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Azubis aus Andalusien: "In Spanien hätte ich jetzt nichts" Fotos
DPA

Verstärkung aus dem Krisenland: Der Spanier Manuel Pena, 25, soll bald in Deutschland eine Ausbildung beginnen. Er und seine Freunde sind erst der Anfang, insgesamt will die Bundesregierung 5000 iberische Lehrlinge holen.

Neun junge Männer aus Andalusien stehen beeindruckt vor dem Ulmer Münster und schauen zum höchsten Kirchturm der Welt empor. Sie sind keine Touristen. Wenn alles gutgeht, wollen sie sich in der baden-württembergischen Donaustadt eine neue Zukunft aufbauen.

"Es ist eine schöne Stadt, aber kalt", sagt der 25-jährige Manuel Pena. Er wird im September eine Ausbildung in einer Ulmer Baufirma beginnen. Die Handwerkskammer Ulm gehört zu den Vorreitern bei der Anwerbung junger Spanier für eine Lehre, um den Fachkräftemangel abzumildern. Einen Anfang sollen die neun Spanier machen, die sich derzeit in Ulm einrichten. Im vergangenen Jahr konnte der Kammerbezirk viele Lehrstellen nicht besetzen.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal nach Deutschland komme", sagt Pena einen Tag nach der Ankunft. "Aber in Spanien hätte ich jetzt nichts." Seit zwei Jahren sei er schon arbeitslos. In dem von der Wirtschaftskrise gebeutelten Land sind 56 Prozent der jungen Menschen ohne Job. "Ich kenne die deutsche Art, Freundlichkeit und Pünktlichkeit, ich mag das", sagt Pena. Er wolle die Sprache lernen, die Ausbildung gut machen und "hier auch etwas erreichen". Ob er dann bleibt oder wieder zurück nach Spanien geht, weiß er noch nicht.

In den sechziger Jahren waren bereits viele Spanier im Zuge der Anwerbeverträge als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Seit der Krise zieht es nun wieder zahlreiche Südeuropäer verstärkt nach Deutschland, die meisten sind gut qualifiziert und Akademiker.

Für die deutschen Betriebe im Handwerk zählen vor allem Fleiß und Motivation, neben einer mittleren Schulreife. "Wir suchen guten Nachwuchs, und dieser ist bei uns sehr schwierig zu bekommen", sagt Konrad Mezger, Geschäftsführer der Baufirma, die den neun jungen Spaniern einen Ausbildungsplatz geben will. "Wir dürfen nicht dieselben Fehler wie damals bei den Gastarbeitern machen", sagt Mezger mit Blick auf die verschlafene Integration jener Zeit.

"Wir wollen alle, dass sie hierbleiben"

"Bienvenidos a Alemania", begrüßt Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, die Spanier beim offiziellen Empfang am Montag in der Ulmer Handwerkskammer. "Ich habe große Achtung vor dieser Entscheidung, aus dem familiären Umfeld herausgerissen zu werden und sich auf eine neue Kultur einzustellen", sagt Becker. "Wir wollen natürlich alle, dass Sie nach dem Ausbildungsende hierbleiben." Die Bundesarbeitsagentur unterstützt mit der Bundesregierung die Orientierungsphase der jungen Europäer über das neue Förderprogramm MobiPro-EU.

"Wir wollen, dass sie hier nicht nur arbeiten, sondern auch leben können", sagt der Hauptgeschäftsführer der Ulmer Handwerkskammer, Tobias Mehlich. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass sie sich in unserem Land wohlfühlen." Die Kammer hat das Projekt Azubis aus Spanien mit Partnern aufgebaut, lange bevor Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Abkommen mit Spanien in der vergangenen Woche unterzeichnete, um gezielt jungen Europäern berufliche Perspektiven in Deutschland zu bieten. Demnach sollen in den nächsten vier Jahren rund 5000 junge Spanier in Deutschland einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle erhalten.

In ihren gut drei Lehrjahren erhalten die spanischen Azubis in Ulm das volle Ausbildungsgehalt sowie einen Zuschuss. Sie wohnen im Internat der Handwerkskammer. Bis zum Ausbildungsstart im September besuchen sie in Ulm einen Deutschkurs und machen Betriebspraktika. Ein spanischer Verein soll außerdem bei der kulturellen und sozialen Integration helfen.


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insgesamt 37 Beiträge
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1. Man hat unser
felisconcolor 21.06.2013
Schulsystem mit blödsinnigen Reformen hingerichtet. Pädagogen und Psychologen mit übersteigertem Selbstbewustsein wurschteln unsere Kinder kaputt. Das Ende vom Lied, selbst in der Hauptschule schaffen vier Schüler von knapp 20 nicht den Abschluss. Wo ist der LehrAuftrag geblieben. Anstatt sich hier massiv für eine bessere Bildung der eigenen Jugend einzusetzen, werden Lehrlinge importiert. Der Rest kann ja zusehen wie sie zurecht kommen.
2.
Plasmabruzzler 21.06.2013
Zitat von sysopAzubi-Import [...] insgesamt will die Bundesregierung 5000 iberische Lehrlinge holen.
Kommen wir zu den Fakten: Berufsbildungsbericht: Weniger neue Ausbildungsverträge für Azubis - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/berufsbildungsbericht-weniger-neue-ausbildungsvertraege-fuer-azubis-a-899948.html) Ausbildungspakt: 250.000 Jugendliche kriegen keinen Ausbildungsplatz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/ausbildungspakt-250-000-jugendliche-kriegen-keinen-ausbildungsplatz-a-881445.html) Da stellt sich die Frage, wo sollen die 5.000 importierten angehenden Azubis unterkommen? Sind sie qualifizierter als die hiesigen Schulabgänger? Ich vermute (!) stark, dass hier einige Unternehmen Werbung machen wollen, so dass sie medienwirksam jungen Leuten aus problematischen europäischen Regionen eine Chance geben.
3. Hmm...
sebastian.teichert 21.06.2013
Wenn man allen Zuschüsse und freies wohnen, sowie Planung der Freizeit ohne extra kosten anbieten würde, könnte man vllt. auch hier geeignetes Personal finden!!! Wer soll ne Wohnung, Auto und das wichtigste sonst von 450 Euro im Monat bezahlen? oO Außerdem sollen sie mal den Ball flach halten! Son riesen Ding ist auswandern auch nicht. Hab's selbst nach Schweden gemacht!
4. Das ist unverschämt!
AusVersehen 21.06.2013
Zitat von sysopAzubi-Import aus dem Krisenland: Der Spanier Manuel Pena, 25, soll bald in Deutschland eine Ausbildung beginnen. Er und seine Freunde sind erst der Anfang, insgesamt will die Bundesregierung 5000 iberische Lehrlinge holen. [url]http://www.spiegel.de/schulspiegel/fachkraeftemangel-azubis-au
Das ist schon wirklich unverschämt. Aber so agiert die deutsche Wirtschaft. Es kann doch nicht angehen, dass man ausländische Lehrlinge ins Land holt, während tausende Jugendliche händeringend eine Ausbildungsstelle suchen. Das sind UNSERE KINDER! Haben die Wirtschaftslenker denn überhaupt keinen moralischen Anstand mehr? Einfach nur widerwärtig!
5. Ist auch irgendwie logisch
static2206 21.06.2013
wenn sich jemand als "Vrisör" bewirbt oder als Bankkauffrau/-mann mit einer 5 in Mathe aber wie immer ist der import einfacher als es in die Hand zu nehmen und selbst herzustellen.
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Was Azubis Realität ist
Unbezahlte Überstunden
Azubis müssen oft unentgeltlich Überstunden machen. Das geht aus dem DGB-Ausbildungsreport 2009 hervor, für den rund 7000 Lehrlinge befragt wurden. Gut vier von zehn (42,2 Prozent) sagen, dass sie regelmäßig länger als vertraglich vereinbart arbeiten. Fast jeder Fünfte (18,8 Prozent) erhält dafür nach eigenen Angaben keinen Ausgleich. Für Überstunden steht Azubis aber immer eine Vergütung oder Urlaub zu, wie das Bundesbildungsministerium erläutert.
Fachfremde Tätigkeiten
Besonders in kleineren Betrieben müssen Lehrlinge laut dem DGB-Ausbildungsreport oft Dinge erledigen, die nicht zu ihrer Ausbildung gehören. In Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern sagt demnach jeder fünfte Lehrling (19,4 Prozent), dass ihm "häufig" oder "immer" solche Aufgaben übertragen werden. In Betrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern sagt das nur etwa jeder 15.(6,5 Prozent).
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