Was Zensur bedeutet, sollten Bayerns Schüler allenfalls theoretisch wissen - nicht aus eigener Erfahrung. Eine nun veröffentlichte Studie zeigt aber: Mehr als ein Drittel der bayerischen Schülerzeitungsmacher haben im Redaktionsalltag bereits Zensur erlebt. "Das ist eines von mehreren erschreckenden Ergebnissen der Studie und zeigt deutlich, dass es an Bayerns Schulen keine Pressefreiheit gibt", sagt der Autor Dominik Mai, 24.
Für seine Bachelorarbeit im Studiengang Sozialwissenschaften an der Uni Augsburg schrieb Dominik Mai, früher selbst Schülerzeitungsredakteur, alle rund 750 Gymnasien und Realschulen in Bayern an. Schüler von etwa jeder siebten Schule antworteten: 220 Schülerzeitungsredakteure, der Großteil Gymnasiasten, nahmen an der Online-Umfrage teil. Die Daten stammen aus dem Jahr 2010, veröffentlicht wurden sie jetzt anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit am Donnerstag, den 3. Mai.
Die zentralen Ergebnisse:
Die Junge Presse Bayern, der Landesverband junger Medienmacher, sieht die Ergebnisse weitaus kritischer: "Zensur findet immer noch statt", sagt Roman Kindl, Mitglied im Landesvorstand.
Dabei sollte eine Gesetzesänderung das eigentlich verhindern. Auslöser waren zwei Zensurfälle - einer davon an Dominik Mais alter Schule. Gemeinsam mit der Jungen Presse Bayern machte der damals 17-Jährige den Fall öffentlich und erreichte mit einer Petition schließlich die Änderung des Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes.
Bis dahin durfte eine Schülerzeitung nur veröffentlicht werden, wenn die Schulleitung dem zustimmte. Seit sechs Jahren können Schülerredaktionen wählen: Entweder ihre Zeitung erscheint unter Verantwortung des Direktors oder die Schüler geben sie in eigener Verantwortung im Sinne des Bayerischen Pressegesetzes heraus. Für den Inhalt der Zeitung sind in diesem Fall die Schüler verantwortlich, richten die Kinder Schaden an, haften die Eltern. Schulleiter können auch dann immer noch "Einwendungen erheben", wenn ihnen Passagen nicht gefallen.
Zufrieden ist die Junge Presse Bayern damit noch nicht: Das Gesetz überfordere Schulleiter, Eltern und Schüler, sagt Kindl. "Das Gesetz muss einfacher werden und die dort vorhandenen Maßnahmen der Zensur müssen verschwinden, so wie es in anderen Bundesländern längst geschehen ist."
fln
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