Deutsche Rektorin in Laos: Frau Engels strenges Schulregiment

Mal strenge Furie, mal gute Seele: Gerlinde Engel, 75, hat eine Schule in Laos gegründet. Auf Kaffeekränzchen in Bayern hatte die Pensionärin keine Lust. Lieber lässt sie laotische Kinder in Reih und Glied Zähneputzen. Manche heulen anfangs aus Angst vor der deutschen Rektorin.

Gerlinde Engel mit ihren Schülern: Zähneputzen und Frühsport gehören zum täglichen Ritual Zur Großansicht
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Gerlinde Engel mit ihren Schülern: Zähneputzen und Frühsport gehören zum täglichen Ritual

Der Kragen hängt schief, das Hemd aus der Hose - so geht es auch bei einem Fünfjährigen nicht, wenn Gerlinde Engel auf ihrem Schulhof in Laos die Runde macht. "Steck das mal ordentlich rein", sagt sie dem Jungen. Sie lächelt dabei und streicht ihm freundlich über den Kopf, doch der Kleine weiß sofort, wo's langgeht. Gerlinde Engel duldet keine Schlampereien. "Pünktlichkeit, Sauberkeit, Disziplin" ist ihr Credo. "Wenn die Kinder sich einmal dran gewöhnt haben, lieben sie unsere Schule", sagt die 75-Jährige.

Die resolute Unternehmerin hat in dem bitterarmen Land in Südostasien fast im Alleingang eine Grund- und eine Mittelschule für mehr als tausend Kinder aufgebaut. Die finanzielle Rückendeckung kommt zwar aus der Stiftung "Engel für Kinder", die Verwandte zu Hause in Bayern leiten. Doch vor Ort im Dorf Sikeud in der Nähe der Hauptstadt Vientiane hat Gerlinde Engel das Zepter in der Hand. Sie lebt dort mindestens sechs Monate im Jahr.

Engel hat ihr Leben lang in der Textilindustrie gearbeitet und zuletzt Fabriken in China und Laos aufgebaut. Als sie die Bretterbude mit Wellblech sah, die in Sikeud als Schule diente, war sie entsetzt. Die Kinder zwängten sich zu mehreren auf viel zu enge Bänke und mussten Schirme aufspannen, weil es reinregnete. "Jedes Kind, egal wo auf der Welt, hat Anrecht auf vernünftige Ausbildung", meint sie und krempelte die Ärmel hoch. 2005 baute die Stiftung für die staatliche Schule ein neues Gebäude, mit Schulhof und Sportplatz, und schaffte Möbel und Schulbücher an. Engel nähte für die ersten Schüler sämtliche Schuluniformen und Taschen.

Der Unterricht läuft nach laotischem Lehrplan. Die Stiftung zahlt den Lehrern zum Gehalt noch einen Bonus, weil sie nach dem Unterricht Sport- und Bastelstunden anbieten. Die Schule gehört bei den Abschlussprüfungen zu den vier besten des Landes.

"Die Kleinen brüllen ja teils vor Angst, wenn sie mich sehen"

Engel führt ein strenges Regiment. Jeden Morgen um 8 Uhr steht sie am Schultor und schaut über den Brillenrand missbilligend auf die Uhr und die Nachzügler. Dann inspiziert sie die Fünf- bis Elfjährigen. Es folgt das Zähneputzen. Die Kleinen stehen in Reih und Glied auf dem Rasen. Mit Trillerpfeife bläst eine Lehrerin zum Start: "Ordentlich schrubben, oben und unten, innen auch!" ruft sie ins Megafon. Beim nächsten Pfiff spucken die Kinder den Schaum aus und spülen nach. Sodann folgt Frühsport. "Schauen Sie das Wamperl an!" sagt Engel und zeigt auf einen pausbäckigen Schüler. "Das ist doch ungesund!"

Lehrer und Schüler halten auch das blitzblanke Schulgelände sauber. "Wer es von klein auf lernt, lernt es fürs Leben", sagt Engel, die selbst in bescheidenen Räumen auf dem Schulgelände wohnt. Und sie packt selbst mit an. "Wer schaut, dass die Pulte und Stühle in Ordnung sind? Dass die Kinder Bälle und Hula-Hoop-Reifen haben? Dass die Toiletten ordentlich geputzt sind? Ich bin ja hier der Oberputzer von Dienst", sagt Engel und lacht. Sie lacht gern und viel. "Aber ich bin auch als Furie bekannt", sagt sie, vor allem, wenn es um Sauberkeit oder Korruptionsversuche gehe.

Engel hätte nach ihrem Ruhestand 2006 zurück nach Bayern gehen können. Aber ein beschauliches Rentnerleben mit Kaffeekränzchen sei nichts für sie. "Hier wird man mehr gebraucht." Auch von Herzinfarkt und Tumor ließ sie sich nicht unterkriegen. "Man muss Ziele haben. Dann schafft man alles", sagt sie.

Für manches Kind ist der Anfang in der neuen Schule schwer. "Die Kleinen brüllen ja teils vor Angst, wenn sie mich sehen", sagt Engel schmunzelnd. "Das Fremde, die weiße Haut - die glauben glatt, ich sei ein Geist." Erst nach ein paar Wochen tauten sie auf. Engel kann damit leben. Der gute, strenge Geist der Schule in Sikeud.

Von Christiane Oelrich/dpa/son

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Dem Kommentar von Aase liesse sich nur noch hinzufügen
schandmaul1000 18.11.2012
das Kinder die die Lehrer bespucken und treten und von Zahnpflege keine Ahnung haben den besseren Start ins Leben haben.
2.
Blaue Fee 18.11.2012
Zitat von sysopFrau Engel (der Name ist wohl nicht Programm): " "Die Kleinen brüllen ja teils vor Angst, wenn sie mich sehen", sagt Engel schmunzelnd. ..."
Wohl den Text nicht richtig gelesen? Die Kinder haben vor dem "weissen Teufel" Angst. Das ist auch einer Freundin passiert als sie ihr ein Kleinkind in die Hand drückten, das noch nie einen Westener zu Gesicht bekommen hatte. Der Kleine schrie, weil er noch nie jemanden mit roten Locken, blasser Haut und blauen Augen gesehen hatte. Wir Europäer sind oft schon durch unsere Physis furchteinflössend. Ansonsten macht die Frau das ganz normale asiatische Schulprogramm. Chinesische oder japanische Lehrer führen genauso ihren Morgenappell in Reih und Glied und Körperpflege durch. Für uns unverständlich, aber dort nichts besonderes. Und wenn sie die Vierbesten im Land sind, dann wird wohl auch sehr viel Wissen vermittelt. Nicht immer gleich alles verteufeln, nur weil es uns fremd erscheint.
3. Werte-Embargo
contrabiss 18.11.2012
Der Export deutscher Sekundär-Tugenden muß verboten werden. Wie Waffenexporte bringen sie der Welt nur Unheil. Erhöret die Schreie der Kinder!
4.
bkambeck 18.11.2012
Zum Glück ist Frau Engel keine deutsche Pädagogin, sondern baut etwas auf! Die billige Kritik an ihrem Einsatz entspringt dem Denken von Leuten, die absolut nichts verstehen. Sie verstehen weder Asien noch etwas Schule!
5. Weiter so!
mv1973 18.11.2012
Da tut jemand etwas Gutes und alles was man als Kommentar dazu bekommt, ist kleinkarierte Abneigung. Frau Engel, machen Sie weiter so! Sie sind auf dem richtigen Weg.
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