An einigen Schulen im Berliner Problemstadtteil Neukölln sollen künftig Ein-Euro-Jobber die Eingänge bewachen. "Das Jobcenter will 20 Stellen zur Verfügung stellen und Arbeitslose als Wachschützer qualifizieren", sagte Bezirksstadträtin Franziska Giffey (SPD).
Erst zu Jahresbeginn war an 16 Neuköllner Schulen der private Wachschutz aus Geldmangel gestrichen worden, denn die dafür nötigen 700.000 Euro konnten nicht mehr durch den Bezirkshaushalt gedeckt werden. Lehrer und Eltern hatten dies heftig kritisiert.
Ein Vorfall am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neukölln wird nun die Wachschützer zurückholen: Zwei Tage nach Schulbeginn im neuen Jahr fanden Schüler einen offenbar drogenabhängigen Mann und eine Frau auf der Toilette im Erdgeschoss. Der Mann sei völlig regungslos gewesen, und eine Spritze habe in seinem Arm gesteckt, berichtet die "Berliner Zeitung". Die Schüler hätten den Schulleiter alarmiert, der habe die Tür verriegelt und Polizei sowie Rettungswagen gerufen.
Ganz Deutschland diskutierte über Schul-Sheriffs
Die neuen Wachkräfte werden sich bereits am Montag vor der Albert-Schweitzer-Schule aufstellen. Auch an weiteren fünf Schulen könnte die Schulstreife patrouillieren, berichtet die "Berliner Morgenpost". "Wir werden jetzt eine Prioritätenliste erstellen", sagte Bezirksstadträtin Giffey der Zeitung. Ein-Euro-Jobber könnten den Wachschutz zwar nicht ersetzen, aber sie sei froh, dass so schnell eine Übergangslösung gefunden worden sei. Sie hoffe, dass das Projekt bis zum Schuljahresende laufen werde.
Neukölln hatte den Wachschutz im Jahr 2007 eingeführt. Ganz Deutschland hatte damals über die Sheriffs an Schulen gestritten. Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatte das Projekt in Gang gesetzt. Anders sei die Sicherheit an Berlins Schulen nicht mehr zu gewährleisten, argumentierte er. Bei den Wachleuten handle es sich um "paramilitärische Einheiten", sagte hingegen der damalige Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Und die seien bestimmt nicht der richtige Weg.
fln/dpa
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