Neue Studie zu Online-Lästerei: Wer mobbt hier wen?

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Corbis

Schülerin am Computer: Wenn Lästerei zu Mobbing wird

Jeder dritte Jugendliche hat Erfahrung mit Cybermobbing, viele als Täter und Opfer zugleich. Besonders oft trifft es Hauptschüler, wie eine neue Studie zeigt. Die Zahlen schockieren - doch wie funktioniert die Dynamik der Läster-Netzwerke eigentlich?

Nein, die jetzt veröffentlichten Umfragedaten zum Cybermobbing an Schulen kann man nicht einfach abtun. Wenn jeder dritte Schüler sich von Cybermobbing betroffen fühlt - ob nun als Opfer, Täter oder beides zugleich -, dann bestätigt diese Zahl: Es gibt dieses Problem, vielleicht ist es sogar noch weiter verbreitet als viele dachten.

Viel spannender jedoch ist, was die aktuelle Studie der Universitäten Münster und Hohenheim nicht erklärt: Wie groß ist der Einfluss von Lehrern? Welche Rolle spielt das Klassenklima? Wie entsteht die Läster-Dynamik in Freundschaftskreisen oder ganzen Jahrgangsstufen, so dass sich Einzelne massiv bloßgestellt und ausgegrenzt fühlen?

In dem Datenschatz, den die Autoren der Studie durch Befragungen von gut 5600 Schülern an 33 Schulen erhoben haben, könnten die Antworten auf solche Fragen stecken. Was sie jetzt veröffentlicht haben, sind lediglich erste beschreibende Befunde:

  • Gut ein Drittel, nämlich 33,4 Prozent, der befragten Schüler ist von Cybermobbing betroffen - je elf Prozent als reine Täter, als reine Opfer und als solche, die beide Rollen kennen, die "Täter-Opfer". Besonders häufig sind sie an Hauptschulen zu finden - dort ist ihr Anteil deutlich höher, er liegt bei über 45 Prozent.
  • Das häufigste Mobbing-Instrument ist der Umfrage zufolge das Verschicken beleidigender Nachrichten (14,5 Prozent), gefolgt vom Weiterleiten vertraulicher Informationen (7,9 Prozent). Gut fünf Prozent haben Nachrichten unter falschem Namen verschickt.
  • Harte Mobbing-Fälle sind vergleichsweise selten: Nur jeder Fünfzigste gab an, schon einmal peinliche Bilder oder Videos von anderen Schülern hochgeladen zu haben. Ebenso wenige haben nach eigenen Angaben gezielt Gerüchte gestreut. Und nur vier Prozent haben jemanden auf einer Website öffentlich beleidigt.

Die Forscher definieren Cybermobbing relativ weit: Wer eine dieser Taten "mindestens manchmal" im vergangenen Jahr "verübt" hat, wird als Täter gezählt. Wer sie manchmal erlebt hat, als Opfer.

Vieles davon deckt sich mit Ergebnissen früherer Studien und Umfragen. Eine Umfrage des "Bündnisses gegen Cybermobbing" vor wenigen Monaten zeigte etwa, dass am häufigsten Lehrer an Berufsschulen solche Online-Gemeinheiten ihrer Schüler mitbekommen.

Je älter die Schüler, desto stärker mobben sie

Überraschend ist für Ruth Festl von der Uni Hohenheim, Mit-Autorin der aktuellen Studie, dass die Mobbingfälle mit dem Alter eher zuzunehmen scheinen - was bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungen widerspricht. So gelten in der siebten Klassenstufe nur rund acht Prozent der Schüler als Täter, in der zehnten Jahrgangsstufe sind es schon mehr als 14 Prozent. "Die Älteren haben eine höhere Medienkompetenz", sagt die Wissenschaftlerin, sie bewegten sich sicherer im Netz und würden weniger von ihren Eltern überwacht. "Das könnte eine Erklärung sein."

Wirklich spannend wird es werden, wenn die Forscher ihre Daten im Detail ausgewertet haben. Denn sie haben in ihren Fragebögen auch erhoben, welcher Schüler mit wem befreundet ist, wer besonders beliebt ist, woher sie sich kennen. "Wir können so sehr differenziert die Sozial- und Freundschaftsnetzwerke analysieren", sagt Thorsten Quandt, Professor für Kommunikationswissenschaft in Münster.

Die ersten Ergebnisse deuten Quandt zufolge darauf hin, "dass sich das Internet besonders gut für Racheaktionen eignet, wenn man selbst Opfer wurde". An den untersuchten Hauptschulen sei dieses Muster besonders auffällig gewesen: "Die Hauptschüler nutzen das Netz häufiger als Plattform, um sich zu rächen und nach einer erlittenen Mobbing-Attacke virtuell zurückzuschlagen."

Seine Hohenheimer Kollegin Festl kündigt an, dass in den kommenden Monaten und Jahren weitere Befragungen und eine tiefergehende Analyse folgen werden. Die Untersuchung ist Teil des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts "Cybermobbing an Schulen". Repräsentativ für ganz Deutschland ist sie allerdings nicht, auch weil die ausgewählten Schulen vor allem in Süddeutschland stehen.

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insgesamt 55 Beiträge
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1.
Berg 26.07.2013
Zitat von sysopCorbisJeder dritte Jugendliche hat Erfahrung mit Cybermobbing, viele als Täter und Opfer zugleich. Besonders oft trifft es Hauptschüler, wie eine neue Studie zeigt. Die Zahlen schockieren - doch wie funktioniert die Dynamik der Läster-Netzwerke eigentlich? http://www.spiegel.de/schulspiegel/cybermobbing-an-hauptschulen-besonders-haeufig-a-913351.html
Es ist ja so einfach und verlockend, im Kinderstübchen alleine vor dem Laptop zu sitzen, die zickige Klassenkameradin zu finden und ihr auf die Schnelle ein paar virtuelle Kränkungen zu verpassen. Warum hat sie sich bei Facebook oder Twitter eingetragen! Eine neue Art des Abreagierens, des Verabeitens. Die Empfängerin sollte es nicht so ernst nehmen - es sind alles nur Pixel aufm Monitor! :-(
2. Hauptschüler
roxxor 26.07.2013
Zitat von sysopCorbisJeder dritte Jugendliche hat Erfahrung mit Cybermobbing, viele als Täter und Opfer zugleich. Besonders oft trifft es Hauptschüler, wie eine neue Studie zeigt. Die Zahlen schockieren - doch wie funktioniert die Dynamik der Läster-Netzwerke eigentlich? http://www.spiegel.de/schulspiegel/cybermobbing-an-hauptschulen-besonders-haeufig-a-913351.html
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
3.
rattentier@gmx.de 26.07.2013
"Die Empfängerin sollte es nicht so ernst nehmen..." Haha selten so gelacht. Ich kann mir echt schwer vorstellen, dass sie jemals gemobbt wurden als Schüler/in. Man kann Kindern und Jugendlichen mit solchen "nicht so ernst" gemeinten Dingen ein leben lang die Psyche kaputtmachen. Denn wenn derjenige ohnehin schon "Opfer" ist wird er es ernst nehmen, ob das nun klug und sinnvoll ist oder nicht. Die Gefühle von Kindern und Jugendlichen besonders in der Pubertät sind vor allem von gleichaltrigen extrem schnell angreifbar.
4.
gekko88 26.07.2013
Zitat von sysopCorbisJeder dritte Jugendliche hat Erfahrung mit Cybermobbing, viele als Täter und Opfer zugleich. Besonders oft trifft es Hauptschüler, wie eine neue Studie zeigt. Die Zahlen schockieren - doch wie funktioniert die Dynamik der Läster-Netzwerke eigentlich? http://www.spiegel.de/schulspiegel/cybermobbing-an-hauptschulen-besonders-haeufig-a-913351.html
Das ist irgendwie kein bisschen überraschend.
5. Testobjekt Piratenpartei
simonlange 26.07.2013
Die Forscher sollten mal die Piratenpartei studieren. serious!
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Cybermobbing unter Jugendlichen
Was ist das?
Wenn jemand einen anderen Menschen absichtlich und über längere Zeit beleidigt, bedroht, bloßstellt oder belästigt, und wenn das im Internet oder per Handy geschieht, spricht man von Cybermobbing. Gerade unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter meist aus Schule, Verein oder Wohnviertel. Cybermobbing zwischen Personen, die sich noch nie gesehen haben, ist sehr selten.
Wie entsteht es?
Spannungen in der Klasse verlagern sich oft ins Internet, wo unbeliebte Schüler dann verspottet und belästigt werden. Manchmal brechen auch Freundschaften auseinander und ehemals gute Freunde tragen ihren Konflikt im Netz aus. In manchen Gruppen gehört es zum alltäglichen Umgang, sich gegenseitig herunterzumachen. Cybermobbing kann aber auch aus Unachtsamkeit oder Langeweile entstehen. Oft ist Jugendlichen nicht bewusst, wie verletzend ein flapsiger Kommentar sein kann.
Wie erkennt man es?
Opfer von Cybermobbing sind oft bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt. Viele können schlecht schlafen und haben morgens vor der Schule Schmerzen oder andere Beschwerden. Sie werden selten zu Geburtstagen oder Partys eingeladen und wollen lieber von ihren Eltern angeholt werden, statt mit dem Schulbus zu fahren. Wenn man sie darauf anspricht, spielen Jugendliche ihre Situation vor Erwachsenen oft herunter.
Wie schützt man sich?
Gebt möglichst wenige persönliche Daten im Internet preis, ladet möglichst wenige Bilder und Videos von euch hoch und macht niemals eure vollständige Adresse oder Handynummer öffentlich. Überprüft eure Sicherheitseinstellungen und gebt euren Privatbereich nicht für jeden frei.
Wie kann man sich wehren?
Nehmt beleidigende E-Mails, Bilder oder Posts nicht einfach hin, aber antwortet auch nicht direkt darauf. Fragt lieber zuerst eure Eltern, einen Lehrer oder einen guten Freund, wie ihr damit umgehen sollt. Redet mit Menschen an, denen ihr vertraut, und fresst den Ärger nicht in euch hinein. Speichert SMS oder E-Mails und macht Screenshots von Seiten, auf denen ihr beleidigt werdet. Sperrt Leute, die euch belästigen du meldet Kommentare an den Betreiber der Webseite. Geht in besonders ernsten Fällen zur Polizei und erstattet Anzeige.
Was droht den Tätern?
Cybermobbing ist kein Staftatbestand, aber in Cybermobbing vereinigen sich einzelne Straftaten. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung oder Gewaltdarstellung. Alle diese Vergehen können mit bis zu einem Jahr im Gefängnis bestraft werden, in manchen Fällen sogar härter. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafunmündig. Bei Jugendlichen steht nicht die Bestrafung, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. In Betracht kommen deshalb in erster Linie erzieherische Weisungen und Auflagen im Sinne des Jugendstrafrechts.

Quellen: www.klicksafe.de, www.polizei-beratung.de


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