Abschlussball in den USA: Willst du mit mir gehen?

Für ihre Mitschüler in den USA ist es das wichtigste Event des Jahres: der Abschlusstanz, Prom genannt. Für das Finale ihres Austauschjahres holte sich Elisabeth Schröter ein Last-Minute-Kleid und ließ sich stundenlang stylen. Den Antrag für die Nacht der Nächte machte ihr der beste Freund.

Vor kurzem saß ich noch in meinem Zimmer in Georgia und habe darüber nachgedacht, was ich alles mit zurück nach Deutschland nehmen will. Und vor allem: Wie? Denn innerhalb der vergangenen zehn Monate hat sich die Anzahl meiner Sachen mindestens verdoppelt. Meine Gastmutter und ich fuhren kurzerhand zu "Walmart" und kauften sogenannte "Space bags". Zu meinem Glück musste ich am Flughafen nicht für das zweite Gepäckstück bezahlen.

In den vergangenen Monaten vor meiner Abreise ist viel passiert. Im März waren meine Familie und ich für eine Woche in Florida. Während meine Familie in Deutschland so richtig schön gefroren hat, durfte ich den ganzen Tag im Golfstrom baden. Zurück in Georgia musste ich mich langsam auf das wahrscheinlich größte Event des Jahres vorbereiten: Prom! Der Abschlusstanz. Meine Mitschüler bereiteten sich eigentlich schon das ganze Jahr darauf vor, aber im März ging es in die Endphase.

Kip, mein bester Freund, hatte mich schon im Februar gefragt, ob ich mit ihm zu Prom gehen will. Er hatte sich so viel Mühe gemacht - und die Überraschung ist ihm gelungen: Denn ich war ganz schön baff, als er mich während einer Aufführung vor der halben Schule auf der Bühne fragte. Sogar den Satz: "Willst du mit mir zum Prom gehen?" hat er vorher auf Deutsch auswendig gelernt.

Mein Date hatte ich also schon früh, nur leider fehlte mir noch alles andere. Das Kleid ersteigerte ich einen Tag vor Prom in einem Laden, es war gar nicht so leicht zwischen all dem Kitsch etwas Schönes zu finden. Auch die Schuhe habe ich dort gekauft, die mussten mindestens so hoch sein, dass das Kleid nicht auf dem Boden hängt.

Styling, Fotoshooting, Steak essen

Am Prom-Tag machte ich mich stundenlang mit rund 20 Freunden schick. Die haben extra junge Leute engagiert, die uns die Haare gemacht und uns geschminkt haben. Daran habe ich wieder einmal gemerkt, wie viel dieser Tag den Amerikanern bedeutet. Danach haben wir etwa eine Stunde lang Fotos gemacht.

Nachmittags ging's zum Steak essen - richtig amerikanisch - dann sind wir mit dem Partybus zum Abschlusstanz gefahren. Die Mädchen haben sich nach fünf Minuten ihre hohen Schuhe auszogen und danach bis 24 Uhr durchgetanzt. Gegen 4 Uhr lag ich im Bett. Das war Prom. Genauso crazy und abgefahren wie alle es vorher angekündigt hatten.

Die letzten Tage in Amerika sind unglaublich schnell vergangen. Jeden Tag traf ich mich mit Freunden und unternahm was mit meiner Familie, sie hatten viel für mich geplant. An meinem letzten Wochenende sind wir aufs Land gefahren, um meinen Gastgroßeltern "Farewell" zu sagen. Innerhalb eines Jahres bin ich zu einem Teil der Familie geworden. Ich durfte noch mal mit dem Truck meines Großvaters durch die Wälder fahren und meiner Großmutter im Barbecue-Restaurant helfen. Dann hieß es "Auf Wiedersehen" - oder "Tschüs", denn ich weiß nicht, wann ich wieder zurückkommen kann.

Rückblickend war das Auslandsjahr die beste Entscheidung meines Lebens. Nicht unbedingt, weil ich jetzt ziemlich gut Englisch spreche, sondern eher wegen all der anderen Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Ich habe gelernt, wie es ist, neu und fremd und manchmal ganz auf sich allein gestellt zu sein. Ein Jahr lebte ich in einem Land mit einer anderen Kultur und eigenen Bräuchen. Von Anfang an habe ich probiert, das Beste daraus zu machen.

Das ist auch eines der Dinge, die ich mitgenommen habe: Versuchen, aus jedem Tag das Beste zu machen. Das ist mir in den USA nicht immer leicht gefallen, manchmal hat es mich emotional an meine Grenzen gebracht. Aber dieser Satz hat mir immer geholfen: "What doesn't kill you, makes you stronger".

Nach zehn Monaten bin ich unglaublich stolz in den Flieger gestiegen und konnte sagen: Ich hab's geschafft! Jetzt habe ich zwei Zuhause. Ich komme aus Deutschland, aber gleichzeitig wird ein Teil von mir immer in Amerika sein. Denn da gehöre ich auch hin.


Elisabeth Schröter hat auch eine Facebook-Seite und freut sich über Nachrichten.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. optional
mulhollanddriver 17.07.2012
Mir sind die USA und ihre Politik so unsympathisch geworden, daß ich seit vielen Jahren icht mehr dort war. Als Unart empfinde ich es, wenn Leute Amerika mit den USA gleichsetzen. Nördlich und südlich der USA gibt es noch mehr Amerika.
2.
jObserver 17.07.2012
Zitat von mulhollanddriverAls Unart empfinde ich es, wenn Leute Amerika mit den USA gleichsetzen. Nördlich und südlich der USA gibt es noch mehr Amerika.
Bitte denken Sie wenigstens zweimal. Wer von den USA wieder nach Europa fliegt, für den waren "die letzten Tage in den USA" zugleich "die letzten Tage in Amerika". Es stimmt also alles.
3.
s.spiegel 17.07.2012
Zitat von mulhollanddriverMir sind die USA und ihre Politik so unsympathisch geworden, daß ich seit vielen Jahren icht mehr dort war. Als Unart empfinde ich es, wenn Leute Amerika mit den USA gleichsetzen. Nördlich und südlich der USA gibt es noch mehr Amerika.
Kann mich dem nur anschließen, kann zwar nur von Kalifornien sprechen, was in den USA immer eine Sonderrolle bei Toleranz und Aufklärung hatte. Aber selten so viele freundliche offene Menschen auf einem Fleck gesehen. Man schließt sehr schnell oberflächliche Freundschaften und versteht sofort viele Debatten die dort geführt werden und uns in Europa absurd vorkommen. Der Unternehmergeist, so etwas haben wir hier nicht, ist bei dort bei jedem Bürger ausgeprägt. Auch den Waffen-tick kann man nur verstehen indem man die Einstellung vom Bürger zum Staat versteht. Der Staat hat sich in einer moderierenden Rolle zu verstehen, nicht in einer Bestimmenden. Nunja, aber es ist auch richtig, dass dort 7 spurige Autobahnen, bei denen die linke Spur ausschließlich für Autos ab 2 Personen gilt, alle anderen mit SUVs verstopft sind. Ganz normale Menschen haben in der Regel zwei Jobs, und sehr sehr viele Leben weit über ihren Verhältnissen. TV Spots (politisch oder kommerziell), sind oft nahe an der grenze zur Verleumdung, suggerieren dir jede Krankheit, die du dann in den Supermarkt-ähnlichen Apotheken kurieren kannst. Ein tolles Land voller Gegensätze, und ein muss für jeden Europäer, dort gewesen zu sein.
4. Americano = Yankee
LeToubib 17.07.2012
Zitat von mulhollanddriver[...] Als Unart empfinde ich es, wenn Leute Amerika mit den USA gleichsetzen. Nördlich und südlich der USA gibt es noch mehr Amerika.
Dumm nur, dass auch fuer die Lateinamerikaner "America" das Synonym fuer die U.S.A. ist und das Wort "Americano" unserem "Yankee" entspricht ...
5. Usa
mauimeyer 17.07.2012
Zitat von mulhollanddriverMir sind die USA und ihre Politik so unsympathisch geworden, daß ich seit vielen Jahren icht mehr dort war. Als Unart empfinde ich es, wenn Leute Amerika mit den USA gleichsetzen. Nördlich und südlich der USA gibt es noch mehr Amerika.
Man kann ja an den USA vieles kritisieren. Aber das ist doch eine schöne Geschichte. Besser als Koma-Saufen hier zu Lande! Gibt es in den USA bei den großen Spielen (Base-Ball, Football..) solche Gewaltexsesse, wie in unseren Stadien? Die USA sind anders - was soll dieses ewige USA-bashing?
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