Berliner Privatschule: Eltern setzten Lehrer vor die Tür

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An einer Berliner Privatschule gibt es einen bizarren Zwist. Mehr als eine Woche sperrte ein Elternverein alle Lehrer aus und verordnete den Kindern Zwangsferien. Seit heute wird wieder unterrichtet - mit einem neuen Kollegium und unter Polizeischutz.

Montagmorgen, kurz vor acht Uhr: An der Novalis-Schule in Berlin-Friedrichshagen gehen für die 153 Schüler siebentägige Zwangsferien zu Ende. Ein Schulbeginn der etwas anderen Art: Polizisten bewachen das Gelände, und neben dem Eingang demonstrieren Lehrer, die seit Tagen Hausverbot haben.

"Wir haben heute den Schulbetrieb mit gutem Gewissen wieder aufgenommen", sagt Marion Popp vom Vorstand des Elternvereins "Freie Pädagogische Vereinigung" der Novalis-Schule. Seit Donnerstag vorvergangener Woche waren die Klassen wegen eines reichlich verworrenen Streits verwaist. Denn die bisher an der freien Schule tätigen Lehrer wurden nicht etwa direkt von der Schule beschäftigt, sondern sind bei einem Lehrerverein mit dem Namen "Novalisschule" angestellt - und der "belieferte" die Schule auf der Basis eines Dienstleistungsvertrags mit Unterricht und Pädagogen.

Unterricht per "Dienstleistungsvertrag"

Ein Konstrukt, bei dem der Elternverein nicht länger mitmachen wollte. "Überall sonst ist es üblich, dass der Schulträger die Lehrer anstellt und sie auch bezahlt", erklärte Peter Schneider, Geschäftsführer des Elternvereins, in der Berliner Morgenpost. Zudem habe es Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung gegeben. Die Eltern kündigten deshalb den Dienstleistungsvertrag, erteilten den bisherigen Lehrern ein Hausverbot und machten die Schultore für sieben Tage dicht - "alles in Absprache mit der Schulverwaltung", betont Vorstandsmitglied Marion Popp. Andere Eltern hatten allerdings gedroht, Klage einzureichen, wenn nicht innerhalb kürzester Zeit der Unterricht wieder aufgenommen werde.

Eine aufgeheizte Situation, in der täglich "rein präventiv" auch die Polizei vor Ort war. Einige der rausgeworfenen Lehrer, so Marion Popp, hätten trotz der Schließung das Hausverbot missachten und Unterricht abhalten wollen. Letztlich sei aber alles ruhig geblieben - vielleicht auch deshalb, weil der Elternverein dem kompletten Alt-Kollegium ein Übernahmeangebot machte. Das allerdings mochten bis heute Morgen nur fünf Betroffene annehmen, "so dass wir andere Eltern, Erzieher und auch Honorarkräfte verpflichtet haben und jetzt den kompletten Unterricht wieder anbieten können", so Marion Popp.

Staatliche Kontrolle

Die Berliner Senatsbehörde verfolgt den Eltern-Lehrer-Streit an der vor sieben Jahren gegründeten Privatschule mit großer Aufmerksamkeit. "Wir sind heute mit der Schulaufsicht vor Ort und überzeugen uns davon, dass alles wieder läuft", sagt Bärbel Schubert, Sprecherin von Schulsenator Jürgen Zöllner. Die Schule erhalte schließlich staatliche Zuschüsse, "und die sind nun einmal daran gebunden, dass auch Unterricht statt findet". Zusätzlich wurde die Schule aufgefordert, innerhalb einer Woche genaue Angaben über die Schülerzahl, gegebene Stunden und die Zahl der Lehrer zu machen.

Die Novalis-Schule ist seit 2005 als Ersatzschule anerkannt - eine von knapp 300 Privatschulen in Berlin. Die derzeit 153 Schüler besuchen die Klassen 1 bis 12. Die nicht mehr an der Novalis-Schule beschäftigten Lehrer haben angekündigt, gegen ihren Rausschmiss klagen zu wollen.

Anmerkung der Redaktion:

Im ursprünglichen Text hatte es geheißen, die Novalis-Schule in Berlin sei eine Waldorf-Schule. Das ist nicht der Fall. Die Schule dürfe nicht behaupten, auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners zu arbeiten, erläutert Detlef Hardorp, bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg. Die Namen "Steiner" und "Waldorf" seien namensrechtlich geschützt. Zum Bund der Freien Waldorfschulen habe die Schule keinerlei Kontakt.

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