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Schreibregeln: Ex-Kultusminister nennt Rechtschreibreform einen Fehler

Ex-CSU-Kultusminister und Rechtschreibreform-Kritiker Zehetmair Zur Großansicht
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Ex-CSU-Kultusminister und Rechtschreibreform-Kritiker Zehetmair

Vor gut 20 Jahren beschlossen die Kultusminister neue Schreibregeln für Schüler. Nun bezeichnet der mitverantwortliche bayerische CSU-Politiker Zehetmair die Reform in einem Interview als überflüssig: "Das sollte nie wieder vorkommen."

Seit zehn Jahren lernen Schüler, dass es Schifffahrt heißt und nicht Schiffahrt. Spaghetti können auch ohne h geschrieben werden und der Buchstabe ß ist seltener geworden in Büchern und Zeitungen.

Am 1. August 2005 trat auf Beschluss der Kultusministerkonferenz in zunächst 14 Bundesländern eine neue Rechtschreibung in Kraft. Mit ihr sollte die Schriftsprache logischer werden; für Schüler sollte sich das Schreibenlernen vereinfachen.

Doch nun geht der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) mit den Orthografie-Regeln hart ins Gericht. Die Neuregelung sei überflüssig gewesen, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Den Streit um die Reform nennt er "gespenstisch".

Auch sich selbst bezieht er in die Kritik ein: "Ich muss mir vorwerfen, dass ich als Kultusminister nicht frühzeitig die Tragweite erkannt und die Reform in geordnete Bahnen gelenkt habe."

Im Nachhinein hält der CSU-Politiker es für einen Fehler, dass die Politik sich der Rechtschreibung angenommen hat: "Das sollte nie wieder vorkommen, die Lektion haben alle gelernt." Behutsame Änderungen der Schriftsprache seien nötig. "Sprache ist nicht statisch", sagt Zehetmair, "sondern ein lebendiger Prozess. Aber ob man Friseur mit ö schreibt oder mit eu - wen sollte das aufregen?"

Bayern zeigte sich bei der Einführung der neuen Schreibregeln bereits vor zehn Jahren zögerlich. Erst 2006 trat mit einem Jahr Verspätung auch in den Schulen im Freistaat und in Nordrhein-Westfalen die Reform in Kraft und gilt seither deutschlandweit.


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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 375 Beiträge
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1.
demiurg666 29.07.2015
Das habe ich schon damals als Schüler gesagt. SUper das CSU-Politiker nur zehn Jahre brauchen Fehler zu erkennen. Ich habe die alte Rechtschreibung in der Grundschule gelernt, die neue dann auf dem Gymnasium die wurde dann ein-zwei Jahre später nochmal verändert. Ich beschwere mich jetzt nicht über den unnützen Neueinkauf aller Lehrbücher, sowohl private als auch die der Schulen. Worüber ich misch beschwere ist das ich so unsicher in der Rechtschreibung bin das es mir davor graut meine Kinder zu unterstützen. Wieder einmal ein super Erfolg für die CSU!
2. Zu spät!
Rotter 29.07.2015
Die damalige Sprachpanscherei hat nicht zur Durchsetzung neuer und einfacherer Regeln geführt; im Gegenteil, heute sind Regeln obsolet und jeder schreibt, wie er will.
3. Ausgerechet aus Bayern!
o.b.server 29.07.2015
Diese Erkenntnis kommt spät. Und das aus Bayern, dem Bundesland, in dem viele Bürger der deutschen Sprache und ihrer Grammatig schweren Schaden zufügen. Ein Hamburger.
4.
milhouse_van_h. 29.07.2015
Wenn in einem Artikel über die Rechtschreibreform im ersten Satz bereits das Beispiel "Sichifffahrt" genannt wird, habe ich schon keine Lust mehr weiter zu lesen. Wer dieses Beispiel anbringt weiß sicher nicht, dass Sauerstoffflasche auch ohne Rechtschreibreform mit 3 f geschrieben wird und wurde. Da das aber keiner kapiert hat, wird das Beispiel der Schiffffahrt immer wieder hervor geholt. Bestimmt steht noch irgendwo im Artikel, dass sich Goethe im Grabe rum drehen würde, oder so ähnlich. Auch so ein Beispiel von Leuten, die die Schrift von Goethe nicht mal mehr lesen könnten, wenn sie sie im Original sehen würden.
5. ...viel Geld zum Fenster herausgeworfen...
michpama 29.07.2015
Ich glaube, jeder halbwegs normal denkende Mensch, hat die Rechtschreibreform schon damals nicht nachvollziehen können... Immerhin hat Herr Zehetmair dies 10 Jahre später auch eingesehen... Wenn ich immer so eine lange Leitung hätte, würde ich beruflich nicht da stehen, wo unsere Politiker stehen. In blindem Aktionismus sind sie allesamt gross, aber wirklich Vernünftiges gelingt ihnen dann doch nicht. Gurkentruppe!
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