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Lehrerschicksale: Solche Eltern sind die Pest

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"Mein Sohn hat Geburtstag, verschieben Sie die Deutscharbeit": Wenn es in der Schule nicht rund läuft, drehen Eltern schnell mal durch. Hier erzählen Lehrer von absurden Situationen mit extrem aufgeregten Vätern und Müttern.

"Da ich selbst Mutter bin", schreibt eine Lehrerin aus Baden-Württemberg in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE, "kenne ich die Ängste von Eltern und den Wunsch, das Beste für sein Kind zu wollen." Trotzdem, so die Frau, "gibt es manchmal Situationen, die sich auch meinem Verständnis entziehen".

Situationen, in denen Eltern die Lehrer ihrer Kinder in den Wahnsinn treiben. Weil sie Forderungen stellen, die nicht nur unrealistisch sind, sondern auch nicht im Interesse des Kindes sein können - wenn man der Schule eine lebenserzieherische Aufgabe zubilligt, und Unterricht nicht nur als private Kuschelstunden begreift.

Lehrerin war und sei immer noch ihr Traumberuf, erzählt die Grundschullehrerin weiter. Und das Studium bereite einen auch gut vor: Auf den Unterricht, den Bildungsplan, die Pädagogik. "Nur nicht auf die Eltern. Mit denen muss man dann so klarkommen." Ihr sei die Zusammenarbeit mit den Müttern und Vätern wichtig, sagt die Lehrerin. Deshalb bereite sie sich auf jedes Elterngespräch genauestens vor, spricht im Vorfeld sogar mit anderen Kollegen über die wichtigen Themen und Probleme. "Und dann? Gehe ich in das Gespräch - und bin manchmal doch nicht vorbereitet auf das, was da kommt."

Hier berichten die Grundschullehrerin aus Baden-Württemberg und ein Lehrer eines Gymnasiums aus Niedersachsen anonym über skurrile Vorfälle mit Eltern, die, so der Lehrer, "sich genau so abgespielt haben und sich sicher andernorts vermutlich nahezu täglich wiederholen".

Absurde Bitte per E-Mail: Geburtstagsfeier statt Deutschklausur

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imago/ Westend61

"Eines Mittags erhalte ich eine E-Mail von einem Vater, sein Sohn habe demnächst Geburtstag und hätte für diesen Tag die halbe Klasse zu einer Feier eingeladen. Nun gäbe es nur leider ein Problem: Am Tag darauf würde ja die Deutscharbeit geschrieben. Die könne man doch getrost verschieben. Sonst wäre die Laune des Geburtstagskinds und der Gäste - also der gesamte Geburtstag - verdorben. Ich antworte freundlich, dass so etwas nicht möglich sei. Wenige Stunden später ruft mich die Elternvertreterin an - mit just demselben Anliegen. Ich mache also darauf aufmerksam, dass ich wegen diverser Geburtstagsfeiern von 25 Zweitklässlern keine Arbeiten verschieben kann…"

Aufgeregte Mutter: Wo ist die Jacke? Ich gehe jetzt zur Polizei!

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imago

"Ich laufe gut gelaunt vom Parkplatz in Richtung Schuleingang, wo ich direkt von einer Mama abgepasst werde: Sie vermisst die Jacke ihres Sohnes. Schon seit über 24 Stunden. Sie hat ein Foto dabei und bittet mich, ihr Problem mit dem Lehrerkollegium zu besprechen. Auf meine Bitte hin, noch zwei oder drei Tage zu warten, da erfahrungsgemäß die Dinge dann wieder auftauchen, schleudert sie mir entgegen, dass sie sich nun auf den Weg zur Polizei machen werde. Eine Anzeige gegen Unbekannt aufgeben. Wegen Diebstahls. Pflichtbewusst zeige ich jedem Kollegen das Foto. Der Schulleiter bittet ebenfalls jeden, in seiner Klasse nachzufragen, da besagte Mutter auch an ihn eine seitenlange E-Mail bezüglich des 'Vorfalls' geschrieben hat. Zwei Tage später ist die Jacke wieder da. Ein Klassenkamerad hatte sie verwechselt, mit nach Hause genommen, und seine Mutter hatte es nicht sofort bemerkt."

Telefonat mit einem Elternteil eines Siebtklässlers: Die Halbjahresnote in Geschichte

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DPA

"Das Telefon klingelt:
'Was mein Sohn mir da heute erzählt hat, ist ja unglaublich. Er bekommt eine Drei in Geschichte?'
'Ja, so sieht das derzeit wohl aus. Die Arbeit war befriedigend, mündlich sieht es ebenso aus; da nützt auch die höhere Gewichtung des Mündlichen nicht, sodass am Ende eben eine Drei herauskommt.'
'Aber der Junge ist doch mündlich viel besser!'
'Woher wissen Sie das? Woher stammt diese Information?'
'Er hat gesagt, dass er immer mitmacht und sich ständig meldet, Sie ihn aber nie drannehmen!'
'Ach so, na, wenn er das sagt, dann wird es wohl so sein. Was glauben Sie denn, was er mündlich verdient hat?'
'Mindestens eine Zwei. Und dann kommt am Ende auch eine Zwei als Endnote raus.'
'Na gut, dann gebe ich ihm eben eine Zwei.'
'Wie, Sie ändern so einfach die Note? Das geht doch nicht!'
'Dann erklären Sie mir doch bitte: Warum rufen Sie mich eigentlich an?'"

Der Klassiker: Anwalt statt Strafarbeit?

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imago

"Große Diskussionen gibt es auch regelmäßig beim Thema Strafarbeiten. Da wird man sofort angerufen und darauf hingewiesen, dass Strafarbeiten pädagogisch nicht sinnvoll seien, und das Kind diese also auf gar keinen Fall machen wird. Und das nächste Mal werde sich sonst der Anwalt melden. Man [das Elternteil] sei schließlich berufstätig und hätte für so einen Schwachsinn keine Zeit. Ich gebe mittlerweile keine Strafarbeiten mehr. Sie führen meines Erachtens zu keiner Verhaltensmodifikation - weder bei den Kindern noch bei den Eltern."


Andreas Gleim, Chefjustiziar der Hamburger Schulbehörde, über absurde Fälle, in denen Eltern die Schulen und Lehrer ihrer Kinder verklagen:

DER SPIEGEL
Lehrergeständnisse
  • Corbis
    Schulalltag ist manchmal Kampf, manchmal großer Spaß: Hier berichten Lehrer von absurden Erlebnissen mit Eltern und Schülern - und wie sie diese manchmal gekonnt überlisten. Sind Sie selbst Lehrer? Dann melden Sie sich gern bei uns unter spon_unispiegel@spiegel.de (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.) Hier geht's zu den Lehrergeständnissen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 335 Beiträge
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1. Die armen Lehrer...
xvxxx 06.10.2015
ich als Vater könnte Ihnen Geschichten von Rechtsbeugung, Willkür, Druck , Günstlingswirtschaft , Ungerechtigkeit, ungeahndeter psychischer Gewalt usw. seitens der Lehrkörper erzählen, die ich die Gelegenheit hatte und habe während der Schulzeit meiner Kinder direkt oder indirekt zu erleben. D.h. ich denke die beschriebenen Vorfälle sind zwar schräg, und ich halte diese für durchaus echt, aber leider ist der Lehrkörper genauso besetzt vom Querschnitt der Bevölkerung wie die Elternschaft....
2.
claterio 06.10.2015
In jedem Beruf hat man hin und wieder unbequeme oder dumme Kunden. Man muss lernen damit umzugehen. Dafür wird man bezahlt. Das gilt auch für Lehrer. Allein den Lehrern bieten Sie hier ein Podium, sich über ihre Kunden (vulgo: Eltern) herablassend auszulassen. Sicher wäre es interessant (journalistische Sorgfalt), auch mal die Gegenseite zu hören. Vielleicht waren die Vorfälle ja doch ganz anders. Wenigstens heißt diese Rubrik nicht mehr "Geständnisse", es sind ja auch eher Mimimi-Beiträge von einigen wenigen Lehrern. Im Übrigen bin ich überzeugt, die die große Mehrheit der Eltern und Lehrer sich recht normal und kooperativ verhält.
3. oh mein gott...
babubo 06.10.2015
alle am durchdrehen. In meiner Schulzeit hätten meine eltern niiie beim Lehrer angerufen um sich zu beschweren...im gegenteil...note schlecht..tja nicht genug gelernt... Und ich hab mich durchgeboxt und es hat mir sicherlich nicht geschadet... aber das schlimme ist diese Eltern gibts schon im Kindergarten....
4. Wo ist das Problem?
fasoulaki 06.10.2015
Eltern die Rechtsmittel gegen Noten und Strafarbeiten einlegen, haben tatsächlich ein seltsames Verständnis von Schule aber Aufregung über die Bitte um Verschiebung der Klassenarbeit kann ich nicht nachvollziehen. Da hat ein Kind Geburtstag. Die Feier ist von langer Hand geplant. Die halbe Klasse ist eingeladen. Schließlich macht die Lehrerin allen einen Strich durch die Rechnung und kündigt für den Tag darauf eine Klassenarbeit an. Wieso bitte wird eine Lehrerin in den Wahnsinn getrieben, wenn Sie nett darum gebeten wird, die Arbeit um einen Tag zu verschieben? Wenn es terminlich nicht geht, dann geht es halt nicht aber lieb Fragen sollte doch erlaubt sein? Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wo das Problem sein soll. Das ist doch ganz im Gegenteil ein Paradebeispiel für offene Kommunikation zwischen Eltern und Lehrern, wenn man so was anspricht.
5. Es ist genau umgekehrt!
eigene_meinung 06.10.2015
Die meisten Eltern trauen sich ja gar nicht mehr, Dinge anzusprechen, die ein Lehrer als Kritik verstehen könnte. Die Kinder müssten das dann nämlich ausbaden.
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