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US-Jugendliche: Bushs Anti-Sex-Kampagne ist ein Milliardenflop

Um Amerikas Teenager zur Keuschheit zu erziehen, hat die Bush-Regierung über eine Milliarde Dollar ausgegeben. Völlig vergeblich, wie eine neue Studie nun belegt - die Jugendlichen ignorieren die prüde Propaganda und leben alles andere als enthaltsam.

Die Botschaft prangte auf Plakatwänden in den Innenstädten, sie lief als Endlosschleife im Fernsehen, Erzieher predigten sie in Schulen im Auftrag des Staates: Don't have sex! Dass Jugendliche bis zur Heirat keusch leben sollen, ist eines der zentralen Anliegen der Sozialpolitik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Mehr als eine Milliarde Euro ließ sich der Staat in den letzten sieben Jahren die Anti-Sex-Propaganda kosten - offiziell, um Geschlechtskrankheiten und Teenager-Schwangerschaften zu verhindern.

US-Präsident Bush: Mit Kampagne gegen Teenager-Sex gescheitert
AP

US-Präsident Bush: Mit Kampagne gegen Teenager-Sex gescheitert

Doch nun belegt eine neue Studie: Das Bush-Projekt ist dramatisch gescheitert. Wie eine Umfrage des Instituts Mathematica Policy Research im Auftrag des US-Kongresses ergab, lässt die milliardenschwere Kampagne Amerikas Teenager offensichtlich völlig kalt. Die Forscher aus Princeton sprachen mit 2000 16-Jährigen aus Florida, Wisconsin, Mississippi und Virginia über Sex. Sie teilten die Jugendlichen dabei in zwei Gruppen: Die einen wurden in der Schule zu sexueller Enthaltsamkeit erzogen, die anderen erhielten lediglich konventionellen Sexualkundeunterricht.

Heraus kam: Das Sexualverhalten ist bei allen gleich. In beiden Gruppen gaben jeweils 23 Prozent an, im vergangenen Jahr Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. 17 Prozent sagten, sie würden beim Sex nur selten ein Kondom benützen, 4 Prozent verwenden gar keins.

Besonders ernüchternd muss für die Keuschheits-Verfechter ein weiteres Detail der Mathematica-Studie sein. Demnach liegt das Durchschnittsalter, in dem die befragten Jugendlichen ihre Unschuld verloren, bei 14,9 Jahren – und das in beiden Gruppen.

Das Fazit der Forscher aus Princeton ist deshalb eindeutig: "Es ist nicht ersichtlich, dass die Abstinenz-Maßnahmen der vergangenen Jahre das Verhalten der amerikanischen Jugendlichen beeinflusst hätten", schreiben sie in ihrer Studie. Ihr Urteil ist Wasser auf die Mühlen all jener, die seit langem beklagen, die Bush-Regierung sei mit ihrem strikten Anti-Sex-Kurs auf einem Irrweg. Die Forderung vieler Sozialarbeiter und Jugendforscher ist deutlich: Klärt Teenager über Verhütung auf, anstatt sie mit Anti-Sex-Propaganda und Slogans wie "True Love Waits" zu bombardieren.

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