Anklage in den USA: Mogel-Bande hilft Lehrern beim Schummeln

Eine Bande half in den USA jahrelang angehenden Lehrern, sich durch Prüfungen zu mogeln. Dafür heuerte sie ausgebildete Lehrer an, die sich unter falschem Namen testen ließen. Die Machenschaften sind aufgeflogen, als ein falscher Prüfling zweimal antrat. Morgens als Mann, nachmittags als Frau.

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Lernen oder Schummeln? In den USA entschieden sich zahlreiche Lehrer für letzteres

Schummelnde Schüler kennt jeder. Sie falten, rollen und kleben ihre Spickzettel, verstecken sie in Uhren, Brillen, Flaschen. Ganze Ausstellungen widmen sich diesem Phänomen. Über schummelnde Lehrer ist bislang allerdings eher wenig bekannt. In den USA jedoch gibt es genau darum jetzt Aufregung: Hier ist eine Bande aufgeflogen, die Lehrern und angehenden Lehrern beim Mogeln geholfen haben soll. Das Büro des United States Attorney, die Generalstaatsanwaltschaft, hat nun Anklage erhoben, berichtet die "New York Times".

Etwa ein Dutzend Personen sollen sich demnach zu einem Schummelring zusammengeschlossen haben, darunter der 58-jährige Clarence M., selbst ehemaliger stellvertretender Schulleiter, sowie sein Sohn. 15 Jahre lang soll Clarence M. in drei verschiedenen Bundesstaaten verzweifelten Prüflingen seine Dienste angeboten haben. Die Tests müssen angehende Lehrer bestehen, um eine Lehrerlaubnis zu bekommen, es nehmen aber auch Lehrer daran teil, die bereits unterrichten und sich weiter qualifizieren wollen.

Sie gaben ihm dem Bericht zufolge Geld, zwischen 1500 und 3000 Dollar (etwa zwischen 1160 und 2320 Euro). Er beschaffte gefälschte Papiere und schleuste damit Lehrer in die Prüfungen, die sie dann unter falschem Namen absolvierten - so der Vorwurf. Die Lehrer machten mit, weil Clarence M. sie angefleht haben soll: Die echten Prüflinge bräuchten Hilfe, ihre Jobs seien in Gefahr.

Die Behörden befürchten, dass Hunderte, wenn nicht Tausende Schüler betroffen sein könnten, berichtet die "Huffington Post". Sie alle wurden von Lehrern unterrichtet, die ihre Schulkarriere mit einer Mogelei begonnen haben.

"Das sind ziemliche Grundlagen-Prüfungen"

Bereits im Juni 2009 fiel der ETS der Betrug auf, das gemeinnützige Unternehmen bietet standardisierte Prüfungen an. Ein Lehrer war an der Arkansas State University morgens zu einem Test unter männlichem Namen angetreten - und am Nachmittag unter weiblichem Namen. Das Unternehmen untersuchte den Vorfall und wendete sich Ende des Jahres an die Behörden.

Nina Monfredo, 23, hat die Lehrertests unter anderem in Geschichte und Geografie absolviert und bestanden. Das sei relativ leicht gewesen, sagte sie der "Huffington Post". Jemanden engagieren? Für sie völlig abwegig: "Ich denke, es ist leichter, einfach zu lernen, was gefragt wird."

Ähnlich sieht es Sarah Almy, sie arbeitet bei der Organisation "Education Trust", die sich für gerechte Bildung für alle Studenten einsetzt. "Das sind ziemliche Grundlagen-Prüfungen", sagt sie. Beunruhigend sei dieser Skandal hauptsächlich für die Kinder, die von diesen Lehrern unterrichtet werden.

fln

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