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Internationaler Bildungsgipfel: Was ein Lehrer können muss

Von Maximilian Gerl

Schulunterricht in Berlin Zur Großansicht
DPA

Schulunterricht in Berlin

Hunderte Bildungsexperten aus aller Welt versammeln sich in den kommenden zwei Tagen in Berlin, um über den Lehrerberuf zu beratschlagen. Macht das Sinn?

Als US-Präsident Barack Obama zu Beginn seiner Regierungszeit die Ergebnisse der Pisa-Studie sah, war er schockiert. Die amerikanischen Schüler schnitten im internationalen Vergleich gar nicht gut ab. Sie erreichten nur Platz 17.

Für ein Land, das sich seiner Wissenschaftler und Elite-Unis wie Yale oder Harvard rühmt, eine Blamage. Obama beschloss: Die amerikanischen Schüler sollten besser werden. Um Ideen dafür zu sammeln, wie sich dieses Ziel am besten erreichen ließe, berief er eine große Konferenz ein. Und Kultusminister, Bildungsforscher und Lehrer aus aller Welt kamen nach New York.

2011 war das, die Konferenz eigentlich als einmaliges Ereignis gedacht. Doch der "International Summit on the Teaching Profession" - also "Internationaler Gipfel zum Lehrerberuf", kurz ISTP - kam unter den Teilnehmern gut an.

Seitdem findet die Zusammenkunft jedes Jahr statt. Nach zweimal New York und je einmal Amsterdam, Wellington in Neuseeland und Banff in Kanada ist nun Berlin dran: Heute und morgen treffen sich 400 Bildungsexperten aus 23 Staaten zu Gesprächsrunden und Workshops. Publikum und Presse müssen draußen bleiben. Ausrichter sind die Kultusministerkonferenz, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Verband Bildung und Erziehung (VBE).

Im Mittelpunkt des diesjährigen ISTP steht der Lehrer-Beruf. Welche Fähigkeiten sind den Unterricht im 21. Jahrhundert notwendig? Und wie kann die Politik dabei helfen, diese Fähigkeiten zu erlangen und in den Unterricht einzubringen? "Der Kongress zeichnet sich dadurch aus, dass er Raum für einen internationalen Dialog eröffnet", sagt Marlis Tepe, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit Blick auf die weltweiten Fluchtbewegungen und die wachsende soziale Ungleichheit in den Gesellschaften müsse überlegt werden, "wie gute Bildungspolitik zu gestalten ist und über welche Kompetenzen Lehrkräfte verfügen müssen".

Weniger Bürokratie, mehr Freiheiten

Gesprächsbedarf besteht also, gerade aus deutscher Sicht. Lehrer lernen hier in ihrer Ausbildung zwar sehr viel über ihr Fach - psychologische oder interkulturelle Kompetenzen werden dagegen oft vernachlässigt. Später fließt viel Zeit in Verwaltungsaufgaben statt in den Unterricht. Lehrer leiden häufiger als andere Berufsgruppen an Burn-out.

"Seit dem Pisa-Schock von 2011 ging es für die Politik hauptsächlich um Monitoring", sagt der Bildungsforscher Heiner Barz von der Universität Düsseldorf. "Wir brauchen wieder Lehrer, die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Die mit Freude am Beruf Schülern Lernangebote machen können und ihnen nicht nur den Unterrichtsstoff vorkauen." Weniger Bürokratie also, dafür mehr Freiheiten. Davon würden nicht nur die Lehrer, sondern auch die Schüler profitieren.

Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass nach dem Kongress ein Reformruck durch Deutschland geht. Einerseits ist das deutsche System zu fragmentiert: Bildung ist Ländersache, jedes Bundesland folgt einer anderen Strategie. Andererseits lassen sich ausländische Bildungssysteme nicht eins zu eins auf deutsche Standards übertragen.

Shanghai, Korea und Japan etwa liegen in den Pisa-Rankings regelmäßig vorne und taugen trotzdem kaum als Vorbild. "Das fernöstliche Bildungswesen setzt sozusagen kompromisslos auf Leistungsdruck", sagt Barz. "Selbst die skandinavischen Länder lassen sich nur eingeschränkt mit Deutschland vergleichen, dort setzt man mehr auf ganzheitliche Konzepte."

Die Organisatoren finden den ISTP trotzdem gut - weil eben gerade die Unterschiede neue Ideen liefern sollen. Neben Ministern und Gewerkschaftlern kommen auch Bildungsforscher und Lehrer nach Berlin, um aus der Praxis zu berichten. Stephan Dorgerloh, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, lobte in der "Zeit" die "einmalige Diskussions- und Arbeitsatmosphäre".

Experte Barz nimmt nicht am ISTP teil, aber er weiß: "Das Fruchtbarste an diesen Konferenzen sind nicht die Workshops. Es sind die Gespräche in den Pausen mit den Kollegen, weil dort ehrlich über Erfolge und Misserfolge gesprochen wird."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
oberläror 03.03.2016
Der Mann aus Sachsen-Anhalt heißt übrigens Dorgerloh. Fehler in Artikeln zum Thema Bildung sind immer besonders putzig....
2. Erster!
Wayne2000 03.03.2016
Lehrer, überdurchschnittliches Gehalt, Nachmittags frei, einen Haufen Ferien, machen nix, sind unfähig wenn Schüler schlechte Noten schreiben, war noch was? Damit haben wir schon mal einen Kommentar der alle unqualifizierten BeMerkungen bündelt. Die Forentrolle können es sich jetzt also sparen. Das wäre schön!
3. macht das Sinn ?
dedroog 03.03.2016
Nein..., die Mehrzahl der "Bildungsexperten" hat mit dem realen Schulbetrieb keinerlei Kontakt und "schweben" völlig losgelöst in ihrer theoretischen Welt.... Schüler und Lehrer dürfen dann den Mist ausbaden...
4. Strukturproblem
ede-wolff 03.03.2016
Als Hauptproblem unseres Bildungswesens sehe ich (als Vater, der vier Kinder durch das staatliche Bildungswesen bringen musste) darin, dass der Lehrerberuf häufig nicht aus Berufung, sondern als Notnagel gewählt wird ("wenn das oder das nicht klappt, werde ich halt Lehrer"). Parallel dazu habe ich immer wieder erlebt, dass besonders Gymnasiallehrer an ihrem Fach interessiert waren, nicht an den Schülern. Als (zugegeben radikalen) Ausweg sehe ich: die Eintrittshürden in den Beruf massiv zu erhöhen und auf diese Weise nur die wirklich Berufenen zu finden. Außerdem würde sich dadurch ganz automatisch das Sozialprestige des Lehrerberufs deutlich erhöhen.
5. Lehrer - ein unbekanntes Wesen
butzibart13 03.03.2016
Als Lehrer bis zur letzten Stunde, jetzt im Ruhestand, muss ich Nr. 4 im wesentlichen zustimmen. Es gibt Kollegen, die ihren Beruf ausüben, ohne berufen zu sein. Natürlich lassen sich auch solche Leute bei Ärzten, Anwälten, Pfarrern, auch Politiker finden. Der Haken beim Lehrerberuf ist, es können alle mitreden, da jeder Lehrer von ihrer positiven/negativen Seite erlebt hat. Wichtig ist ein partnerschaftliches Verhältnis zum Schüler, ohne dabei eine gewisse Autorität aufs Spiel zu setzen. Ob dazu ein solcher Bildungsgipfel weiterhilft, werden wir irgendwann sehen.
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