Deichkind als Lehrer: Checkt erst mal ab, für was ihr brennt
Auf der Bühne verspritzen die Deichkind-Musiker Alkoholika aus Plastikschläuchen, im Klassenraum geben sie sich eher lieb. Für das Jugendmagazin "Spiesser" sprangen sie in einer Hamburger Schule als Lehrer ein, erzählten von Horrorjobs und vom Studium in Amsterdam.
"Was willst du später mal werden?" Den Schulabgängern wohl am meisten verhassten Mutti-Spruch bringen diesmal die Deichkinder Porki und Philipp Grütering. Die Klasse 10a wartet gespannt auf ihr Gruppen-Beratungsgespräch.
Herr Grütering knallt den Schlüsselbund aufs Lehrerpult: Guten Morgen!
Herr Porki: Kaugummi raaaaus!
Die beiden stellen sofort ihre strengen Lehrerqualitäten unter Beweis.
Herr Porki: Habt ihr schon alle einen Ausbildungsplatz?
Vereinzelte "Ja"-Rufe. Andere Schüler sind sich dagegen unsicher und enthalten sich.
Herr Grütering: Was habt ihr nach der Schule denn so vor?
Lennard: Abitur auf der weiterführenden Schule.
Herr Grütering: Und was versprichst du dir davon?
Lennard: Dass ich einen guten Schulabschluss habe und damit besser an eine Ausbildung komme.
Herr Porki: Kristian, was ist denn dein Plan?
Kristian: Keine Ahnung...bis jetzt.
Herr Porki: Das ist in eurem Alter oft so. Ihr checkt erst mal alles ab, bis ihr etwas findet, wofür ihr brennt. Da müsst ihr euch nicht schlecht fühlen, wenn ihr jetzt noch keine Ahnung habt.
Herr Grütering sorgt dafür, dass jeder zu Wort kommt: Der Aytac wollte auch noch was sagen.
Aytac: Nach dem Abitur will ich studieren. Vielleicht in Richtung Politikwissenschaften.
Herr Porki: Der Herr Grütering hat mal Jura studiert und ich ging in eine Elektroinstallateurlehre, bin aber danach an eine Musikhochschule in Amsterdam gegangen.
Aytac: Warum eigentlich Holland?
Herr Porki: Kiffen war kein Grund - davon bekomme ich Paranoia. Der Grund war die Musikhochschule. Das Conservatorium van Amsterdam und ein Teil der Amsterdam School of Arts.
Nina: Was halten Sie eigentlich von Castingshows?
Herr Porki: Ich bin froh, dass mein Kumpel Bo als Jurymitglied bei X-Factor endlich eine feste Anstellung gefunden hat. Vor zwei Jahren hat er noch bei mir auf der Couch gewohnt. Wenn ihr aber wirklich Musik machen wollt, dann besucht den Popkurs an der Musikhochschule hier in Hamburg. Die können euch was beibringen.
Auch Deichkind hat mal klein angefangen. Wie sah es bei den Jungs mit Nebenjobs aus?
Herr Porki: Ich hab mal Kreditkarten am Bahnhof vertickt. Voll der Horror, da gings um jede verkaufte Karte.
Herr Grütering: Jobben kann ich nur empfehlen. Da lernt man eine Menge Leute kennen und weiß danach, was man nicht machen will. Ich hab gekellnert, Pizza ausgefahren und im Hotel Frühstück gemacht.
Florian: Ich trag Zeitungen aus.
Herr Grütering: Das war auch mein erster Job.
Christine: Ich gebe hier in der Schule nachmittags einen Kurs für die Grundschüler, babysitte und führe die Hunde in unserer Nachbarschaft aus.
Herr Grütering: Wart ihr mal im Berufsinformationszentrum?
Aytac: Ja, wir mussten dort einen Persönlichkeitstest machen, und da kamen dann Berufsvorschläge raus. Ich sollte Polizist, Zollbeamter oder Hebammer werden.
Interessanter Vorschlag! Den Beruf übt in Deutschland genau ein Mann aus.
Herr Porki: Irgendwie werdet ihr euren Weg finden.
Herr Grütering: Sorgen gab es bei uns auch! Unsere Eltern haben uns ständig gefragt, ob man mit Musik überhaupt Geld verdienen kann. Man sollte keine Angst haben, seinen Träumen hinterherzurennen.
Von Lien Herzog für das Jugendmagazin "Spiesser"
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
- Twitter | RSS
- alles zum Thema Schulen
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 22.02.2012 – 08:47 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 19 Kommentare
- SPIESSER

Deutschlands große JugendzeitschriftAusgabe Februar/März 2012
- Aktuelles Heft im Netz
- Homepage SPIESSER
- Fotostrecke: "Von Kiffen bekomme ich Paranoia"
- Rocker als Lehrer: Kraftklub versprüht Ruhmaroma (26.12.2011)
- Vertretungsstunde mit Juli: Es war 'ne geile Zeit (01.12.2011)
- Thomas D als Vertretungslehrer: Futterkunde beim Pflanzenfresser (26.04.2011)
- Vertretungsstunde: Blumentopf und die Physik des Longdrinks (12.07.2010)
- Krawallband Deichkind im Theater: "Wir geben Müll eine neue Bedeutung" (25.02.2010)
- Deichkind-Produzent: Sebastian Hackert ist tot (24.02.2009)
MEHR AUS DEM RESSORT SCHULSPIEGEL
-
Mein erstes Mal
Das habe ich noch nie erlebt: Premieren, die den Puls hochjagen -
Karrieren
Wie werde ich...? Prominente erzählen die Geschichte ihres Lebens -
Austauschlog
Ab ins Ausland: Notizen aus dem spannendsten Jahr der Schulzeit -
Tools
Ferien, Referathilfe, Austausch und mehr: Der SchulSPIEGEL-Service -
Jugendsprache
Quiz: Sprechen Sie jugendlich? Check das mal pornös aus!

