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22. Februar 2013, 12:00 Uhr

Euro-Skepsis

Britisches Schulbuch ätzt über EWG-Beitritt

Wird den Briten die Europa-Skepsis schon in der Schule eingeimpft? In einem Geschichtsbuch teilt ein Historiker ordentlich gegen die Europäische Einigung aus, mit "Täuschung" seien die Briten in die Gemeinschaft gelockt worden. Der Verlag sieht kein Problem, Lehrer könnten die Darstellung relativieren.

Die Briten pflegen ihre Euroskepsis offenbar nicht nur in der Politik, sondern auch im Schulunterricht. Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtete, wird seit 2008 in einem Oberstufen-Geschichtsbuch die Entwicklung zum Beitritt der Briten zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), Vorläufer von Europäischer Gemeinschaft und Europäischer Union, im Jahre 1973 recht eindimensional erklärt.

In dem Werk "Britain 1945-2007" sind dem Historiker Michael Lynch die Vorteile des Beitritts gerade einmal fünf Zeilen wert. 26 Zeilen widmet er hingegen dem EU-Pessimismus. Über die Entwicklung hin zur EWG schreibt er: "Den Briten wurde nie die ganze Wahrheit erzählt." Die Menschen seien damals über bestimmte Tatsachen nicht richtig informiert worden. Die Behauptung der Europa-Befürworter etwa, der Beitritt habe keine politischen Absichten gehabt, sei eine "Täuschung", heißt es im Buch.

Tendenziöse Version

Das Argument, die EWG-Mitgliedschaft würde wirtschaftliche Vorteile bringen, wird in der historischen Zusammenfassung als eine "Illusion" bezeichnet. Das Buch ist Teil der britischen Schulbuchserie "Zugang zur Geschichte", herausgegeben von der Londoner Hodder Education Group, die zu einem französischen Großverlag gehört. Nach eigenen Angaben ist Hodder Education Marktführer für Oberstufen-Geschichtsbücher in Großbritannien.

Der liberaldemokratische Parlamentsabgeordnete Julian Huppert bezeichnete es als "sehr besorgniserregend, dass ein anerkanntes Schulbuch eine so einseitig euroskeptische Darstellung bietet". Es sei wichtig, in der Schule eine ausgewogene geschichtliche Darstellung zu bieten, um sich später eine eigene Meinung bilden zu können. Stephen Dorrell, Mitglied der Conservative Party, sprach zwar von einer tendenziösen Version der Ereignisse, er würde den meisten 17- bis 18-jährigen Schülern aber durchaus zutrauen, diese Argumentation zu durchschauen. "Der besten Weg, bei einem 17-Jährigen eine Reaktion zu erreichen, ist doch, etwas zu vertreten, was seiner Aufgeschlossenheit widerspricht", so Dorrell.

Der Verlag hält die Aufregung für übertrieben. Geschichte können nun einmal unterschiedlich interpretiert werden. Sollte einigen Pädagogen Lynchs Version zu einseitig sein, stehe es den Lehrern frei, im Unterricht auf andere Bücher zurückzugreifen. Eine Sprecherin des Bilungsministeriums erklärte, "Britain 1945-2007" würde nicht offiziell auf dem Standard-Lehrplan britischer Schulen stehen, könnte aber über eine Vorschlagsliste angefordert werden.

jon

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