Cyber-Mobbing gegen Lehrer: Von Schülern verhöhnt - und die ganze Welt sieht zu

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Schüler filmen das Dekolleté ihrer Lehrerin, ziehen ihrem Lehrer die Hose runter - und kurz darauf stehen die Videos im Internet. Cyber-Bullying heißt dieser neue Trend aus Großbritannien: Handys und das Netz machen Pädagogen zum Gespött der ganzen Welt.

Er steht mit dem Rücken zur Klasse, beugt sich vor, schreibt etwas an die Tafel. Wie ein Pfeil schießt ein Junge von seinem Platz in der hinteren Ecke des Raumes nach vorn. Er nähert sich dem Mann, umgreift seine Hüften - und zieht ihm die Hose runter. Nach einer Schrecksekunde bückt sich der Lehrer, zieht seine Hose wieder über die Unterhose und stürzt quer durch die Klasse auf den Übeltäter zu.

Mit einem Handy gefilmt, gelangten die Bilder auf die Internetplattform YouTube. Laut Beschreibung des Videos verantwortet ein Schüler aus Cumbernauld nahe Glasgow in Schottland den Streich.

Der Fall hat in Großbritannien Aufsehen erregt. Lehrerverbände diskutieren über das sogenannte Cyber-Bullying - eine Form von Mobbing, bei der technische Geräte wie Handys oder Computer zum Einsatz kommen. Laut der Lehrervereinigung ATL hat diese Form der Belästigung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

"Das Cyber-Bullying hebt eine jahrhundertealte Angelegenheit auf eine neue Ebene", sagt Mary Bousted, die Vorsitzende der Vereinigung. Und das Problem verschärfe sich.

Ein Blick in das Dekolleté der Lehrerin - für jeden sichtbar

Immer häufiger werden Belästigungen von Lehrern mit dem Handy aufgezeichnet und dann im Internet veröffentlicht. Der Einzelne wird dadurch vor einem potentiellen Milliardenpublikum bloßgestellt - weltweit. Und der Schaden für die Betroffenen wächst mit der Zahl der Betrachter.

Manche Aufnahmen gewähren einen Blick in das Dekolleté einer Lehrerin - oder unter ihren Rock. In Extremfällen werden Lehrer per Montage kurzerhand zu Hauptdarstellern in Pornofilmen.

Cyber-Bullying ist vielfältig: Anrufer legen wortlos auf. Pöbler schicken obszöne, einschüchternde SMS oder beleidigende E-Mails, diffamieren ihre Opfer in Chatrooms. Andere machen eben bloßstellende Aufnahmen mit dem Handy. Der Schulstreich mag so alt sein wie die Schule selbst - aber die Technik verändert seinen Charakter und vor allem seine Reichweite. War der Schabernack früher hauptsächlich auf Klassenraum und Schulhof begrenzt, ermöglichen Handy und Computer ein zeit- und grenzenloses Piesacken der Lehrer.

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Forum - Handys - Jugend-Trend Gewaltvideo
insgesamt 87 Beiträge
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1. Symptom und nicht die Ursache
SaT 05.04.2007
Ich denke Gewaltvideos sind nur das Symptom und nicht die Ursache für die gefilmte Gewalt. Ein normaler Mensch den man eine Kamera in die Hand drückt denkt „prima, ich mache jetzt mal ein paar Familien und/oder Urlaubsbilder “. Vielleicht kommt er noch auf die Idee mal seine Frau im Schlafzimmer zu filmen. Aber eben nur physisch Kranke kommen überhaupt darauf einen Überfall oder gar Vergewaltigung zu aufzunehmen.
2.
SaT 05.04.2007
Zitat von SaTIch denke Gewaltvideos sind nur das Symptom und nicht die Ursache für die gefilmte Gewalt. Ein normaler Mensch den man eine Kamera in die Hand drückt denkt „prima, ich mache jetzt mal ein paar Familien und/oder Urlaubsbilder “. Vielleicht kommt er noch auf die Idee mal seine Frau im Schlafzimmer zu filmen. Aber eben nur physisch Kranke kommen überhaupt darauf einen Überfall oder gar Vergewaltigung zu aufzunehmen.
Ich meinet natürlich psychisch ;-)
3.
jimKn0pfEnhanced, 05.04.2007
Machen Jugendliche nicht nur das nach was alltäglich im TV und seit neustem auch von Werbung gezeigt wird? Sollte nicht Gewalt im Fernsehen strenger kontrolliert werden?
4.
the.pirate, 05.04.2007
Die jungen Männer ahmen nur nach, was ihnen in Pornovideos und zum Teil in HipHop-Videos vorgelebt wird: Die (attraktive) Frau als immerbereite Schlampe, der es gar nicht genug Männer sein können. Solange eine Gesellschaft (Eltern, Lehrer, Freunde, aber vor allem auch Medien!) aber nicht fähig ist diesen Heranwachsenden ein "gesundes" Bild zu vermitteln und diese das fiktionale Bild als gegeben ansehen, ist die Gesellschaft das Problem. Das Video ist eine Trophäe, ähnlich dem Mercedes-Stern zu meiner Zeit - nur, wer selber mal einen Stern abgebrochen hatte, war aufgenommen. Und nun sind die Jungs die Rudelführer, die die krassesten Videos auf dem Handy haben. Sei es nun Pornographie oder Happy Slapping - und Könige und Legende sind dann die, die auch noch selber im Video zu sehen sind. Vor 3 oder 4 Jahren waren diejenigen die Könige, die die meisten MP3s auf dem Rechner hatten, heute sind es die mit dem "krassesten" Handy-Content. Fazit für mich: Die Heranwachsenden sind immer nur so krank wie ein Gesellschaft es zulässt. Und: Die Heranwachsenden verändern ihre Trophäen und passen sie den technischen Möglichkeiten an.
5. Erniedrigung dient dazu Respekt zu erhalten
Arnd Hinze, 05.04.2007
Zitat von SaTIch denke Gewaltvideos sind nur das Symptom und nicht die Ursache für die gefilmte Gewalt. Ein normaler Mensch den man eine Kamera in die Hand drückt denkt „prima, ich mache jetzt mal ein paar Familien und/oder Urlaubsbilder “. Vielleicht kommt er noch auf die Idee mal seine Frau im Schlafzimmer zu filmen. Aber eben nur physisch Kranke kommen überhaupt darauf einen Überfall oder gar Vergewaltigung zu aufzunehmen.
Das Schlimme daran ist dass dieses Verhalten von anderen Schülern mit Angst und Respekt belohnt wird und die Opfer, eben nicht die Täter ausgegrenzt werden. Es ist also ein ideales Mittel um sich trotz Versagens in anderen Bereichen den Respekt der Gruppe zu verschafffen. Ich würde deshalb das Filmen von Erniedrigungen bis hin zu Vergewaltigungen auf keinen Fall als Fälle "psychisch Kranker" abtun. Die Schüler wissen genau was sie tun.
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