Columbine-Jahrestag: Polizei vereitelt mehrere Highschool-Massaker

Sieben Jahre nach der Schießerei an der amerikanischen Columbine-Highschool konnte die US-Polizei gleich mehrere geplante Schulmassaker verhindern. Bei den festgenommenen Jugendlichen wurden automatische Schusswaffen und Messer gefunden.

Anchorage/USA - Vor genau sieben Jahre, am 20. April 1999, erschossen zwei Amok laufende Schüler an der Highschool von Columbine im US-Bundesstaat Colorado zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. 24 weitere Menschen wurden verletzt, bevor sich die beiden Täter Eric Harris und Dylan Klebold selbst das Leben nahmen. Amerika war über Monate hinweg traumatisiert und betroffen. Geändert aber hat sich offenbar nichts. In der vergangenen Woche konnte die US-Polizei gleich mehrere mutmaßliche Verschwörungen zu neuen Massakern an drei Schulen vereiteln.

Highschool in Riverton, Kansas: Massaker verhindert
AP

Highschool in Riverton, Kansas: Massaker verhindert

Wie der Fernsehsender ABC am Freitag berichtete, wurden in Riverton im Bundesstaat Kansas fünf Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren festgenommen. Im Zimmer eines der Jungen waren Gewehre, Messer und Munition gefunden worden. In Kansas City in Missouri nahm die Polizei zwei 17-Jährige fest, die ein Massaker in der Turnhalle ihrer Schule planten.

Das dritte Komplott wurde an der Red Lake High School aufgedeckt, an der im vergangenen Jahr bereits ein Schüler Amok gelaufen war. In der Kleinstadt in Alaska wurden jetzt sechs Jungen unter dem Verdacht festgenommen, Attentate an Lehrern und Mitschüler geplant zu haben. Polizeichef Paul Lindhag sagte dem Sender, die Schüler der siebten Klasse hätten vorgehabt, die Stromversorgung und die Telefonleitungen der North Pole Middle School zu unterbrechen, um nach der Tat aus dem Ort zu fliehen.

Eltern eines Schülers hätten die Polizei auf Gerüchte über ein bevorstehendes Massaker aufmerksam gemacht, erklärte Lindhag. Offenbar wollten die Jungen am Dienstag Schusswaffen und Messer mit in die Schule bringen. Die Jungs, alle etwa 13 Jahre alt, hätten sich für erlittene Schikanen rächen wollen. Insgesamt wurden 15 Schüler vom Unterricht suspendiert, darunter auch die sechs Verdächtigen.

Im März vergangenen Jahres hatte ein Jugendlicher im Reservat Red Lake neun Menschen und sich selbst erschossen. Beim bisher schwersten Amoklauf seit Columbine tötete der 16-Jährige erst seinen Großvater und dessen Freundin und eröffnete dann in seiner Schule das Feuer auf Lehrer und Mitschüler.

Bereits am Donnerstag, dem Jahrestag des Columbine-Massakers, waren in Riverton fünf Schüler zwischen 16 und 18 Jahren festgenommen worden, die Drohbotschaften im Internet veröffentlicht hatten. Bezirksrichter Robert Fleming erklärte gestern, es bestehe der Verdacht einer Strafftat. Nach Angaben des Bezirkssheriffs Steve Norman hatten die Jugendlichen beabsichtigt, vor dem Überfall die Sicherheitskameras der Schule lahmzulegen. Polizisten fanden im Schlafzimmer eines der Verdächtigen Schusswaffen, Munition, Messer und verschlüsselte Botschaften. Der entscheidende Hinweis auf die mutmaßlichen Täter stammte von der unter Jugendlichen populären Website www.myspace.com..

Mitschüler erklärten, es habe in den Tagen zuvor Gerüchte über ein geplantes Massaker gegeben. Einige hätten sogar zu den Verdächtigen gesagt: "Was immer du tust, bitte erschieß mich nicht." Andere  sagten, sie glaubten nicht, dass die Verdächtigen die Tat wirklich ausführen wollten. Zwar sei einer von ihnen häufig in Schlägereien verwickelt gewesen und habe andere bedroht, sagte der 18-jährige Brandon Hay zu AP. "Wir wussten aber, dass das nur Witze waren", erklärte Hary. "Sie wurden nicht oft herumgeschubst. Sie haben eher andere herumgeschubst." Generalstaatsanwalt Phill Kline will in den nächsten Tagen anhand der Ermittlungen über das weitere Vorgehen gegen die Festgenommenen entscheiden.

Besonders perfide soll der Plan von Trevor Fatting und Sean Amos in Kansas City gewesen sein. Nach den Worten von Staatsanwalt Eric Zahnd wollten die beiden mutmaßlichen Verschwörer den stellvertretenden Schuldirektor mit vorgehaltener Waffe zwingen, über Lautsprecher Schüler und Lehrer in die Turnhalle zu beordern. Dort wollten die beiden Jugendlichen den Ermittlungen zufolge mit einem AK-47-Sturmgewehr in die Menge feuern und Sprengsätze zünden. " In der heutigen Welt müssen wir solche Drohungen sehr ernst nehmen", sagte Zahnd.

bor/afp/AP

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