Schulen in Libyen: Kinder, Gaddafi war doch kein Held

Für Kinder in Libyen fängt in diesen Tagen die Schule wieder an. Und dort läuft nun einiges anders: Der gestürzte Diktator Gaddafi soll nicht länger als Held verehrt werden. Ein Komitee überarbeitet deswegen die Lehrpläne.

Schulstart in Libyen: Weg mit Gaddafi Fotos
REUTERS

Nach Monaten der Kämpfe und Gewalt beginnt an Schulen in Libyen wieder der Unterricht. Viele Lehrer und ältere Schüler hatten als Freiwillige am Aufstand teilgenommen. Nun sind die Anhänger des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi fast besiegt - und die neuen Machthaber stehen vor einem Problem: Sie müssen ein Bildungssystem reformieren, das jahrzehntelang von den Ideen und Theorien des exzentrischen Diktators dominiert wurde. So mussten Schüler bisher das "Grüne Buch" lesen, in dem Gaddafi seine Gedanken über Politik, Wirtschaft und den Alltag festgehalten hat. Und an den Schulwänden hingen Porträts des "geliebten Bruders".

Damit soll es nun vorbei sein. Die Truppen des libyschen Übergangsrats haben fast das ganze Land eingenommen. Gekämpft wird nur noch um einige letzte Hochburgen der Gaddafi-Getreuen, zum Beispiel um die Stadt Sirt.

Der Übergangsrat hat ein Komitee einberufen, das die Lehren Gaddafis aus dem Lehrplan streichen soll. "Viele Dinge ändern sich dieses Jahr", sagte die Schulleiterin Fausia Buseriba. So bekämen beispielsweise viele Schulen einen neuen Namen und auch das "Grüne Buch" solle nicht länger im Unterricht durchgenommen werden.

Geschichtsstunden komplett gestrichen

Es werde dauern, bis alternatives Unterrichtsmaterial ausgearbeitet sei, sagte ein Vertreter des Übergangsrats. Besonders reformbedürftig: das Fach Geschichte. Gaddafi habe sichergestellt, dass er den Schülern darin als großer Held des Landes vermittelt wurde. Manche Geschichtsstunden sollen deshalb ersatzlos gestrichen und anderen Fächern wie Mathematik mehr Zeit eingeräumt werden.

Libysche Lehrer und Schüler müssen auch noch andere Probleme bewältigen: Manche Schulen wurden bei den Kämpfen stark beschädigt oder zu Gefängnissen oder Krankenhäusern umfunktioniert. Außerdem fürchten viele Eltern einen neuen Ausbruch der Gewalt und behalten ihre Kinder noch zu Hause. "Wir beginnen noch kein neues Schuljahr, sondern wir bringen zuerst das zweite Semester des letzten Jahres zu Ende", sagte Schulleiterin Buseriba.

son/Reuters

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insgesamt 21 Beiträge
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1. Richtig so!
kundennummer 05.10.2011
Zitat von sysopFür Kinder in Libyen fängt in diesen Tagen die Schule wieder an. Und dort läuft nun einiges anders: Der gestürzte Diktator Gaddafi soll nicht länger als Held verehrt werden. Ein Komitee überarbeitet deswegen die Lehrpläne. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,790156,00.html
In der Re-Education werden die kleinen Racker dann endlich lernen daß es viiiiiel "cooler" ist unter einem islamistischen Al-Quaida-Regime zu leben. Auch war so selbstverherrlichender Blödsinn wie der Great Manmade River total blöd, für Wucherpreise Wasser kaufen müssen beim französischen Wasserkonzern - das hat Gesicht! Die freie Heilfürsorge - der einzige Staat Afrikas der das hinbekommen hat - das ist auch alles pfuibah! Ab sofort wird geblecht und wer nicht genug Ca$h oder Kohl€ hat kann sich in die Wüste zum trocknen legen. Jaaa das ist schon gut so das der "wirre Diktator" der "Machthaber" der sein Volk so dreckig behandelt hat das die NATO und ihre kriminellen Söldnertrupps schon seit dem Frühjahr immer gang ganz kurz vorm Endsieg stehen weil komischerweise die Orte nicht so recht "befreit" werden wollen irgendwie weg ist. Sagt zumindest der NATO-Pressesprecher. Der meldet auch gern mal das Gaddafisöhne tot wären oder der Sprecher in Frauenkleidern erwischt - bis er dann am nächsten Tag in der freien Weltpresse zu Wort kommt. Vollkommen unverständlich warum die Libyer nicht auch so eine segensreiche Entwicklung wie das große Vorbild Irak geniessen wollen. Gibts schon nenn McDoug in Tripolis? Wann kriegen wir endlich "unser" Öl?
2. Ja ja.
anoubi 05.10.2011
Zitat von kundennummerIn der Re-Education werden die kleinen Racker dann endlich lernen daß es viiiiiel "cooler" ist unter einem islamistischen Al-Quaida-Regime zu leben.
Hat meinen Eltern auch nicht gefallen, dass ich "Krach" - Rock'n'Roll hörte, und Albert Camus gefiel meiner Mutter, Jean-Paul Sartre meinem Vater nicht. Und was die Lehrer über "Urwaldmusik" und "Amigeheul" sagten, naja. Und dass nun hier einige alte Leute der Tatsache hinterherweinen, dass wieder eins ihrer geliebten sozialistischen Paradiese weg ist, naja.
3. ....
ilytch 05.10.2011
Zitat von anoubiHat meinen Eltern auch nicht gefallen, dass ich "Krach" - Rock'n'Roll hörte, und Albert Camus gefiel meiner Mutter, Jean-Paul Sartre meinem Vater nicht. Und was die Lehrer über "Urwaldmusik" und "Amigeheul" sagten, naja. Und dass nun hier einige alte Leute der Tatsache hinterherweinen, dass wieder eins ihrer geliebten sozialistischen Paradiese weg ist, naja.
Wer sagt den das Libyen ein "sozialistisches Paradies" war?? Auf der anderen Seite akzeptiere ich aber auch nicht die überzogenen Lügengebilde über Libyen. Die eine Seite ist genauso schlimm wie die andere. Im übrigen ist gerade das Fach Geschichte eines, indem man immer die Sicht des Souveräns über dieselbe vermittelt bekommt. das das grüne Buch für Kinder am Ende genauso langweilig war wie hier das Grundgesetz ist sicherlich kein Geheimniss. Allerdings würde ich in diesem Forum mal so manchen empfehlen aus informativen Gründen das grüne Buch durchzublättern. Dürften die wenigsten getan haben, reden aber trotzdem mit.
4. Titel
Sleeper_in_Metropolis 05.10.2011
Zitat von kundennummerIn der Re-Education werden die kleinen Racker dann endlich lernen daß es viiiiiel "cooler" ist unter einem islamistischen Al-Quaida-Regime zu leben.
Blödsinn. Die Befürchtung scheint sich gerade in Libyen nicht zu bestätigen. Der Übergangsrat macht einen sehr zivilisierten Eindruck, und die Kämpfer der Rebellen bestehen auch nicht nur aus vollbärtigen Turbanträgern, wie man auf div. Fotos sehen kann. Liegt vermutlich auch daran, das Libyen selbst unter Gadaffi eben um Welten westlicher und zivilisierter war, als es z.B. Afghanistan wohl leider je sein wird.
5. ...
ilytch 05.10.2011
Zitat von Sleeper_in_MetropolisBlödsinn. Die Befürchtung scheint sich gerade in Libyen nicht zu bestätigen. Der Übergangsrat macht einen sehr zivilisierten Eindruck, und die Kämpfer der Rebellen bestehen auch nicht nur aus vollbärtigen Turbanträgern, wie man auf div. Fotos sehen kann. Liegt vermutlich auch daran, das Libyen selbst unter Gadaffi eben um Welten westlicher und zivilisierter war, als es z.B. Afghanistan wohl leider je sein wird.
Einen "zivilisierten Eindruck" machen die Saudis auch. Trotzdem werden da Hände abgehackt und Augen geblendet, etc....Zivilisiert" heisst eben nicht das die Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen ebenfalls "zivilisiert" sein müssen. Auch macht weder Bart noch Turban einem zum Islamisten. Ändert nichts daran das der NTC von Seiten islamistischer Gruppen gewötig unter Druck steht. Unter diesen ist er alles andere als beliebt. Ebenso im Volk. In Libyen kann man momentan beobachten wie das Gerangel um die Macht vor sich geht. Ganz "zivilisiert".
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