Urteil zum Schulsport: Neunjährige Muslimin muss mitschwimmen

Die neunjährige Tochter von streng muslimischen Eltern muss zu den Schwimmstunden ihrer Grundschule erscheinen. Das entschied ein Gericht. Denn: Das Mädchen lerne neben Brustschwimmen und Kraulen dort auch etwas über die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

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Schwimmunterricht: Auch muslimische Grundschülerinnen müssen mitmachen

Ein neunjähriges muslimisches Mädchen darf dem Schwimmunterricht in der Grundschule nicht aus religiösen Gründen fernbleiben. Das hat das Oberverwaltungsgericht Bremen entschieden. Die Eltern der Schülerin hatten zu Beginn der dritten Klasse verlangt, ihre Tochter von den gemeinsamen Schwimmstunden für Jungen und Mädchen zu befreien.

Sie vertraten die Ansicht, dass nach einer strengen Auslegung des Korans die islamischen Bekleidungsvorschriften schon für Mädchen ab einem Alter von achteinhalb Jahren gelten würden - und dass ihre Tochter nicht mit Jungen konfrontiert werden solle, die nur eine Badehose tragen.

Die Richter teilten diese Meinung nicht: Nach Einsetzen der Pubertät, jedenfalls aber nach Vollendung des zwölften Lebensjahres, erkenne die Rechtsprechung für muslimische Schülerinnen einen Befreiungsanspruch an - wenn der Sportunterricht sie in einen persönlichen Gewissenskonflikt bringe. In der Grundschule sei ein solcher Konflikt aber noch nicht anzunehmen.

Vielmehr seien die Schwimmstunden in der Grundschule wichtig, um soziale Grundregeln zu lernen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Beschluss vom 13. Juni. "Mit dem koedukativen Sportunterricht wird das Ziel verfolgt, Jungen und Mädchen im Rahmen sportlicher Betätigung die Grundwerte der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Mann und Frau zu vermitteln."

Das Gericht verwies darauf, dass die Schule den Eltern angeboten habe, dass ihre Tochter in einem Ganzkörperbadeanzug am Schwimmunterricht teilnehmen könne. Das hatten die Eltern abgelehnt, weil ihre Tochter dadurch ausgegrenzt werde. Die Richter sahen diese Gefahr nicht. Das Mädchen trage in der Schule ein Kopftuch und nehme am restlichen Sportunterricht in weiter, den Körper verhüllenden Kleidung teil. Auch das habe bisher nicht zu Schwierigkeiten in der Klasse geführt.

Die Eltern waren mit ihrem Versuch, eine einstweilige Anordnung vor Gericht durchzusetzen, zuvor schon vor dem Verwaltungsgericht Bremen gescheitert. Auch andere Gerichte hatten in den letzten Jahren in bundesweit vielen ähnlichen Fällen eine Befreiung vom Schwimm- und Sportunterricht abgewiesen.

Aktenzeichen: 1 B 99/12

son

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