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Familie Romeike: Deutsche Schulverweigerer dürfen ohne Asyl in USA bleiben

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Familie Romeike: "Wir sind sehr erfreut"

Asyl erhalten sie nicht, bleiben dürfen sie trotzdem: Die US-Heimatschutzbehörde will die Romeikes offenbar nicht abschieben. Die streng religiöse deutsche Großfamilie war vor der deutschen Schulpflicht geflohen - in den USA hat sie viele Unterstützer.

Washington - "EILMELDUNG!!! Die Romeikes können bleiben!!!" 3426-mal wurde diese Facebook-Nachricht in den vergangenen 13 Stunden geteilt - Familie Romeike aus Baden-Württemberg hat eine große Unterstützer-Gemeinde in den USA.

Offenbar auch in der US-Heimatschutzbehörde: Trotz ihres gescheiterten Asylantrags wird die Familie vorerst nicht aus den USA abgeschoben. Dies habe die US-Heimatschutzbehörde dem streng religiösen Elternpaar am Dienstag mitgeteilt, sagte einer ihrer Anwälte in Purcellville (Virginia).

Damit könne die Familie mit sechs Kindern zunächst auf unbegrenzte Zeit in ihrer US-Wahlheimat Tennessee bleiben - auch ohne Staatsbürgerschaft. "Das ist ein sehr großer Erfolg. Wir sind dankbar und erfreut", sagte der Anwalt Mike Donnelly. Diese Aufenthaltserlaubnis könne zwar widerrufen werden, davon geht der Anwalt aber nicht aus. Die Nachricht sei dem Familienvater telefonisch überbracht worden. Die US-Behörden nahmen zunächst keine Stellung.

Erst am Vortag hatte der Oberste US-Gerichtshof eine Anhörung zu dem Fall abgelehnt und damit die Ablehnung des Asylantrags einer unteren Instanz bestätigt. Die Richter hatten entschieden, dass nach amerikanischem Recht kein Schutz vor der Schulpflicht in Deutschland gewährt werden kann.

Asylantrag lief seit 2008

Die Romeikes hatten vor Gericht angegeben, in Deutschland drohe ihnen Verfolgung. Die Eltern, die sich als evangelikale Christen verstehen, waren 2008 mit ihren Kindern aus Bissingen an der Teck in der Nähe von Stuttgart in die USA gezogen und hatten dort Asyl beantragt. Vorangegangen war ein Rechtsstreit in Deutschland, weil sie ihre Kinder nicht zu Hause unterrichten durften.

Die vergleichsweise große und lautstarke US-Homeschooling-Bewegung nimmt seither großen Anteil an dem Fall Romeike. In den USA gilt Homeschooling als klassisches Elternrecht. Ein bis zwei Millionen Kinder lernen Schätzungen zufolge bei den Eltern. Nicht immer sind die Gründe dafür religiös; einige Eltern kritisieren auch starre Lehrpläne und hohe Kosten für Privatschulen.

In Deutschland ist Homeschooling generell untersagt - die Verfassungen der Bundesländer sehen eine allgemeine Schulpflicht vor. Österreich, Frankreich, Großbritannien und andere Staaten kennen dagegen nur eine Unterrichts- oder Bildungspflicht. Die bibeltreuen Romeikes sind nicht die einzigen, die in Deutschland für Heimunterricht kämpfen. So wurde beispielsweise in Hessen eine streng religiöse Familie vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Eltern hatten ihre Kinder zu Hause unterrichtet, weil sonst die "Verführung zum Bösen" drohe.

Besonders verbissen führen evangelikale Christen den Kampf für das Homeschooling. Sie wollen ihre Kinder von weltlichen Einflüssen fernhalten und versuchen, sie im Weltbild ihres streng ausgelegten Glaubens zu erziehen. Auch die Familie Romeike wollte ihren Kindern das "unchristliche Treiben" an deutschen Schulen ersparen: Die Kinder würden in der staatlichen Schule "nach einem antichristlichen Weltbild erzogen", in Schulbüchern wimmele es von obszönen Ausdrücken, Flüchen und Gotteslästerungen, sagte Vater Romeike damals. "Es geht dort mehr um Vampire und Hexen als um Gott."

lgr/dpa/AP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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1. Wär das schön,
hansulrich47 05.03.2014
wenn wir alle Spinner in die USA schicken könnten.
2. Cool
namachschon 05.03.2014
Etwas mehr Lockerheit in dieser Frage würde das Abendland nicht untergehen lassen. Andere Länder, mit denen wir uns gern vergleichen, machen das doch auch, und es geht ihnen gut dabei.
3.
pauschaltourist 05.03.2014
---Zitat--- Sie wollen ihre Kinder von weltlichen Einflüssen fernhalten und versuchen, sie im Weltbild ihres streng ausgelegten Glaubens zu erziehen. Auch die Familie Romeike wollte ihren Kindern das "unchristliche Treiben" an deutschen Schulen ersparen ---Zitatende--- Kaputtlachen würde ich mich, wenn sich eines oder vielleicht sogar mehrere der Kinder später als schwul/lesbisch outen würde. Auf die Begründung des angeblich verderblichen Einflusses durch das Familienoberhaupt bin ich jetzt schon gespannt.
4. ...
krsone 05.03.2014
Sollen sie ihre Kinder doch vor dem Bösen schützen. Nur bitte sollen sie dann auch für die Lebensunfähigen Menschen die dann dabei rauskommen auf ihrem Christenhof behalten und nicht frei rumlaufen lassen
5. Reisende soll man nicht aufhalten!
galbraith-leser 05.03.2014
Darf man es ironisch finden, dass eine deutsche Familie ausgerechnet im Land des Satans (so bezeichnen ja nicht wenige Menschen auf dieser Welt die USA) nun erst einmal Bleiberecht erhält. Von mir aus dürfen alle Bibelspinner unser Land verlassen - Koran- und Talmud-Spinner auch. Voltaires Écrasez l'infâme! gilt heute mehr denn je auf der Welt.
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