Deutschlands beste Schülerzeitung: "Die Schule läuft nebenbei"

Beste Reportage, bestes Titelbild, beste Schülerzeitung: "Innfloh" aus Bayern hat beim SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb den Titel verteidigt. Die Chefredakteure Kathrin, Tobias und Matthias verraten im Interview, warum beim Blattmachen Hausaufgaben schnell zur Nebensache werden.

Ausgezeichnet: Die besten deutschen Schülerzeitungen Fotos
Oliver Trenkamp

SPIEGEL ONLINE: Herzlichen Glückwunsch, Ihr seid die Chefredakteure der besten deutschen Schülerzeitung und habt damit den Titel verteidigt - mit einem ziemlich schweren Thema: Angst. Eure Vorgänger haben letztes Jahr ein Heft zum Thema Krieg gemacht. Liegt dem "Innfloh" das Seichte und Leichte nicht so?

Matthias Schyma: Doch, wir erscheinen zwei Mal im Jahr, das Sommerheft ist immer etwas leichter. In der aktuellen Ausgabe dreht sich alles um das Thema "Kurios".

Tobias Gafus: Dort erscheint eine Reportage über einen Bauern, der ein Baumhaushotel betreibt, und über einen Layouter, der als Cowboy in die USA ging. Eine Geschichte heißt "Traumjob Kanalarbeiter".

SPIEGEL ONLINE: Das ist Euer Konzept: Leichtes im Sommer, Schweres im Winter?

Matthias: Das hat eine gewisse Tradition, ja. Und wir wollen unseren Lesern Lebenswelten zeigen, die man als Schüler sonst eher nicht kennenlernt. Wir wollen sie mit Schicksalsschlägen konfrontieren - und zeigen, wie man Kraft daraus schöpfen kann. Etwa mit der Reportage über ein Mädchen, das mit elf an Leukämie erkrankte, den Krebs aber besiegt hat.

Tobias: Angst ist ein unheimlich spannendes Thema, sie kann Menschenleben zerstören. Sie ist - wie es auf unserem Titel heiß - ein "Gefängnis ohne Gitter". Ich habe über einen Sozialphobiker geschrieben, die seine Wohnung nicht mehr verlässt und jetzt seit Jahren arbeitslos ist. Ein mutiger Mitschüler hat über die Schulphobie geschrieben, an der er litt.

Kathrin Bauer: Aber natürlich haben wir auch in den Winterheften unterhaltsame Rubriken und Texte. Bei unserem "Perfekten Lehrerdinner" laden wir uns selbst zu Lehrern ein und lassen uns bekochen.

SPIEGEL ONLINE: Wer kocht besonders gut?

Kathrin: Unser Mathe- und Physiklehrer ist ein Spitzenkoch, er hat uns mit einem ganzen Menü begeistert, am besten war das Dessert: Tiramisu.

SPIEGEL ONLINE: Eure Redaktion ist auf 50 Mann angewachsen. Nachwuchsprobleme habt ihr nicht?

Kathrin: Nein, eher nicht. Nach dem Sieg beim Schülerzeitungswettbewerb im letzten Jahr, kamen viele Neue dazu.

SPIEGEL ONLINE: Wie organisiert man das Blattmachen in so einer großen Truppe?

Kathrin: Wir treffen uns jeden Freitag alle zusammen und dann teilen wir uns in Gruppen, wir nennen sie Schäfchengruppen. Jeder von uns betreut etwa 12 Mitschüler und arbeitet mit ihnen zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr seid die Hirten?

Tobias: Genau, wir und ein Layouter, der auch eine Gruppe leitet.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Zeit nimmt das in Anspruch?

Matthias: Ein Beispiel: Unser Layouter hat in den drei Wochen vor Redaktionsschluss 120 Stunden nur am Heft gearbeitet, neben der Schule, neben den Klausuren und Prüfungen.

SPIEGEL ONLINE: Und wie regelt Ihr die Nachfolge in der Chefredaktion, wenn Ihr nächstes Jahr Abitur macht?

Kathrin: Das wird schon schwierig, die ganze alte Riege tritt gerade ab.

Matthias: Grundsätzlich wird gewählt, aber wir haben schon ein paar Kandidaten im Auge.

Tobias: Den künftigen Chefredakteuren muss klar sein, wie viel Zeit das kostet. Zehn Stunden pro Woche, das reicht niemals. Das ist nichts, was man nebenbei machen kann. In Extremzeiten läuft die Schule nebenbei, Hausaufgaben sind einfach nicht so wichtig wie ein gelungener Titel.

SPIEGEL ONLINE: Wie soll es bei Euch weitergehen nach der Schule?

Matthias: Erstmal durchatmen. Und die Welt angucken.

Tobias: Wahrscheinlich Jura studieren, um als Anwalt oder Diplomat zu arbeiten. Vielleicht aber auch als Journalist.

Kathrin: Ich will reisen, Italienisch lernen und dann mal schauen. Journalismus ist auf jeden Fall eine Option.

Das Interview führte Oliver Trenkamp

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Die "Innfloh"-Chefredakteure
Beim SPIEGEL-Wettbewerb "Die besten Schülerzeitungen Deutschlands" holte ihr Heft zum zweiten Mal in Folge den Gesamtsieg: "Innfloh" aus Mühldorf am Inn, Bayern. Über 50 Schüler arbeiten in der Redaktion mit, unter der Leitung von Kathrin Bauer, 18, Tobias Gafus, 18, und Matthias Schyma, 17. Wenn alles glatt läuft, machen die drei im kommenden Jahr Abitur.

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