Schülerband in Shanghai: "Schnupperkurs im Berühmtsein"

So schmeckt also Ruhm: Als Bassist Marcel Heym mit seiner Band Casting Louis in China auf der Bühne steht, fühlt er sich überglücklich und wie ein Star. Da hat er allerdings schon einen Knochenjob hinter sich - denn vor dem Auftritt war alles etwas chaotisch.

Schülerband in China: Einmal Star und zurück Fotos
Casting Louis

In Cina ist alles ein wenig lockerer. Wir waren von Auftritten auf Festivals gewohnt: Zeitpläne sind keine Empfehlung. Wenn 12 Uhr angesetzt ist, spielt man auch um 12 - zumindest in Deutschland.

Auf der Musikmesse in Shanghai, auf der wir zum Abschluss unserer einwöchigen Reise dreimal auftraten, war das ein wenig anders. Wir hatten zwei Gitarren mit, aber keine Gitarrenverstärker, kein Schlagzeug, kein Klavier. Woher sollten wir das Equipment bekommen? Erst waren wir deswegen etwas nervös. Aber zum Glück haben uns die Messe-Mitarbeiter sehr freundlich geholfen.

Einen Bass bekam ich spontan an einem der Stände geliehen, das war ein Ausstellungsstück. Es war eine gute Erfahrung, in der Hektik unser Equipment zusammensuchen zu müssen - und dann trotzdem noch einen guten Auftritt hinzulegen.

Zum Glück waren die Menschen auf der Messe freundlich und hilfsbereit - wenn sie verstanden, was genau wir wollten. Denn darin lag das größte Problem. Als ich das E-Piano an einem der Stände abholen wollte, dachten die Mitarbeiter, ich wollte es kaufen. Schließlich konnte ich ihnen mit Händen und Füßen erklären, dass ich es nur für einen Auftritt leihen möchte.

Sie dachten wohl, wir seien eine richtige Größe

Beim Soundcheck überprüft man den Klang - vor und auch auf der Bühne. Die Musiker sollen schließlich hören, was sie von sich geben. Daher spielt man meist einen Titel an, um hinterher dem Monitormixer zu sagen, was lauter oder leiser gestellt werden soll. Wenn der Fachmann einen aber nicht versteht, wird es schwierig. Daher verlief der erste Auftritt auch nicht ganz optimal. Denn das Schlagzeug war so laut, dass man kaum ein anderes Instrument mehr verstand - aber wir konnten es ihm einfach nicht übel nehmen. Spaß hat es trotzdem gemacht.

Viele Messebesucher blieben stehen und hörten uns zu. Sie waren recht schüchtern und sangen oder pfiffen nicht so aktiv mit. Aber in ihren Gesichtern konnte man sehen, dass es sie interessierte. Und die chinesischen Sätze, die Sänger Patrick mit dem Hotelpagen einstudiert hatte, kamen total gut an.

Nach den Auftritten verbrachten wir eine halbe bis Dreiviertelstunde damit, Fotos mit Grüppchen aus dem Publikum zu machen und Autogramme zu geben. Der Unterschied zwischen dem deutschen und dem chinesischen Publikum war krass. In Deutschland sind wir noch nicht sehr bekannt, aber in China dachten viele wohl, wir seien eine richtige Größe, weil wir von so weit her gekommen sind, um in Shanghai aufzutreten. Das war ein Schnupperkurs im Berühmtsein.

Die Bühne stand im Freien, und während unseres zweiten Auftritts ging die Sonne unter. Von der Bühne blickte man auf die Skyline von Shanghai, die Sonne strahlte die Hochhäuser an, und ich habe die Augen zugemacht und gespielt, das war ein erhabenes Gefühl. Eine unglaubliche Woche! Wir sind sehr dankbar, dass wir das erleben durften.


Als die Jungs von Casting Louis im März erfuhren , dass sie die beste Schülerband Deutschlands im Schooljam-Wettbewerb geworden waren, waren sie zuerst zu erschrocken, um zu jubeln. Der Wettbewerb, den der Schulspiegel auf SPIEGEL ONLINE mitveranstaltet, fand dieses Jahr zum zehnten Mal statt, und wie immer gehörten zum Sieg auch Auftritte beim Southside- und Hurricane-Festival und Konzertreisen ins Ausland. Im Januar geht's für Casting Louis nach Los Angeles.

Die Gruppe gibt es erst seit Juni 2011. Der Bandname entstand, als Patrick, sein Bruder Marcel und Schlagzeuger Simon einen Gitarristen casteten. "Wir haben uns gesagt: 'Es kann doch nicht so schwer sein, irgendeinen Louis für uns zu finden'", erzählt Patrick. Heute sind Casting Louis zu viert, der Gitarrist heißt Timo. Die Band kommt aus Achim bei Bremen.

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