Es kommt sicher nicht alle Tage vor, dass sich Herr Li gegenüber der chinesischen Staatspresse rechtfertigen muss. Einen dieser Einsätze hatte der Polizeisprecher aus der Stadt Kunming im Südwesten Chinas jetzt, nachdem die Polizei gemeinsam mit der Schulbehörde ein Rundschreiben zur "Vorsorge und Bekämpfung von Gewalt auf Schulhöfen" verschickt hatte.
Demnach sollen Grund- und Mittelschulen pro Klasse zwei oder drei "kleine Sicherheitsinformanten" bestimmen, die regelmäßig über ihre Kameraden Bericht erstatten, wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet. Neben Prügeleien und Erpressungen sollen diese Schüler auch die Verbreitung von Pornos melden. Auffällig gewordenen Schülern drohen laut Polizei zehn bis 15 Tage in der Besserungsanstalt.
"Dass die Schüler Undercoveragenten sind, stimmt nicht", rechtfertigte sich Polizeisprecher Li in den "Beijing News". "So etwas haben wir nie behauptet. Undercoveragenten sind Polizisten, die verdeckt arbeiten, um Verbrechen aufzudecken, und damit etwas vollkommen anderes als die kleinen Sicherheitsbeauftragten."
Bei Enttarnung droht Ärger
Es geht um Schüler zwischen sieben und 17 Jahren. Polizei und Behörden in Kunming wollen etwas tun gegen Gewalt auf Schulhöfen, nachdem vor einigen Wochen elf Schüler ein Mädchen zusammengeschlagen und ein Video davon unter den Mitschülern verbreitet hatten. Als Reaktion wurde unter anderem der Schulleiter entlassen. Laut Polizei sollen drei von fünf Gewaltfällen, die in der örtlichen Polizeistation gemeldet werden, mit Schülern zu tun haben.
Unter den Schülern stößt die Idee der Polizei auf wenig Begeisterung. "Ich gehe zur Schule, um zu lernen. Ich habe kein Interesse an solchen Sachen", sagte ein Zwölfjähriger der "China Daily". Seine Mutter ist ernsthaft besorgt: "Ich will, dass er sich voll und ganz auf die Schule konzentriert und seine Zeit nicht damit vergeudet, Klassenkameraden nachzuspionieren."
Selbst in Teilen der chinesischen Presse sorgt der geplante Einsatz der "kleinen Sicherheitsinformanten" für Empörung. So bezweifelte die Zeitung "Beijing News" die Legalität der Maßnahme: "Wenn Schüler Gewalt oder Kriminalität beobachten, sollten sie die Polizei informieren. Das heißt aber nicht, dass so ein Report auf einer regelmäßigen Basis stattfinden darf."
Skeptisch äußerte sich auch der Anwalt Ma Loading: "Sollten die Informanten von anderen Schülern enttarnt werden, werden sie nicht nur isoliert, es steht auch ihre Sicherheit auf dem Spiel", warnte er in der chinesischen Staatszeitung "Legal Daily". Und Professor Yang von der örtlichen Yunnan Normal University kommentierte: "Es ist schwer vorzustellen, dass ein unreifes Kind gesund aufwachsen kann, wenn es negative Informationen über seine Kameraden sammelt. Das ruft Misstrauen bei den Mitschülern hervor und schadet damit den Schülern, die als Informanten arbeiten."
fle
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