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08. Februar 2016, 16:54 Uhr

Videospiele für Kinder

"Computer machen weder dumm noch krank"

Ein Interview von

Videospiele haben einen schlechten Ruf. Warum eigentlich? Psychotherapeut Georg Milzner meint: Sie helfen Kindern, in der Welt von morgen zurechtzukommen.

SPIEGEL ONLINE: Glaubt man einigen Pädagogen, Hirnforschern und Pädiatern, schadet kaum etwas unseren Kindern so sehr wie der Konsum digitaler Medien. Ist die Sorge berechtigt?

Milzner: Jede technische Neuerung ist unheimlich. Als die Eisenbahn erfunden wurde, fürchteten sich die Menschen vor der hohen Geschwindigkeit. Dann kam das Auto, und sie hatten Angst, dass bei schneller Fahrt die Augäpfel aus den Höhlen fliegen könnten. Im 19. Jahrhundert galt sogar Lesen als schädlich, später dann nur noch das Lesen von Comics. Neu an den digitalen Medien ist das Tempo, mit dem sie jeden Bereich unseres Lebens erobern. Den Eltern von heute fehlt das Genauso-war-ich-auch-Gefühl - während sie der erste Vollrausch des Sprösslings vielleicht noch an ihren eigenen erinnert. Das erzeugt Unruhe.

SPIEGEL ONLINE: Schadet es wirklich nicht, wenn ein 15-Jähriger tagelang "World of Warcraft" spielt?

Milzner: Doch, aber nur, wenn er nichts anderes macht. Solange das Leben reichhaltig bleibt, machen Computer weder dumm noch krank. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder begleiten. Mit 15 ist es dafür zu spät, aber wenn Sie mit jüngeren Kindern auch gemeinsam am Computer spielen, bringt das mehr als reine Verbote. Natürlich sollten Eltern ihrem Kleinkind kein Smartphone in die Hand drücken, um es ruhigzustellen. Aber warum nicht auf dem Handy ein Filmchen anschauen und danach das Gesehene mit Duplo-Steinen nachbauen? Wichtig ist, die Ebene zu wechseln, andere Sinne anzusprechen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Beschränkungen sind notwendig?

Milzner: Bei uns zu Hause gilt: keine Bildschirmgeräte, bevor die Hausaufgaben gemacht sind; und auch keine Computerspiele mehr nach halb acht Uhr abends. Aber nach exakt 30 Minuten ein Spiel beenden zu müssen, ist unrealistisch. Sie hören doch bei einem spannenden Roman auch nicht mitten im Satz auf zu lesen. Spiele haben eigene Sinneinheiten. Auch die WhatsApp-Gruppe der Schulklasse ist okay, aber bei jüngeren Kindern sollten die Eltern mitlesen.

SPIEGEL ONLINE: Verlieren die Kinder nicht wichtige Kompetenzen, wenn sie mehr daddeln, als dicke Bücher zu lesen?

Milzner: Einem Literaturprofessor mag das so erscheinen. Unsere Kinder müssen aber in der Welt von morgen zurechtkommen, und die wird anders sein als die, in der wir groß geworden sind.

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