Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

The Wunderkind: Cambridge ködert 14-jähriges Mathegenie

Die Briten sind baff: Schon mit fünf Jahren schaffte Arran Fernandez Prüfungen, an denen manche Teenager verzweifeln. Jetzt ist er 14, hat die Schule beinah hinter sich - und könnte einer der jüngsten Studenten aller Zeiten in Cambridge werden. Die edle Uni ist von Arrans Mathetalent überzeugt.

Fotostrecke

2  Bilder
Wunderschüler Arran: Auf der Überholspur nach Cambridge
Es war vor sechs Jahren, als Arran Fernandez Reportern seine Berufswünsche erläuterte: "Mathematiker, Lastwagenfahrer oder Weltraumforscher". Da war Arran acht Jahre alt - und hatte gerade als jüngster britischer Schüler die Mittelstufe abgeschlossen. Mit einer Eins Plus. Nun ist Arran 14, hat das britische Abitur fast in der Tasche und dürfte die Sache mit den Lastwagen mittlerweile aufgegeben haben.

Denn Arran erreichte in seiner Heimat Surrey jüngst ein Brief, der ihn, "The Wunderkind", zur Legende machen könnte: Die noble Universität von Cambridge hat dem Jungen einen Mathematik-Studienplatz an ihrem Fitzwilliam College angeboten. Voraussetzung: Arran muss die letzte noch ausstehende A-Level-Prüfung, die dem Abitur ähnlich ist, bestehen. Zwei Schulprüfungen in Mathe hat Arran bereits hinter sich, es fehlt noch Physik.

Die Aufnahmeprüfung der Universität hatte Arran bereits im Sommer bestanden. "Wir haben uns entschieden, Arran unter dieser Bedingung einen Studienplatz anzubieten, nachdem wir seine Bewerbung sehr genau geprüft haben, wie wir es bei allen Bewerbern machen: ohne den Werdegang zu beachten", sagte Professor David Cardwell, der Arran unterrichten würde. "Das College würde sich freuen, Arran zu helfen, sein beachtliches akademisches Potential zu entwickeln und zu verwirklichen."

Eine Ikone der Homeschooling-Freunde

"Mathe war schon immer mein Lieblingsfach", sagte Arran. Er machte 2001 erstmals Schlagzeilen, als er mit fünf Jahren eine Prüfung des sogenannten General Certificate of Secondary Education bestanden hatte, vergleichbar mit dem Realschulabschluss. Bald darauf war er damals mit seinem Vater Neil unter anderem bei Frank Elstners Fernsehshow "Menschen der Woche" zu Gast.

Nach Angaben von Neil Fernandez könnte Arran nun der jüngste Student von Cambridge seit William Pitt dem Jüngeren sein, der im Jahr 1773 mit 14 Jahren sein Studium begann - und später Premierminister von Großbritannien wurde. Ein Sprecher der Universität sagte der Zeitung "The Guardian" allerdings, er sei nicht sicher, ob Pitt's Rekord gebrochen würde. Schließlich wäre Arren 15, wenn er sein Studium im Oktober 2010 aufnehmen sollte. Zuletzt war 1998 ein Junge namens Alexander Faludy im selben Alter ins Cambridge-Studium gestartet.

Ob Rekord oder nicht: Für die Verfechter des Homeschooling, des Rechts von Eltern, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, ist Arran längst eine Art Ikone. Er besuchte nur kurz eine Schule - sein Vater, ein Doktor für Politische Ökonomie, der selbst mehrere Klassen übersprungen und frühzeitig seinen Abschluss gemacht hatte, ist seither sein einziger Lehrer. "Ich mag es, zu Hause unterrichtet zu werden, weil ich mich dort besser mit den Dingen befassen kann", meint Arran. Während in Deutschland Eltern per Gesetz verpflichtet sind, ihre Kinder in die Schule zu schicken, ist der Heimunterricht in England erlaubt.

Arrans Ziel: Ein uraltes Matherätsel lösen

"Eltern, nicht die Schule, sind die besten Lehrer für ihre Kinder", hatte Vater Neil Fernandez gesagt, nachdem sein Sprössling 2003 die Mittelstufe mit Bravour abgeschlossen hatte. Er glaube, "dass jedes Kind diese Leistung erbringen könnte, wenn es die richtige Unterstützung bekommt". Im herkömmlichen Unterricht seien die Schüler mit Gleichaltrigen zusammen, was sie in ihrer Entwicklung bremse.

Mit Aussagen wie diesen brachte er sich und seinem Junior jedoch allerhand Kritik ein: "The Guardian" führte damals Arran und seine Familie ausdrücklich als Negativbeispiel für überambitionierte Eltern an. Die Zeitung zitierte einen Psychiater, der überzeugt ist, dass "manche der so genannten Wunderkinder nichts anderes sind als das Produkt ihrer höchst ehrgeizigen Eltern". Wenn man einen Siebenjährigen in einem Fach so viel lernen lasse wie einen 19-Jährigen, dann könne es gut sein, dass das Kind in diesem Gebiet auch die Leistung eines 19-Jährigen erbringe.

Arran gibt sich derweil vorfreudig: "Es wäre schön, in Cambridge zu arbeiten", sagte er. Es gebe ein paar Dinge, die er bearbeiten wolle, "zum Beispiel würde ich gerne die Riemannsche Vermutung lösen". Die Hypothese des deutschen Mathematikers Bernhard Riemann (1826-1866) bezieht sich auf die Verteilung der Primzahlen - und beschäftigt seit über 150 Jahren die größten Mathematiker der Welt.

bim

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Riemannsche Vermutung
ArbeitsloserMathematiker 08.01.2010
*goil* soll er mal machen. Dann sehen wir Alten aber echt alt aus *ggg* Oder er knackt mal eben die abc-Vermutung. Viel Glück !!!
2. Mathegenie
pandora84 09.01.2010
Man kann schon mal eine Sache mit Sicherheit vorweg nehmen: Mit einem solchen Exemplar der Gattung Strickpullover ist der junge Mann bestens für das Mathematikstudium gewappnet
3. murray bozinsky
supercat 09.01.2010
Zitat von pandora84Man kann schon mal eine Sache mit Sicherheit vorweg nehmen: Mit einem solchen Exemplar der Gattung Strickpullover ist der junge Mann bestens für das Mathematikstudium gewappnet
Oh das stimmt, und seine Frisur steht im auch nicht Weg!!:-)
4. So so
abgemaiert 09.01.2010
Wir werden alle als Genies geboren und sterben als Idioten. Der Bub tut mir etwas Leid, denn in der Pubertät hat man gemeinhin andere Sorgen als die Verteilung von Primzahlen, z.B. wie es bei Mädchen unter dem Rock aussieht und wie man es anstellt, dies experimentell zu überprüfen. Des weiteren zeigt es, dass "Genie" ein relativer Begriff ist. Denn jedem, der sich etwas mit den Grundlagen der Mathematik beschäftigt, fällt sofort das dünne Eis auf, auf dem sich dieses stolze Gebäude befindet. Aber was lüg ich denn?
5. ...
Newspeak, 09.01.2010
""Eltern, nicht die Schule, sind die besten Lehrer für ihre Kinder", hatte Vater Neil Fernandez gesagt, nachdem sein Sprössling 2003 die Mittelstufe mit Bravour abgeschlossen hatte. Er glaube, "dass jedes Kind diese Leistung erbringen könnte, wenn es die richtige Unterstützung bekommt". Im herkömmlichen Unterricht seien die Schüler mit Gleichaltrigen zusammen, was sie in ihrer Entwicklung bremse." Wenn man mit Entwicklung "fachliche" Entwicklung meint, kann das schon sein, meint man jedoch "soziale" Entwicklung, dann sieht die Sache umgekehrt aus. Man sollte mal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt, wenn der Junge in die Pubertät kommt und anfängt, selbst zu denken. "Mit Aussagen wie diesen brachte er sich und seinem Junior jedoch allerhand Kritik ein: "The Guardian" führte damals Arran und seine Familie ausdrücklich als Negativbeispiel für überambitionierte Eltern an. Die Zeitung zitierte einen Psychiater, der überzeugt ist, dass "manche der so genannten Wunderkinder nichts anderes sind als das Produkt ihrer höchst ehrgeizigen Eltern". Wenn man einen Siebenjährigen in einem Fach so viel lernen lasse wie einen 19-Jährigen, dann könne es gut sein, dass das Kind in diesem Gebiet auch die Leistung eines 19-Jährigen erbringe." Ja, das denke ich auch. Interessant wäre außerdem, ob sich die Wunderkindfähigkeiten nur auf Mathematik beziehen und ob sie sich dort nur auf stupides Anwenden von Rechentechniken beschränken oder auf echter mathematischer Kreativität beruhen. "Arran gibt sich derweil vorfreudig: "Es wäre schön, in Cambridge zu arbeiten", sagte er. Es gebe ein paar Dinge, die er bearbeiten wolle, "zum Beispiel würde ich gerne die Riemannsche Vermutung lösen". " Hört sich für mich nach kindlichem Wunschdenken aus, weil der Junge gehört hat, daß Riemann der derzeitige Heilige Gral der Mathematik ist. Wie sagen die Engländer...the proof of the pudding is in the eating...wenn er Riemann beweist, werde ich ehrfürchtig schweigen, wenn nicht, dann ist es nicht nur ein "mathematisches Wunderkind", sondern zeigt damit vielmehr, daß er eigentlich nicht richtig einschätzen kann, was hinter mathematischen Problemen steckt. In diesem Fall bestünde die "Wunderkind"fähigkeit auf dem erfolgreichen aber stupiden Anwenden von Rechentechniken, wie sie in der Schule vermittelt werden. Wahre mathemathische Begabung muß sich durch mehr auszeichnen (z.B. der Erschaffung neuer Mathematik...hat der Junge sowas schon zu Wege gebracht? Wird einem leider nicht gesagt).
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Abitur-Überflieger: Die Besten der Besten

Corbis
Haben Sie das Zeug zum Superhirn? Ihnen gelingt Hirnakrobatik schon vor dem Frühstück, Zahlenmuster erkennen Sie spielend, auch Worträtsel können Sie nicht schrecken - und das ganz ohne Hirnschrittmacher? Prima, dann beweisen Sie es: im IQ-Trainingslager von SPIEGEL ONLINE. mehr...

Fotostrecke
US-Superknirps Moshe: College-Examen mit zehn

Fotostrecke
Minu und ihr Abi: "Ich bin nichts Besonderes"


Social Networks