Spicken mit Smartphone: US-Schule hadert mit App-Schreibern

Eine bekannte New Yorker Schule hat offenbar große Probleme mit Abschreibern. Der Direktor der Stuyvesant High School erwischte 70 Schüler beim Spicken mit ihren Handys, berichtet das "Wall Street Journal". Die Schüler beklagen, im harten Konkurrenzkampf gehe es einfach nicht anders.

Stuyvesant High School, Manhattan: Wer hier lernen will, muss sich reinhängen Zur Großansicht
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Stuyvesant High School, Manhattan: Wer hier lernen will, muss sich reinhängen

70 Schüler einer renommierten New Yorker Highschool sind beim Schummeln erwischt worden, sie nutzten dafür ihre Smartphones. Ein 16-jähriger Schüler habe seine Antworten fotografiert und die Bilder an die anderen geschickt, berichtete das Schulbehörde der Stadt New York am Montag.

Der Schwindel flog auf, als der Direktor der Stuyvesant High School während einer zentralen Sprachprüfung am 18. Juni einem der Schüler das Handy wegnahm, schreibt unter anderem das "Wall Street Journal". Ein weiterer Schüler habe mit seinen Sitznachbarn Spickzettel getauscht. Insgesamt sechs Jugendliche könnten von der Schule fliegen. Alle Abschreiber müssen die Prüfungen wiederholen, von denen einige für den Schulabschluss zählen.

Es geht um mehrere zentrale Tests, die Schüler im Bundesstaat New York regelmäßig schreiben müssen, die sogenannten Regents Examinations. Gespickt wurde in den Fächern Englisch, US-Geschichte und Physik. Dabei galten die Tests nicht einmal als besonders schwierig. "Schummeln gibt es schon wer weiß wie lange", sagte der Leiter der New Yorker Schulbehörde, Dennis Walcott, dem Radiosender "WOR". Doch die Schüler suchten nach immer neuen Wegen und machten sich neue Technologien zunutze. "Das ist nicht akzeptabel."

"Wir verdienen Aufgaben, die uns zum kritischen Denken anregen"

Die Stuyvesant High School in Manhattan gilt als eine der renommiertesten öffentlichen Schulen in New York City, schreibt die "New York Times". Die Schüler bezahlen kein Schulgeld, müssen aber eine harte Aufnahmeprüfung bestehen. Die technisch und naturwissenschaftlich orientierte "Stuy" wirbt mit vier Nobelpreisträgern unter ihren Absolventen. Schüler klagen jedoch darüber, dass der Leistungsdruck das Abschreiben geradezu provoziere. "Ich spicke nicht", zitierte die "Times" einen 15-Jährigen. "Deswegen leiden meine Noten."

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Schöner Spicken: Die Galerie der Trickser
Vor zwei Jahren hatte die Schülerzeitung "The Spectator" in einem selbstkritischen Artikel beschrieben, dass Abschreiben im Schulalltag ständig vorkomme: "Akademische Unehrlichkeit ist in der Kultur der Stuyvesant High School fest verankert." Zahlen und Statistiken seien wichtiger als Wissen und Bildung. Die Schüler würden mit stupider Arbeit zugeschüttet und selten dafür verantwortlich gemacht, wenn sie abschreiben. "Wir verdienen Aufgaben, die uns zum kritischen und analytischen Denken anregen und nicht nur unsere mentale Ausdauer testen und unsere Fähigkeit, Fakten wiederzugeben", schrieb die Redaktion.

In einem fiktiven Beitrag im März machten sich die Schüler allerdings auch über das Abschreiben lustig: 110 Prozent der knapp 3300 Schüler würden regelmäßig abschreiben. Ein Schüler habe sich sogar 225 Spickzettel auf den Körper tätowiert.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. ich frage mich, auf welchem Planeten
amnesiac 10.07.2012
Planeten der Autor dieses Artikels lebt. Das Thema Abschreiben ist virulent seit es Mobiltelefone gibt. Jede deutsche Prüfungsbehörde, die ihre Aufgaben ernst nimmt, verbietet das Mitführen von Handys im Prüfungslokal. Wer dagegen verstößt riskiert eine "Fünf", die grundsätzlich auf die Anzahl der höchstzulässigen Wiederholungsprüfungen anzurechnen ist. So auch die ständige Rechtsprechung der deutschen Verwaltungsgerichte. Viele Grüße in das Sommerloch...
2. Meine Welt bricht zusammen
vertige 10.07.2012
Was?! Bei US-Geschichte schummeln!? Diese unpatriotischen Taugenichts ... Ansonsten habe ich einige Male gelesen und gehört, *dass in Amerika das Abschreiben generell sehr problematisch ist, weil amerikanische Schüler gerne petzen. Hat dieser Trend mit neuen technischen Möglichkeiten zu tun oder vielleicht sogar mit Gesinnungswandel?* Ein mal hat man mich beim Abschreiben erwischt. In meisten Fällen haben die Lehrer aber weggeschaut - die waren einfach zu cool.
3.
ron_ben_david 10.07.2012
Zitat von amnesiacPlaneten der Autor dieses Artikels lebt. Das Thema Abschreiben ist virulent seit es Mobiltelefone gibt. Jede deutsche Prüfungsbehörde, die ihre Aufgaben ernst nimmt, verbietet das Mitführen von Handys im Prüfungslokal. Wer dagegen verstößt riskiert eine "Fünf", die grundsätzlich auf die Anzahl der höchstzulässigen Wiederholungsprüfungen anzurechnen ist. So auch die ständige Rechtsprechung der deutschen Verwaltungsgerichte. Viele Grüße in das Sommerloch...
Einen schönen guten Morgen! Falls sie es noch nicht bemerkt haben, es handelt sich um eine US-Amerikanische Schule, da können Sie so häufig mit der deutschen Gesetzgebung und den deutschen Regeln kommen wie Sie lustig sind. Warum man das Verbot von Mobiltelefonen allerdings dort nicht im Prüfungsraum durchsetzt, ist mir nicht bekannt. Ich kenne das US-Schulsystem nicht. Sie vielleicht? Erzählen Sie mal...
4. Verständlich
dumpfi 10.07.2012
"Zahlen und Statistiken sind wichtiger als Wissen und Bildung" Das ist die traurige Realität. Es zählen nur Noten und nichts anderes. Wissen und Bildung stehen im Hintergrund. Bin selber Doktorand. Habe viel mehr nach dem "eigentlichen" Studium gelernt, als ich mich endlich mal auf die eigentlichen Inhalte im Lehrbuch konzentrieren konnte, ohne immer die Note in der Abschlussprüfung im Hinterkopf zu haben.
5.
Oliver Gnutz 10.07.2012
Zitat von ron_ben_davidWarum man das Verbot von Mobiltelefonen allerdings dort nicht im Prüfungsraum durchsetzt, ist mir nicht bekannt. Ich kenne das US-Schulsystem nicht. Sie vielleicht? Erzählen Sie mal...
Schon komisch - während ich im morgendlichen Pendlerzug mir meine kleine, aber feine, Ruhezone vor den Handyspacken per Knopfdruck schaffe - sind US-Schulen nicht in der Lage Mobile-Jammer zu kaufen und einzuschalten ? In Japan ist das an Unis gang und gäbe...
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