germany war.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein amerikanisches Leben - gleich einer Show - eine Laufzeit hat und dass nur noch drei Monate von ihr übrig geblieben sind.

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