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Bildung: Menschen ausländischer Herkunft haben häufiger Abitur als Deutsche

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Schüler mit Migrationshintergrund: Das Bildungsniveau steigt

Fast jeder dritte Einwohner Deutschlands mit Migrationshintergrund hat Abitur oder Fachhochschulreife - so viele wie nie zuvor. Allerdings spielt das Herkunftsland eine große Rolle.

Immer mehr Schüler in Deutschland machen Abitur: 28,8 Prozent der Bevölkerung haben laut Statistischem Bundesamt die Studienberechtigung. Dabei ist der Anteil derjenigen, die eine Studienberechtigung haben, in der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund höher als in der Gruppe der Bundesbürger ohne ausländische Wurzeln.

Demnach besaßen 2014 genau 30,0 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund Abi oder Fachhochschulreife, gut ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Menschen mit Abitur, die keine Zuwanderungsbiografie haben, wuchs binnen eines Jahres von 27,7 auf 28,5 Prozent (2014). Das berichtete das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden.

Ein tieferer Blick in die Zahlen enthüllt allerdings, dass die größere Quote unter Migranten in erster Linie mit den vielen deutschen Rentnern zu erklären ist. Unter ihnen gibt es relativ wenige mit Abi oder Fachhochschulreife. Dies verzerrt die Gesamtstatistik dann so stark, dass Migranten schließlich auf eine höheren Abi-Anteil kommen. Tatsächlich haben Migranten in fast allen Altersgruppen eine niedrigere Abitur- und Fachhochschul-Quote als Deutsche - siehe folgendes Diagramm.

"Das gesamte Bildungsniveau steigt", sagte Udo Kleinegees vom Bundesamt. Eigentlich dürfte der Anteil der Bürger mit Abi noch höher sein, als es die Statistik ausweist, denn sie bezieht alle Menschen ab 15 Jahren ein. Das Abitur wird in der Regel aber frühestens mit 17 Jahren abgelegt.

Bei den Abiturienten mit Migrationshintergrund gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Herkunftsländern. Von den Menschen mit türkischen Wurzeln - mit rund 2,2 Millionen die größte Gruppe in Deutschland - haben nur gut 14 Prozent Abi oder Fachhochschulreife.

Bundesbürger aus der Ukraine haben am häufigsten Abitur

Bei der zweitgrößten Gruppe, den Polen (1,3 Millionen), sind es rund 36 Prozent. Bei den Spaniern waren es 43 Prozent, von den Menschen mit Wurzeln in der Ukraine haben fast 51 Prozent Abi oder Fachhochschulreife. Bei den 67.000 Syrern ist es jeder Dritte, bei den 112.000 Afghanen fast jeder Dritte.

So gut die Schulbildung bei vielen Mitgliedern aus Migrantenfamilien ist, so schlecht steht es bei vielen von ihnen um die Berufsausbildung: 46,5 Prozent von ihnen haben laut Statistischem Bundesamt keinen beruflichen Bildungsabschluss - im Vergleich zu 21,2 Prozent in der Bundesbevölkerung ohne ausländische Wurzeln.

In der Bundesrepublik leben 12,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, sie sind - so die sehr breit gefasste Definition vom Statistischen Bundesamt - unabhängig von ihrer heutigen Staatsangehörigkeit entweder selbst aus dem Ausland zugewandert oder stammen von mindestens einem zugewanderten Elternteil ab.

Ergänzung: Die Erklärung im dritten Absatz, warum Migranten eine höhere Abi-Quote haben als Deutsche, wurde nachträglich ergänzt - ebenso wie das Diagramm.

lgr/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 168 Beiträge
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1. wetten es ist nicht das Herkunftsland sondern die (soziale) Herkunft
Strangelove 08.09.2015
schön wenn das Land als Zuordnung herhalten muss. Ich bin mir recht sicher, dass die soziale Herkunft viel mehr dafür verantwortlich ist wie viele Abitur haben. Für die Deutschen hat man das ja schon belegt. Und der geringe Prozentsatz bei den Türken, die meist von der Gastarbeitergeneration abstammen, lässst sich damit erklären, dass eben viele Herkunftsfamilien "bildungsfern" sind.
2. Wer mehr wissen mag:
Robert Mitchum 08.09.2015
Die Boeckler Stiftung hat einiges zu dem Thema, das meiste ist unter linbrary.fes.de abrufbar. Kernaussagen: Bildung ist stark von der Kultur nebst Elternhaus abhängig. So sind zum Beispiel Iraner im Schnitt massiv besser gebildet als türkische oder Libanesische/marokkanische Migranten. Die Abiturientenquote ist unter Koreanern und Iranern sogar höher als unter "Einheimischen". Nur um den "Islam-Kritikern" gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wenn sich jemand einen Sch**** um Bildung als Wert kümmert, dann ist das ein Problem des Elternhauses. Nicht der Religion. Ansonsten müssten wir wie viele Koreaner am besten Buddhisten werden um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
3. wichtig: Bildung und Deutsch
austenjane1776 08.09.2015
Flüchtlinge müssen schnell Deutsch lernen - sonst ist ihre Bildung nichts wert. Das muß die GroKo organisieren - wer sie holt, muß sich drum kümmern. Die Fachleute für diesen Unterricht müssen endlich feste Jobs haben und alle neuen Leute unterrichten. Wenn die "Neuen" Deutsch können - ja, dann kann man über Schle, Ausbildung und Studium nachdenken. Sonst ist das völlig sinnlos. Die atmen sonst nur in den Klassen die Luft weg und kapieren nix. Würde mir in Syrien genauso gehen. Zum Abi -Fachabi - das Absenken des Niveaus mit "KOmpetenz"- Gelaber usw sollte man bedenken. Und ein Schulabschluß ist nur was wert, wenn die Leute auch was können - zB Lesen, Schreiben, Mathe. Und da sind oft die Probleme.
4. Stopp!!! Stopp!!!
lupo44 08.09.2015
diese Behauptung mag für die letzten 25 Jahre gelten.Aber fragt doch mal unsere Bundeskanzlerin wie das mit der Bildung in der damaligen DDR war? Natürlich wird sie entgegen ,dass Gegner des sozialistischen Staates leider keinen Zugang zur Abitur Abgabe hatten. Aber ansonsten konnte auf Grund der guten Schulbildung 80% dre jungen Meschen das Abitur machen als Vorbereitung für das Fach und Hochschulstudium.Dabei spielte es keine Rolle ob die Eltern sich das leisten konnten.Wir sprechen hier von deutschen Kindern-Migrationshintergrund spielte in der DDR damals noch nicht die große Rolle.Aber es wurden auch aus KUBA,Vietnam und Afrika Junge Leute hier zum Studium zugelassen. Dieses Zahlenspiel ist einfach irreal und fordern eine Diskussion.
5. Glaube ich nicht
fragel 08.09.2015
Viele der Migranten haben keine echten Papiere mitgebracht , da ist es sehr verwunderlich, das die Schulzeugnisse vorhanden sind. erzählen kann man viel. Ich glaube nicht, das die angaben stimmen und vermute eher, dieser Bericht soll den Deutschen etwas vorgaukeln.
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