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Wegen HIV diskriminiert: Schule muss infizierten Jugendlichen entschädigen

Was, wenn er Sex hat? Mit dieser fadenscheinigen Begründung wies eine amerikanische Privatschule einen HIV-positiven Junge ab. Jetzt erhält er 700.000 Dollar von der Schule. Die Leitung hatte argumentiert, der damals 13-Jährige sei eine Gefahr für seine Mitschüler.

HIV: Ein infizierter Junge wurde abgewiesen, weil er eine Gefahr für andere darstelle Zur Großansicht
dapd

HIV: Ein infizierter Junge wurde abgewiesen, weil er eine Gefahr für andere darstelle

13 Jahre war der Junge alt und wollte auf diese Privatschule; doch die lehnte ihn ab, weil er HIV-positiv ist. Zur Begründung hieß es, er stelle eine Gefahr für die anderen Schüler dar. Was, wenn der Junge irgendwann Sex haben würde und andere ansteckt?

Die Milton-Hershey-Schule im US-Bundesstaat Pennsylvania sagte dem Jungen bereits Ende vergangenen Jahres ab. Jetzt sollen der inzwischen 14-Jährige und seine Mutter 700.000 Dollar (rund 540.000 Euro) bekommen, darauf einigte sich die Schule mit dem amerikanischen Justizministerium und dem AIDS Law Project of Pennsylvania, die HIV-Infizierten kostenlose Rechtsberatung anbietet.

Das Justizministerium stellte außerdem fest, dass die Schule gegen das Antidiskriminierungsgesetz von Behinderten verstoßen hat. Deswegen muss die Schule zusätzlich ein Bußgeld von 15.000 Dollar (rund 11.600 Euro) zahlen, teilte das Justizministerium am Mittwoch mit. Die Einigung beinhaltet auch, dass die Schule für ihre Schüler und Mitarbeiter Seminare zum Thema HIV anbieten muss. "Diese Einigung ist ein klares Signal, dass Diskriminierung von Personen mit HIV und Aids nicht toleriert wird", heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Ein Gericht muss der Einigung jetzt noch zustimmen.

"Angst, Wut, Verwirrung und Tränen"

Den Jungen hatte die Absage im vergangenen Jahr offensichtlich sehr mitgenommen: Dem Fernsehsender ABC News teilte er im vergangenen Dezember schriftlich mit, sein Leben bestehe seitdem nur noch aus "Angst, Wut, Verwirrung und Tränen". Er würde zwar immer noch gern zur Schule gehen, habe aber inzwischen Angst davor. "Ich möchte, dass sie sich bei mir entschuldigen." Der Anwalt des Jugendlichen sagte, sein Mandant sei "ein motiviertes, intelligentes Kind, das keine Gefahr für andere Schüler darstellt, dem aber Bildung aus Ignoranz und Angst vor Aids und HIV verweigert wurde".

Der Fall erregte viel Aufmerksamkeit in den amerikanischen Medien. Online unterschrieben fast 30.000 Menschen eine Petition, die von der Schule verlangte, sie solle sich bei dem Jungen entschuldigen. Ursprünglich war die Milton-Hershey-Schule 1909 für Waisenjungen gegründet worden, heute besuchen über 1800 Jungen und Mädchen die Privatschule. Anfang August gab die Schule dem öffentlichen Druck nach, entschuldigte sich bei dem 14-Jährigen und bot ihm einen Platz an. Er aber lehnte ab.

Der Fall erinnert an Ryan White: Nachdem bekannt wurde, dass er sich mit HIV infiziert hat, wurde der Schüler Mitte der achtziger Jahre von seiner Highschool verwiesen. Vor Gericht erstritt er sich das Recht, weiter den Unterricht zu besuchen, wechselte jedoch kurz darauf mit seiner Familie den Wohnsitz. Er wurde zum Symbol für den Kampf gehen Vorurteile und Diskriminierung, 1990 ist er gestorben.

Die Geschäftsführerin des AIDS Law Project of Pennsylvania, Ronda Goldfein, sagte zur aktuellen Einigung: "Dieser Fall hat eine nationale Debatte darüber erneuert, ob Menschen mit HIV im Alltag ein Risiko für andere darstellen. Die Frage ist wieder einmal definitiv beantwortet worden: Sie tun es nicht."

fln

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1. Kriminalisierung einer Krankheit
jamblichos 16.09.2012
Mit Erschrecken und Wut stelle ich fest, wie HIV/AIDS zunehmend kriminalisiert wird. Inzwischen würde ich jedem raten, seine Infektion geheim zu halten.
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HIV/Aids - Die Fakten
Die Tücken der Krankheit
Über 30 Millionen Menschen tragen weltweit das HI-Virus in sich, das unbehandelt die tödliche Krankheit Aids auslöst. In Deutschland gibt es über 60.000 Infizierte. SPIEGEL ONLINE erklärt, wie gefährlich die heimtückische Krankheit ist und wie man sich am besten vor ihr schützt.
Die HIV-Infektion
Im Zusammenhang mit der tödlichen und bislang nicht heilbaren Immunschwächekrankheit wird zwischen der Infektion mit dem HI-Virus (für humane Immunschwäche) und dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome - erworbenes Immunschwäche-Syndrom) unterschieden.

Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Neben ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebensowenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids.

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Ende 2007 waren laut UNAIDS weltweit schätzungsweise 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Die Zahl der Neuinfektionen lag 2007 bei 2,7 Millionen, 2 Millionen starben im selben Zeitraum an Aids, davon drei Viertel allein im südlichen Afrika. Mit mehr als zwei Dritteln der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland lebten Ende 2008 nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) rund 63.500 Menschen mit HIV/Aids. Rund 2800 diagnostizierte Neuinfektionen wurden dem Institut für das Jahr 2008 gemeldet, ähnlich viele Neuinfektionen wie 2007. Das RKI schätzt die Zahl der neuen Aids-Erkrankungen im Jahr 2008 auf 1100, etwa 650 HIV-Infizierte starben.

Von den Menschen, die Ende 2008 mit HIV oder Aids lebten, stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 38.700 die größte Gruppe. Rund 7300 Menschen, die mit HIV/Aids leben, kommen aus sogenannten Hochprävalenzregionen und infizierten sich überwiegend in ihren Herkunftsländern bei heterosexuellen Kontakten. Schätzungsweise 20 Prozent der Neuinfizierten haben sich über heterosexuelle Kontakte infiziert, etwa acht Prozent der neuen HIV-Infektionen gehen auf intravenösen Drogengebrauch zurück.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aids-Tod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aids-Fälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aids-Medikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aids-Medikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert-Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.

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