Weltwärts & Co: Vereinheitlichung der Freiwilligendienste stockt

Sie heißen "weltwärts", "kulturweit" - und bald kommt noch ein Programm für junge Menschen hinzu, die in fernen Ländern Gutes tun wollen. Eigentlich wollte die Bundesregierung die Angebote in einem Ministerium bündeln. Doch ein Ende der Unübersichtlichkeit ist nach Informationen des SPIEGEL nicht in Sicht.

Familienministerin Schröder: Eigentlich sollte ihr Ministerium den Programm-Wust entwirren Zur Großansicht
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Familienministerin Schröder: Eigentlich sollte ihr Ministerium den Programm-Wust entwirren

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) kommt mit der Neuordnung von Freiwilligendiensten nicht voran. Statt die diversen Programme der Bundesregierung wie vorgesehen zu vereinheitlichen, startet Schröder Anfang Januar erst mal ein weiteres Angebot: Der "Internationale Jugendfreiwilligendienst" soll jährlich 1200 jungen Deutschen Erfahrungen im Ausland ermöglichen.

Vergleichbare Programme existieren unter den Namen "weltwärts" und "kulturweit" bereits im Entwicklungsministerium von Dirk Niebel und im Auswärtigen Amt von Guido Westerwelle (beide FDP). Hinzu kommen weitere Auslandsangebote wie das Freiwillige Soziale Jahr.

Um endlich einheitliche Regeln zu schaffen, hatten die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag eigens ein "Freiwilligendienststatusgesetz" vereinbart - doch im federführenden Familienministerium gibt es bislang nicht einmal einen Referentenentwurf. Eine Bündelung aller Zuständigkeiten bei Schröder lehnen die Ressorts von Westerwelle und Niebel ohnehin ab.

"Die Ministerien arbeiten bei der Einrichtung von Freiwilligendiensten völlig nebeneinanderher", kritisiert der jugendpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Kai Gehring. Jugendliche Rückkehrer berichten von ungeeigneten Einsatzstellen, etwa wenn Schulabgänger unvorbereitet Vergewaltigungsopfer im Ausland betreuen sollten.

Umgekehrt sprechen professionelle Entwicklungshelfer von einer Art staatlich finanziertem Abenteuerurlaub. Den Nutzen der meist einjährigen Auslandsdienste will das Niebel-Ministerium für seinen Bereich bis nächsten Sommer evaluieren.

bim

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wer sich sozial engagieren möchte....
gkweisswas 30.10.2010
Zitat von sysopSie heißen "weltwärts", "kulturweit" - und bald kommt noch ein Programm für junge Menschen hinzu, die*in fernen Ländern*Gutes tun wollen. Eigentlich wollte die Bundesregierung die Angebote in einem Ministerium bündeln. Doch ein Ende der Unübersichtlichkeit ist nach Informationen des SPIEGEL nicht in Sicht. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,725904,00.html
....kann dies in seiner Freizeit in Deutschland tun. Das ist natürlich dann nicht so hipp, als wenn man den Freundinnen sagen kann, dass man für ein Auslandsjahr nach Indien geht (das ist derzeit der große Renner). Gäbe es für diese diversen Freiwilligendienste im Ausland kein Kindergeld und müssten die Kosten obendrein von den Eltern getragen werden, würde die Nachfrage sofort auf 0% fallen. Für das Programm 'Travel & Work' z.B. interessieren sich die Familien genau so lange, bis sie schnallen, dass die Familienkassen das Kindergeld streichen. Dann ist sofort Ende im Gelände. Aber unsere Familienministerin braucht auch noch ein Denkmal für die Nachwelt, also wird eher der Mond platzen, als dass dieser Wildwuchs auf Steuerzahlers Kosten endlich eingedämmt wird.
2. Oderbuch oder Indien?
Iwanov 30.10.2010
Ich finde es gut, wenn sich junge Menschen sozial engagieren, auch im Ausland. Manchmal kommen solche Menschen mit durchaus wertvollen Erfahrungen wieder, manchmal sind sie danach aber auch komplett "abgehoben". Allerdings muss ich meinem Vorposter durchaus zustimmen, dass diese Leute sich auch in Deutschland sozial engagieren könnten. Denn solche Leute fehlen uns wirklich. Ehrenamt ist ne tolle Sache und das kann man auch länger als nur ein Jahr machen (und Mutti - oder eher: vor allem Papi) muss nich dafür blechen. Klar, "Helfen steht jedem gut", aber viel cooler ist es, wenn man in Indien oder so war... ich habe noch keinen Bionade/Mate-Trinker gesehen, der -salopp gesagt- Sandsäcke geschleppt hat :)
3. Weltwärts und Co.
Niamey 31.10.2010
Zitat von gkweisswas....kann dies in seiner Freizeit in Deutschland tun. Das ist natürlich dann nicht so hipp, als wenn man den Freundinnen sagen kann, dass man für ein Auslandsjahr nach Indien geht (das ist derzeit der große Renner). Gäbe es für diese diversen Freiwilligendienste im Ausland kein Kindergeld und müssten die Kosten obendrein von den Eltern getragen werden, würde die Nachfrage sofort auf 0% fallen. Für das Programm 'Travel & Work' z.B. interessieren sich die Familien genau so lange, bis sie schnallen, dass die Familienkassen das Kindergeld streichen. Dann ist sofort Ende im Gelände. Aber unsere Familienministerin braucht auch noch ein Denkmal für die Nachwelt, also wird eher der Mond platzen, als dass dieser Wildwuchs auf Steuerzahlers Kosten endlich eingedämmt wird.
Dem stimme ich uneingeschränkt zu! Wir waren schon immer gut darin Steuergelder nicht in der Republik gut anzulegen sondern dieses mit der Schöpfkelle in die weite Welt zu verteilen. Siehe die schwer erziehbaren (teilweise straffällig gewordenen) Jugendlichen die man nach Argentinien zur resozialisierung geschickt hat. Jetzt dieser Wildwuchs mit Zivi und Co Ersatzprogrammen, äh Abenteuerurlaub auf Staatskosten! Ich glaube die zuständige Miniserin hat eine Meise. Diese Regierung wurde gewählt um unserem Land und seiner Bevölkerung zu dienen, und nicht Tourismusprogramme aufzulegen und UNSER Geld zu verpulvern. Gut, dass das der Spiegel mal von der Seite aufgenommen hat. Bild sollte, wegen dem höheren Verbreitungsgrad mal nachlegen! Aber erst kurz vor den Bundestagswahlen. Ich mache dann gerne eine Themenliste ;-)
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Als junger Helfer raus in die Welt
"Weltwärts" - entwicklungspolitischer Freiwilligendienst
Viele junge Menschen haben Interesse an einer ehrenamtlichen Arbeit in Entwicklungsländern. 2008 startete das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung daher den Freiwilligendienst "Weltwärts", aus öffentlichen Mitteln gefördert.
Die Ziele von "Weltwärts"
"Lernen durch tatkräftiges Helfen" ist das Motto des Freiwilligendienstes. "Weltwärts" soll das entwicklungspolitisches Engagement fördern und jungen Menschen einen interkulturellen Austausch in Entwicklungsländern ermöglichen. Durch die Arbeit mit Projektpartnern vor Ort in den Entwicklungsländern sollen sie lernen, globale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen besser zu verstehen. Den Projektpartnern soll der Einsatz im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zugutekommen. "Weltwärts" soll gegenseitiges Verständigung, Achtung und Toleranz fördern.
Für wen ist "Weltwärts"?
Mit "Weltwärts" können junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren für 6 bis 24 Monate in Entwicklungsländern arbeiten. Sie werden durch die Entsendeorganisationen auf ihren Einsatz vorbereitet und während der gesamten Zeit ihres Freiwilligendienstes begleitet. Die Arbeitsfelder umfassen das gesamte Themenspektrum der aktuellen Entwicklungszusammenarbeit.
Die Akteure
"Weltwärts" wird durch das Entwicklungshilfeministerium finanziert. Eine Vielzahl von Entsendeorganisationen arbeitet mit Projektpartnern vor Ort zusammen.
Was kostet "Weltwärts" die Teilnehmer?
Das Ministerium übernimmt für die Freiwilligen alle wesentlichen Kosten. Die Entsendeorganisationen erheben weder Vermittlungsgebühren noch Aufwandsentschädigungen. Die Freiwilligen erhalten eine angemessene und ortsübliche Unterkunft und Verpflegung, dazu ein Taschengeld von monatlich 100 Euro. Hinzu kommen Erstattung der Reisekosten, Versicherung, Seminare etc. Von den Freiwilligen wird jedoch erwartet, dass sie sich schon vor der Ausreise für das Partnerprojekt ihrer Entsendeorganisation einsetzen, zum Beispiel durch Info-Veranstaltungen, das Sammeln von Spenden, die Gründung privater Förderkreise oder andere Aktionen.
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